BAMF: Über 700.000 Asyl­an­trä­ge in 2016

An­trä­ge auf Asyl und Ent­schei­dun­gen 2016. 

Im Jah­re 2016 wur­den beim Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) 722.370 Asyl-Erst­an­trä­ge ge­stellt und 695.733 Ent­schei­dun­gen über Asyl-Er­st- und Fol­ge­an­trä­ge ge­trof­fen. Das sind je­weils die höchs­ten Zah­len ge­stell­ter bzw. ent­schie­de­ner An­trä­ge seit Be­ginn der in der BAMF-Bro­schü­re ent­hal­te­nen Auf­zeich­nun­gen im Jah­re 1953. Neu­re­gis­trie­run­gen von Zu­wan­de­rern aus Nicht-EU-Län­dern gab es in 2016 et­wa 300.000.

Die in Re­la­ti­on zu den ca. 300.000 Re­gis­trie­run­gen von Zu­wan­de­rern aus Nicht-EU-Län­dern in 2016 (die An­ga­ben schwan­ken zwi­schen 280.000 und 320.000) ho­he An­zahl von An­trä­gen und Ent­schei­den kommt da­durch zu­stan­de, dass mehr als die Hälf­te der in 2016 ge­stell­ten bzw. ent­schie­de­nen An­trä­ge von Zu­wan­de­ren ge­stellt wur­den, die be­reits im Jah­re 2015 nach Deutsch­land ein­ge­reist wa­ren und de­ren An­trä­ge auf­grund des gro­ßen An­drangs im Jahr 2015 nicht ge­stellt und/oder ent­schie­den wer­den konn­ten.

Fast 3/4 der An­trags­stel­ler wa­ren un­ter 30 Jah­re alt, et­wa 2/3 der An­trags­stel­ler ins­ge­samt wa­ren männ­li­ch, in den Al­ters­grup­pen von 16 bis 30 Jah­ren so­gar ca. 3/4. Haupt-Her­kunfts­län­der wa­ren Sy­ri­en (37%), Af­gha­nis­tan (18%) und Irak (13%).
(sie­he: BAMF-Bro­schü­re De­zem­ber 2016, Link un­ten).

asylantraege-2016-bamf

An­trä­ge auf Asyl in 2016 ge­stellt:
- 745.545 (Vor­jahr: 476.349) An­trä­ge ins­ge­samt, da­von
- 722.370 441.899) Erst­an­trä­ge
- 23.175 ( 34.750) Fol­ge­an­trä­ge.

Ent­schei­dun­gen über (Er­st- und Fol­ge-) An­trä­ge in 2016:
- 695.733 (Vor­jahr: 282.726), da­von wur­den

… an­er­kannt als asyl­be­rech­tigt:
36,8% (Vor­jahr: 48,5%) ins­ge­samt, da­von:
36,5% (47,8%) als Flücht­ling, §3 Abs. 1 AsylG und/oder Art. 16 a GG
0,3% (0,7%) nach Art. 16a GG, al­so auf­grund in­di­vi­du­el­ler Ver­fol­gung

… sub­si­diä­rer Schutz (be­fris­te­tes Blei­be­recht, s.u.)
22,1% (0,6%) Sub­si­diä­rer Schutz nach §4 Abs. 1 AsylG

… nicht an­er­kannt als asyl­be­rech­tigt:
41,1% (Vor­jahr: 51,5%) ins­ge­samt, da­von
3,5% (0,7%) Ab­schie­be­ver­bot nach §60 Abs. 5 o. 7 Auf­en­thG
25,0% (32,4%) Ab­leh­nung
12,6% (17,8) For­mel­le Ent­schei­dun­gen

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Er­läu­te­run­gen:

Asyl­be­rech­ti­gung  Asyl­be­rech­tigt und dem­nach po­li­ti­sch ver­folgt sind Men­schen, die im Fal­le der Rück­kehr in ihr Her­kunfts­land ei­ner schwer­wie­gen­den Men­schen­rechts­ver­let­zung aus­ge­setzt sein wer­den. (wei­te­re Er­läu­te­run­gen sie­he: BAMF Web­site)

Flücht­lings­schutz: Auf Ba­sis der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on gel­ten Men­schen als Flücht­lin­ge, die sich aus be­grün­de­ter Furcht vor Ver­fol­gung von staat­li­chen oder nicht­staat­li­chen Ak­teu­ren auf­grund ih­rer… (wei­ter sie­he: BAMF Web­site)

