Asyl­be­wer­ber in Deutsch­land – Zah­len und Auf­ent­halts­sta­tus 2015 – 2019

Im­mer wie­der be­steht Un­klar­heit über Zah­len, Auf­ent­halts­sta­tus und Ver­bleib der seit 2015 nach Deutsch­land ge­kom­me­nen Asyl­be­wer­ber. Ge­naue Zah­len sind schwer zu re­cher­chie­ren. Hier ei­ne Schät­zung an­hand von Sta­tis­ti­ken des BAMF und Ar­ti­keln auf ver­schie­de­nen Web­sei­ten. Ich ge­he da­von aus, dass die Ab­wei­chun­gen von den tat­säch­li­chen Zah­len we­ni­ger als 20% be­tra­gen, si­cher ist das aber nicht.

Laut Aus­län­der­zen­tral­re­gis­ter hiel­ten sich Mit­te 2018 rund 235.000 Men­schen in Deutsch­land auf, die aus­rei­se­pflich­tig wa­ren, et­wa die Hälf­te da­von Asyl­be­wer­ber. Rund 3/4 von ih­nen hat­ten aber ei­ne Dul­dung, so dass nur ca. 60.000 un­mit­tel­bar aus­rei­se­pflich­tig wa­ren und de­nen u.U. ei­ne Ab­schie­bung droh­te.  Wei­te­re 370.000 Men­schen, de­ren Asyl­an­trag ab­ge­lehnt wor­den war, be­sa­ßen ein vor­läu­fi­ges Blei­be­recht, um den Aus­gang ih­rer Kla­ge ge­gen die Ab­leh­nung ih­res Asyl­an­tra­ges ab­zu­war­ten. Fer­ner be­fan­den sich rund 100.000 Asyl­be­wer­ber im Land, de­ren Asyl­ver­fah­ren noch nicht ab­ge­schlos­sen war. Das macht zu­sam­men et­wa 700.000 Men­schen, de­ren Auf­ent­halts­sta­tus über das Asyl­ver­fah­ren hin­aus un­ge­klärt ist oder die aus­rei­se­pflich­tig wa­ren.

Legt man die Er­folgs­quo­ten der letz­ten Jah­re von zu­letzt rund 35% bei Asyl­ver­fah­ren zu­grun­de so­wie von rund 25% bei Kla­gen ge­gen die Ab­leh­nung von Asyl­an­trä­gen, so ist zu er­war­ten, dass sich Mit­te 2018 gut 550.000 Men­schen oh­ne qua­li­fi­zier­te Auf­ent­halts­be­rech­ti­gung oder Bleibe­per­spek­ti­ve in Deutsch­land auf­hiel­ten. Die­se Zahl dürf­te bis heu­te in et­wa gleich ge­blie­ben sein oder sich leicht er­höht ha­ben, da ja stän­dig wei­te­re Asyl­ver­fah­ren hin­zu­kom­men.

Rund 200.000 (wohl zu­meist ab­ge­lehn­te) Asyl­be­wer­ber ver­lie­ßen von 2015 bis Mit­te 2018 per Ab­schie­bung (70.000) oder per staat­lich ge­för­der­ter frei­wil­li­ger Aus­rei­se (130.000) Deutsch­land. Die Rück­kehr­för­de­rung be­trägt pro Kopf 300 bis 1.200 Eu­ro, au­ßer­dem wer­den die Rei­se­kos­ten über­nom­men. Über frei­wil­li­ge Aus­rei­sen oh­ne För­de­rung oder Re­gis­trie­rung lie­gen kei­ne ver­läss­li­chen Zah­len vor, aus ver­schie­de­nen va­gen Schät­zun­gen kann man viel­leicht von 50.000 bis 200.000 Per­so­nen aus­ge­hen. (Link zu den Zah­len)

Rund 550.000 Asyl­an­trä­ge wur­den bis 2017 po­si­tiv be­schie­den, wei­ter 250.000 Asyl­be­wer­ber er­hiel­ten sub­si­diä­ren Schutz. Bis Mit­te 2019 dürf­ten ca. 100.000 wei­te­re an­er­kann­te Asyl- oder sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­te hin­zu­ge­kom­men sein.

