Bun­des­haus­halts­de­bat­te 2018 (Vi­deo und Links)

End­lich wie­der ei­ne kom­plet­te Op­po­si­ti­on!

Im Mai 2018 prä­sen­tier­ten die Bun­des­kanz­le­rin und die Bun­des­mi­nis­ter dem Par­la­ment ih­re po­li­ti­schen Vor­ha­ben und er­läu­ter­ten ih­re Haus­halts­plä­ne. In die­sem Kon­text fan­den auch die General­aus­sprache zur Re­gie­rungs­po­li­tik und zum Bun­des­haus­halt so­wie die De­bat­ten über die Etats der ver­schie­de­nen Res­sorts statt.

In der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur­pe­ri­ode war die Op­po­si­ti­on mit nur rund 20% der Ab­ge­ord­ne­ten (Links­par­tei und Grü­ne) mar­gi­na­li­siert.  Da zu­dem die Grü­nen mit den Leit­li­ni­en der Re­gie­rungs­po­li­tik im Gro­ßen und gan­zen kon­form gin­gen, wur­de grund­sätz­li­che Kri­tik am  Re­gie­rungs­kurs zu­meist so­gar nur von den 10% Ab­ge­ord­ne­ten der Lin­ken ge­äu­ßert. Op­po­si­ti­on aus dem kon­ser­va­ti­ven und li­be­ra­len La­ger fehl­te gänz­lich, da we­der die FDP noch die AfD den Ein­zug ins Par­la­ment ge­schafft hat­ten.

Das hat sich nun ge­än­dert.  Die mäch­tig ge­schrumpf­te ‘Gro­Ko’ aus Uni­on und SPD ver­fügt nur noch über ei­ne knap­pe Mehr­heit von rund 55% ge­gen­über ei­ner in­halt­lich und the­ma­tisch breit auf­ge­stell­ten Op­po­si­ti­on von links über li­be­ral bis rechts­kon­ser­va­tiv mit ins­ge­samt 45%, wenn man die Grü­nen noch hin­zu­rech­net.

Da­mit ist die Zeit der Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit end­lich vor­über. De­mo­kra­tie lebt von der Viel­falt der In­ter­es­sen und dem Wett­be­werb und vom Aus­tausch der Ide­en, Ge­dan­ken, Kon­zep­te und Mei­nun­gen und stirbt in der Ein­falt an­geb­lich al­ter­na­tiv­lo­ser We­ge, zu­mal wenn es sich in Kern­fel­dern der Po­li­tik um frag­wür­di­ge deut­sche Son­der­we­ge han­delt.

Im Fol­gen­den do­ku­men­tie­ren wir die Ge­ne­ral­aus­spra­che zur Re­gie­rungs­po­li­tik und zum Bun­des­haus­halt in Bild & Wort und stel­len bei­spiel­haft die ers­te kon­ser­va­ti­ve Re­de im Bun­des­tag seit der neo­li­be­ra­len (!) ‘So­zi­al­de­mo­kra­ti­sie­rung der CDU’ ein­ge­hen­der vor.

Ge­ne­ral­aus­spra­che zum Bun­des­haus­halt, 16.05.2018, Teil 1.

Wei­del: ‘Die­ses Land wird von Idio­ten re­giert’ (Zi­tat Ze­man). – Wa­gen­knecht: ‘Gran­dio­se Mann­schaft von schwar­zen und ro­ten Nul­len’.

00:35 Ali­ce Wei­del (AfD), 11:57 An­ge­la Mer­kel (Bun­des­kanz­le­rin), 56:02 Chris­ti­an Lind­ner (FDP), 01:20:48 An­drea Nah­les (SPD), 01:42:40 Sah­ra Wa­gen­knecht (Die Lin­ke), 02:01:42 Kat­rin Gö­ring-Eckardt (B’90/Grüne).

Ali­ce Wei­del (AfD): Steu­er­zah­ler­aus­beu­tung nach Guts­her­ren­art

Ali­ce Wei­del be­män­gelt in ih­rer Re­de, dass der Haus­halt in­trans­pa­rent sei und Kos­ten und Las­ten, ins­be­son­de­re die ho­hen Zu­wen­dun­gen für Eu­ro­pa und die Ri­si­ken der Eu­ro- und Ban­ken­ret­tungs­schir­me  ver­schlei­ert wür­den. Der EU-Etat (30 Mrd) sei gar nicht im Haus­halt auf­ge­führt. Sie ver­weist fer­ner auf die Ri­si­ken der un­aus­ge­gli­che­nen Au­ßen­han­dels­über­schüs­se (Tar­get 2 Sal­den) und den nach wie vor ho­hen Schul­den­stand Deutsch­lands, der sich nach Be­rech­nun­gen von Ex­per­ten auf ins­ge­samt 7 Bio EUR be­lau­fe.

Deutsch­land ha­be ei­ne der höchs­ten Ein­kom­mens- und Aus­ga­ben­be­las­tung al­ler west­li­chen Staa­ten, ins­be­son­de­re mitt­le­re und klei­ne­re Ein­kom­men sei­en stark be­las­tet. Die Bun­des­re­gie­rung be­trei­be Steu­er­zah­ler­aus­beu­tung nach Guts­her­ren­art. Wäh­rend die In­fra­struk­tur ver­fal­le und der Staat sei­ne Bür­ger auf­grund der of­fe­nen Gren­zen nicht mehr schüt­zen kön­ne, flös­sen Aber­mil­li­ar­den in die Auf­nah­me und Ali­men­tie­rung il­le­ga­ler Ein­wan­de­rer.