Sub­si­diä­rer Schutz greift, wenn we­der der Flücht­lings­schutz no­ch die Asyl­be­rech­ti­gung ge­währt wer­den kön­nen und im Her­kunfts­land ernst­haf­ter Scha­den droht. Sub­si­diär schutz­be­rech­tigt sind Men­schen, die stich­hal­ti­ge Grün­de da­für vor­brin­gen, dass ih­nen in ih­rem Her­kunfts­land ein ernst­haf­ter Scha­den droht und sie den Schutz ih­res Her­kunfts­lands nicht in An­spruch neh­men kön­nen oder we­gen der Be­dro­hung nicht in An­spruch neh­men wol­len. Ein ernst­haf­ter Scha­den kann so­wohl von staat­li­chen als auch von nicht­staat­li­chen Ak­teu­ren aus­ge­hen.
Recht­li­che Grund­la­gen und Fol­gen: Auf­ent­halts­er­laub­nis für ein Jahr; bei Ver­län­ge­rung: je­weils zwei wei­te­re Jah­re. Nie­der­las­sungs­er­laub­nis nach fünf Jah­ren (die Asyl­ver­fah­rens­dau­er wird ein­ge­rech­net) mög­li­ch, wenn wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen, wie et­wa die Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts so­wie aus­rei­chen­de Deutsch­kennt­nis­se, er­füllt sind. Un­be­schränk­ter Ar­beits­markt­zu­gang - Er­werbs­tä­tig­keit ge­stat­tet. (sie­he: BAMF Web­site)

Ab­schie­be­ver­bot: Ein schutz­su­chen­der Men­sch darf nicht rück­ge­führt wer­den, wenn die Rück­füh­rung in den Ziel­staat ei­ne Ver­let­zung der Eu­ro­päi­schen Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (EMRK) dar­stellt, oder dort ei­ne er­heb­li­che kon­kre­te Ge­fahr für Leib, Le­ben oder Frei­heit be­steht. (sie­he: BAMF Web­site)

For­mel­le Ent­schei­dun­gen sind haupt­säch­li­ch:
- Ent­schei­dun­gen nach dem Dub­lin-Ver­fah­ren, weil ein an­de­rer Mit­glied­staat zu­stän­dig ist
- Ver­fah­rens­ein­stel­lun­gen we­gen An­trags­rück­nah­me durch den Asyl­be­wer­ber
- Ent­schei­dun­gen im Fol­ge­an­trags­ver­fah­ren, dass kein wei­te­res Asyl­ver­fah­ren durch­ge­führt wird.
(sie­he: BAMF Web­site)

Wei­ter­hin gibt es no­ch das Ver­fah­ren Re­set­t­le­ment und hu­ma­ni­tä­re Auf­nah­me, bei dem es um die dau­er­haf­te Auf­nah­me von Flücht­lin­gen aus Dritt­staa­ten oh­ne Asyl­ver­fah­ren geht und das Re­lo­ca­ti­on-Ver­fah­ren, bei dem es um die Um­sied­lung von Asyl­be­wer­bern aus EU-Län­dern mit be­son­ders stark in An­spruch ge­nom­me­nen Asyl­sys­te­men geht wie et­wa Grie­chen­land und Ita­li­en. So ver­ein­bar­te Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel auf ei­nem Flücht­lings­gip­fel im Sep­tem­ber 2016, pro Jahr je­weils 6.000 Asyl­be­wer­ber aus Ita­li­en und Grie­chen­land zu über­neh­men und nach Deutsch­land zu über­füh­ren.

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Hier die kom­plet­te Bro­schü­re für das Jahr 2016:
Ak­tu­el­le Zah­len zu Asyl, De­zem­ber 2016 (bamf.de, .pdf)
Ak­tu­el­le Zah­len zu Asyl, De­zem­ber 2016 (Er­satz­link, .pdf)

Nach­trä­ge:

In den Jah­ren 2014 bis 2016 wur­den da­mit ins­ge­samt 1.337.341 Asyl-Erst­an­trä­ge ge­stellt. Da er­fah­rungs­ge­mäß ei­ni­ge Ein­wan­de­rer, die von ei­ner Ab­leh­nung ei­nes An­tra­ges aus­ge­hen und Ab­schie­bung be­fürch­ten oder aus an­de­ren Grün­den nicht bei den Be­hör­den re­gis­triert sein wol­len, kei­nen An­trag stel­len, kann man wohl von an die 1,5 Mio Zu­wan­de­rern aus Nicht-EU-Län­dern in die­sen 3 Jah­ren aus­ge­hen.

Laut Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) kehr­ten in 2016 rund 55.000 Per­so­nen frei­wil­lig in ih­re Hei­mat zu­rück, in vie­len Fäl­len von fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung zur Wie­der­ein­glie­de­rung mo­ti­viert, rund 25.000 wur­den ab­ge­scho­ben (Welt). Die­se Zahl müs­se no­ch stei­gen, mein­te der Mi­nis­ter.

Links

BAMF Sta­tis­tik 2015: BAMF Ent­schei­dun­gen 2015
BAMF Sta­tis­tik 2014: Asyl­ge­schäfts­sta­tis­tik De­zem­ber 2014 

2 Kommentare

  1. […] wer­den nicht ein­mal die Hälf­te der Asyl­an­trä­ge vom Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) an­er­kannt. Die Pra­xis, […]

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