Rund 150.000 Men­schen aus Sy­ri­en, Irak und Af­gha­ni­stan ge­lang­ten laut Aus­wär­ti­gem Amt (AA) zwi­schen 2015 und 2018 im Rah­men des Fa­mi­li­en­nach­zu­ges nach Deutsch­land. In­cl. grob ge­schätzt wohl rund 50.000 An­ge­hö­ri­gen von Flücht­lin­gen aus wei­te­ren Län­dern wür­de der Fa­mi­li­en­nach­zug da­nach gut 200.000 Per­so­nen be­tref­fen. Es gibt al­ler­dings Schät­zun­gen der Welt von En­de 2017, nach de­nen ein Fa­mi­li­en­nach­zug von 200.000 bis 300.000 An­ge­hö­ri­gen bis 2018 al­lein bei Sy­rern und Ira­kern rea­lis­tisch sei. Und Bild / Fo­cus sa­hen das Po­ten­ti­al des Fa­mi­li­en­nach­zu­ges nur für Sy­rer so­gar bei bis zu 390.000 An­ge­hö­ri­gen. Die­ses Po­ten­ti­al wur­de bis­lang je­doch ver­mut­lich nicht aus­ge­schöpft, zu­mal da sich zwi­schen­zeit­lich die La­ge in Sy­ri­en be­ru­hig­te. Ins­ge­samt kann man da­her wohl von ei­nem Fa­mi­li­en­nach­zug von 200.000 bis 400.000 An­ge­hö­ri­gen aus­ge­hen.

Zu­sam­men­fas­sung

Mit Fa­mi­li­en­nach­zug dürf­ten sich da­mit heu­te, Mit­te 2019, ca. 1,1 bis 1,3 Mio Men­schen in Deutsch­land auf­hal­ten, die seit 2015 als Asyl­su­chen­de oder Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge ein­reis­ten und ent­we­der als asyl­be­rech­tigt an­er­kannt wur­den oder sub­si­diä­ren Schutz er­hiel­ten oder nach­zugs­be­rech­tigt wa­ren und so­mit ei­ne qua­li­fi­zier­te, be­fris­te­te Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung er­hiel­ten.

Ca. 150.000 Men­schen ha­ben auf­grund lau­fen­der Asyl­ver­fah­ren ein vor­läu­fi­ges Blei­be­recht oder ei­nen Dul­dungs­sta­tus mit gu­ter Bleibe­per­spek­ti­ve, et­wa 500.000 Men­schen ein vor­läu­fi­ges Blei­be­recht oder ei­nen Dul­dungs­sta­tus mit ge­rin­ger Bleibe­per­spek­ti­ve und 60.000 Per­so­nen sind un­mit­tel­bar aus­rei­se­pflich­tig.

Fer­ner ge­hen Ex­per­ten da­von aus, dass sich zwi­schen 200.000 und 500.000 Aus­län­der oh­ne Be­hör­den­kon­takt in Deutsch­land auf­hal­ten. Von die­sen sind je­doch sind nur ein Teil ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber und nicht al­le sind erst seit 2015 hier.

Auf et­wai­ge Rück­kehr­per­spek­ti­ven für Kriegs- oder Bür­ger­kriegs­flücht­lin­ge, die den weit­aus größ­ten Teil der an­er­kann­ten Asyl­be­wer­ber aus­ma­chen, wird in die­sen Aus­füh­run­gen nicht ein­ge­gan­gen.

Link:

Asyl: An­trä­ge nach Al­ter und Ge­schlecht & Ent­schei­de 2014–2017 laut BAMF

Zu­letzt ak­tua­li­siert: 2019-08-26

Ti­tel­bild: Ele­kes An­dor [CC BY-SA 4.0], via Wi­ki­me­dia Com­mons

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