Bun­des­tags­wahl 2017: Al­les auf An­fang!

Auf nach Ja­mai­ka?

Denn ne­ben Ja­mai­ka sind auch bal­di­ge Neu­wah­len ei­ne durch­aus nicht un­rea­lis­ti­sche Op­ti­on. Ja, rich­tig ge­le­sen: Es geht gen West- Süd­west Rich­tung Ja­mai­ka! Denn mit dem Rück­zug der SPD in die Op­po­si­ti­on – so es denn da­bei bleibt und da­von kann man wohl aus­ge­hen – blie­be die von vie­len Ex­per­ten be­reits vor der Wahl fa­vo­ri­sier­te Ja­mai­ka- Ko­ali­ti­on aus CDU/CSU, FDP und Grü­nen die ein­zi­ge rea­lis­ti­sche Op­ti­on für die Bil­dung ei­ner Re­gie­rung mit ei­ner Mehr­heit im Par­la­ment. Ganz so ein­fach dürf­te die al­ler­dings nicht zu­stan­de kom­men. Denn in der Ka­ri­bik ist ge­ra­de Hur­ri­kan-Sai­son!

Zwar kön­nen FDP & Grü­ne vom Wahl­er­geb­nis her mit brei­ter Brust in Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ge­hen, doch auch in der Tie­fe des Rau­mes die­ser Par­tei­en schlum­mert Po­ten­ti­al für Kon­flik­te. Die FDP muss vor al­lem zu­se­hen, dass sie das in sie ge­setz­te Ver­trau­en nicht gleich wie­der ver­spielt. Wä­re ja nicht das ers­te Mal. Ins­be­son­de­re in der Fra­ge der Ver­ge­mein­schaf­tung der eu­ro­päi­schen Staats­schul­den und -haus­hal­te so­wie in der in der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur völ­lig aus dem Ru­der ge­lau­fe­nen Asyl- und Ein­wan­de­rungs­po­li­tik, der sie mit ei­ner Art AfD- light- Kon­zept pro­gram­ma­tisch Rech­nung trug und da­her et­li­che Stim­men zu ver­dan­ken ha­ben dürf­te, muss sie lie­fern. Ob mit oder oh­ne den von Lind­ner im Wahl­kampf ge­for­der­ten Mer­kel-Un­ter­su­chungs­aus­schuss.

Bei den Grü­nen könn­ten sich – rein theo­re­tisch, ver­steht sich – zu­neh­mend die­je­ni­gen zu Wort mel­den, die den Weg von ei­ner Par­tei der Ideo­lo­gen, Phan­tas­ten und Gut­men­schen hin zu ei­ner Par­tei prag­ma­ti­scher Rea­lis­ten ganz ger­ne auch mal kon­se­quent zu En­de ge­hen wol­len. Da­zu müss­ten aber noch ein paar ho­he Hür­den ge­nom­men und der ei­ne oder an­de­re Rat aus Tü­bin­gen an­ge­nom­men wer­den. Dem sport­li­chen Cem Öz­de­mir ist das si­cher­lich zu­zu­trau­en. KGE müss­te nach ih­ren bis­he­ri­gen Fehl­ver­su­chen in der Dis­zi­pin sinn­vol­le Aus­sa­gen zur Zu­wan­de­rung wohl erst­mal reich­lich Charme in­ves­tie­ren. Oder sagt man heu­te bei Frau­en Chuz­pe? Egal, sie ver­fügt ja über bei­des.

Is it love? Bob Mar­ley

Noch deut­lich tie­fer ge­hen die Ver­wer­fun­gen bei der Uni­on. Ins­be­son­de­re die schwer an­ge­schla­ge­ne CSU (mi­nus 10% in Bay­ern) steht un­ter enor­mem Druck, nach vie­len voll­mun­di­gen An­kün­di­gun­gen zur Ab­wechs­lung auch mal zu lie­fern. Dort hat das Hau­en & Ste­chen schon be­gon­nen und der al­te wei­ße Mann der Par­tei kämpft be­reits mit ei­nem Bein im ba­ju­wa­ri­schen Meer. Oder frän­ki­schen Sumpf. Ei­nen Trumpf hat See­ho­fer im­mer­hin in der Hin­ter­hand: Oh­ne die CSU geht dies­mal gar nichts, denn oh­ne ih­re 6% müss­te die kom­plet­te Pau­schal­rei­se nach Ja­mai­ka man­gels Wind im Se­gel, sprich Mehr­heit im Bun­des­tag, stor­niert wer­den. No Le­der­ho­se, no cry – aber eben auch kein fun!