Staats­auf­ga­be sei aber, das über Ge­ne­ra­tio­nen auf­ge­bau­te Volks­ver­mö­gen treu­hän­de­risch zum Woh­le des deut­schen Vol­kes zu ver­wal­ten und es nicht mit vol­len Hän­den zum Fens­ter ‘raus­zu­schmei­ßen’. Statt Fa­mi­li­en­po­li­tik wer­de auf kom­pen­sa­to­ri­sche Ein­wan­de­rung ge­setzt. Deutsch­land sei ein Ein­wan­dungs­land für Un­qua­li­fi­zier­te und ein Aus­wan­de­rungs­land für Hoch­qua­li­fi­zier­te ge­wor­den. Wei­del wirft der Bun­des­re­gie­rung vor, sie wol­le den Nie­der­gang des Lan­des nur ver­wal­ten, ei­ni­ge (ver­mut­lich mein­te sie die Grü­nen) ihn gar be­feu­ern.

“Bur­kas, Kopf­tuch­mäd­chen und ali­men­tier­te Mes­ser­män­ner und sons­ti­ge Tau­ge­nicht­se wer­den un­se­ren Wohl­stand, das Wirt­schafts­wachs­tum und vor al­lem den So­zi­al­staat nicht si­chern”, re­det sich Wei­del in Ra­ge: “..Wer zahlt denn in Zu­kunft Ih­re statt­li­chen Pen­sio­nen, auch Ih­re, Herr Hof­rei­ter, Schrei­hals! Ih­re ein­ge­wan­der­ten Gold­stü­cke et­wa? Das glau­ben Sie doch wohl nicht im Ernst! ..”

Am En­de ih­rer Re­de trägt Wei­del ei­ni­ge For­de­run­gen der AfD vor:

1. Scho­nungs­lo­ser Kas­sen­sturz
2. So­zi­al­staat si­chern, Zu­kunft ge­stal­ten – Die Stra­te­gie des Ge­ne­ra­tio­nen­er­sat­zes durch un­ge­re­gel­te Zu­wan­de­rung sei ge­schei­tert
3. Ech­te Steu­er­ge­rech­tig­keit: Mit­tel- und Ge­rungver­die­ner sol­len ent­las­tet wer­den. Ein Grund­frei­be­trag von 2.000 EUR / Mo­nat wä­re vi­sio­när, denn es kön­ne nicht sein, dass ein Fach­ar­bei­ter be­reits bei ei­nem 1,3- fa­chen des Durch­schnitts­ein­kom­mens den Spit­zen­steu­er­satz zu zah­len ha­be.
4. Kei­ne wei­te­re Aus­höh­lung der Sou­ve­rä­ni­tät

Rü­ge von Schäub­le

Bun­des­tags­prä­si­dent Schäub­le rüg­te im An­schluss, Wei­del dis­kri­mi­nie­re al­le Frau­en, die ein Kopf­tuch trü­gen. ‘Die­se Rü­ge sei völ­lig un­ge­recht­fer­tigt ge­we­sen’, sag­te Wei­del spä­ter im ZDF. Sie ha­be die Aus­sa­ge im Kon­text ei­ner Net­to­zu­wan­de­rung von Ge­ring­qua­li­fi­zier­ten ge­macht. “Ich ver­ste­he nicht ganz, was dar­an ei­ne Pro­vo­ka­ti­on sein soll”, sag­te sie dem Sen­der n-tv. Deutsch­land er­fah­re ei­ne “hun­dert­tau­sen­da­che Zu­wan­de­rung aus teil­wei­se bil­dungs­fer­nen, kul­tur­frem­den Kul­tur­krei­sen”. Sie ha­be mit der Äu­ße­rung auch auf die Un­gleich­be­hand­lung von Frau­en und Män­nern im Is­lam ver­wei­sen wol­len, die über­haupt nicht kom­pa­ti­bel mit dem Grund­ge­setz sei.

Hier der voll­stän­di­ge Text der Re­de von Ali­ce Wei­del

Ge­ne­ral­aus­spra­che zum Bun­des­haus­halt, 16.05.2018, Teil 2.

00:00 Vol­ker Kau­der (CDU/CSU), 12:31 Alex­an­der Gau­land (AfD), 24:38 Achim Post (SPD), 33:18 Si­mo­ne Bar­ri­ent­os (Die Lin­ke), 37:34 Frau­ke Pe­try (frak­ti­ons­los), 44:56 Alex­an­der Do­b­rindt (CDU/CSU), 56:32 Marc Jon­gen (AfD), 01:02:04 Mar­tin Gers­ter (SPD), 01:09:20 Mo­ni­ka Grüt­ters (Staats­mi­nis­te­rin für Kul­tur und Me­di­en), 01:16:55 Jo­ana Co­tar (AfD), 01:20:52 Mar­tin Ra­ba­nus (SPD), 01:27:16 Er­hard Grundl (B’90/Grüne), 01:32:40 Pa­tri­cia Lips (CDU/CSU).

Links
Ge­ne­ral­aus­spra­che im Bun­des­tag (Phoe­nix)
Die Wo­che im Bun­des­tag, 15.05.18 – 18.05.18 (Phoe­nix)
Oh­ren zu und durch (Ti­chys)

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