Und auch bei der CDU könn­te sich die schein­ba­re Ru­he als trü­ge­risch er­wei­sen. Denn ob die am­bi­tio­nier­ten Hoff­nungs­trä­ger, Ab­ge­ord­ne­ten und Re­gio­nal­fürs­ten in der Par­tei wei­ter­hin still­hal­ten und dem un­auf­hör­lich brö­ckeln­den Ver­trau­ens­ver­lust der Bür­ger in ih­re Par­tei wei­ter­hin ta­ten­los zu­se­hen wer­den, bleibt ab­zu­war­ten. Viel­leicht ist ein sol­ches Wahl­er­geb­nis ein gu­ter An­lass & Zeit­punkt, über das Image ei­nes Kanz­ler­wahl­ver­eins noch­mal neu nach­zu­den­ken?

Auf der Su­che nach dem ver­lo­re­nen Ver­trau­en

Be­vor es wei­ter ge­hen kann, muss aber doch noch das ei­ne oder an­de­re auf­ge­ar­bei­tet wer­den. Wer­den die eta­blier­ten Par­tei­en aus dem Wahl­er­geb­nis ler­nen oder wer­den sie nach dem ers­ten Auf­ruhr wie­der all­zu rasch in den al­ten Trott ver­fal­len? Zu­nächst ein­mal war nicht all­zu viel Selbst­kri­tik er­kenn­bar. Kaum wa­ren die Wahl­lo­ka­le ge­schlos­sen, die ers­te Hoch­rech­nung ver­kün­det und die Ge­sich­ter der Ver­tre­ter der bis­he­ri­gen Re­gie­rungs­par­tei­en dem­entspre­chend läng­lich, wur­de zu­nächst in den Po­li­ti­ker­run­de wie­der ein­mal nur ein Sün­den­bock ge­sucht und ge­fun­den, um vom ei­ge­nen Ver­sa­gen ab­zu­len­ken, statt die ei­ge­ne Po­li­tik zu hin­ter­fra­gen.

Dass so vie­le Men­schen im Land zu­tiefst un­zu­frie­den sind, das ha­ben die Kanz­le­rin, die CDU/CSU und die SPD aber ganz al­lei­ne sich selbst zu­zu­schrei­ben. Und dass die Men­schen auch nicht Schulz statt Mer­kel woll­ten, liegt schlicht in der pro­gram­ma­ti­schen wie per­so­nel­len Ver­ant­wor­tung der SPD. Das Er­star­ken der AfD ist nicht die Ur­sa­che der Pro­ble­me im Land, son­dern die Fol­ge ei­ner Po­litk, die sich vom All­tag der Bür­ger und ih­ren Be­dürf­nis­sen mei­len­weit ent­fernt oder gar kom­plett ab­ge­kop­pelt hat.

Mit ei­nem ‘wei­ter so’ und ‘wir schaf­fen das’ wird sich die Spal­tung im Land schwer­lich über­win­den las­sen. Auch nicht mit ei­nem ‘jetzt erst recht’. Es ist ja kei­nes­wegs so, dass al­les, was Mer­kel und die Bun­des­re­gie­rung in den ver­gan­ge­nen 4 Jah­ren ge­macht ha­ben und was der Staats­funk ge­sen­det hat, al­ter­na­tiv­los, gut und rich­tig war. Es ist aber auch nicht so, dass man es künf­tig nicht bes­ser ma­chen kann. Kri­tik und das Su­chen nach bes­se­ren, so­zi­al­ver­träg­li­chen Lö­sun­gen oder nach ei­ner Al­ter­na­ti­ve oder ei­ner Kor­rek­tur für ei­nen fal­schen Kurs ist Teil de­mo­kra­ti­scher Kul­tur und Dis­kur­ses und Kri­ti­ker sind nicht per se Na­zis, Ras­sis­ten oder sons­ti­ge Ver­bre­cher, die aus­ge­grenzt und mund­tot ge­macht wer­den müs­sen. Oder ist es doch schon wie­der so­weit?

1 Kommentar

  1. Man kann der AFD nur wu­en­schen ‚dass Sie den Rat die­ses Man­nes fol­gen.

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