Bun­des­tags­wahl 2017: Al­les auf An­fang!

Bad Boys – aber auch se­xy?

Auch die AfD soll­te sich nicht all­zu si­cher füh­len. 2/3 ih­rer Wäh­ler sind Pro­test­wäh­ler, die den eta­blier­ten Par­tei­en kein Ver­trau­en mehr ent­ge­gen­brach­ten, aber durch­aus Si­gna­len aus den Alt­par­tei­en auf­ge­schlos­sen ge­gen­über ste­hen und zu re­agie­ren be­reit sein dürf­ten, wenn dort wie­der agiert wird. Schwer zu sa­gen, in­wie­fern kra­wal­li­ge Auf­trit­te und grenz­wer­ti­ge Aus­sa­gen ei­ni­ger AfD-Prot­ago­nis­ten die Wahl­chan­cen der Par­tei be­ein­flusst ha­ben, auf Dau­er aber scha­det das mit Si­cher­heit. Klu­ge Po­li­ti­ker ste­hen über sinn­lo­sen Pro­vo­ka­tio­nen und kon­zen­trie­ren sich auf das We­sent­li­che, näm­lich ih­re Auf­ga­ben. Und klu­ge Po­li­tik macht man nicht mit kom­pli­zier­ten, zwei­schnei­di­gen State­ments, wel­che die ei­nen nicht ver­ste­hen kön­nen und die an­de­ren nicht ver­ste­hen wol­len, son­dern mit Ar­gu­men­ten, die je­der ver­steht.

Bad Boys – Za­ra Lars­son

Die AfD be­zieht ih­ren Zu­spruch nicht dar­aus, dass sie das Rad neu er­fun­den hat, son­dern dass sie ei­ne Kon­ti­nui­tät all­ge­mein mensch­li­cher Be­dürf­nis­se nach Iden­ti­tät, In­te­gri­tät, Staats­rai­son und Si­cher­heit re­prä­sen­tiert oder je­den­falls re­prä­sen­tie­ren will, die bei den eta­blier­ten Volks­par­tei­en 50 Jah­re selbst­ver­ständ­lich war, ih­nen war­um auch im­mer in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren aber nach und nach ab­han­den ge­kom­men ist. Der AfD muss man al­so drin­gend emp­feh­len, rechts­staat­li­che Ge­sin­nung nach­hal­tig nach­zu­wei­sen und trotz des me­dia­len Sperr­feu­ers, das der­zeit auf sie nie­der­pras­selt, Ru­he zu be­wah­ren und be­son­nen zu blei­ben. Wenn sie sich wirk­lich als Volks­par­tei eta­blie­ren will, dann be­ginnt die Ar­beit erst jetzt so rich­tig!

P.S. Was man von der AfD er­war­ten kann, muss man na­tür­lich von den Po­li­ti­kern al­ler Par­tei­en er­war­ten, z.B. auch von SPD-Mann Jo­han­nes Kahrs, der po­li­ti­sche Mit­be­wer­ber schon mal als ‘rechts­ra­di­ka­le Arsch­lö­cher’ be­zeich­net oder auch von an­de­ren, die mehr oder min­der un­be­schol­te­ne Bür­ger als ‘Pack’, ‘Schan­de für Deutsch­land’ o.ä. zu ti­tu­lie­ren be­lie­ben. Ei­ne an­de­re Mei­nung ist nun mal kein Ver­bre­chen. Bis­lang je­den­falls noch nicht.

Aus­blick

Nach und auf­grund der Wahl ist Be­we­gung in der po­li­ti­schen Land­schaft und es bro­delt in fast al­len Par­tei­en ge­wal­tig. Es ist im­mer gut, wenn Ver­krus­tun­gen in­ner­halb und mög­lichst auch zwi­schen Par­tei­en auf­bre­chen und Pro­ble­me nicht nur in An­dacht und Ein­tracht mit­ein­an­der be­staunt wer­den, son­dern wie­der ernst­haft um In­hal­te und Lö­sun­gen ge­run­gen wird. Das ist man ja gar nicht mehr ge­wohnt. In fast al­len Par­tei­en gibt es un­ter­schied­li­che Mei­nun­gen oder gar Flü­gel zu den wich­ti­gen po­li­ti­schen Fra­gen. Es ist zu hof­fen, dass mög­lichst vie­le Prag­ma­ti­ker und nicht Ideo­lo­gen und Phan­tas­ten zum Zu­ge kom­men. Denn die La­ge ist Ernst.

Der­zeit scheint we­nig ge­wiss und vie­les denk­bar, was vor kur­zem noch un­denk­bar war. Man soll­te das auf­merk­sam be­ob­ach­ten und für gu­te An­sät­ze und Ent­wick­lun­gen egal wo auf­ge­schlos­sen sein. Und vor we­ni­ger gu­ten Ent­wick­lun­gen nicht die Au­gen ver­schlie­ßen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist viel lie­gen ge­blie­ben, in Re­gie­rung wie Op­po­si­ti­on. Es gibt da­her für al­le ge­nü­gend zu tun. Je­de Par­tei hat die glei­che Chan­ce, sich zu be­wäh­ren oder neu zu emp­feh­len. Denn nach die­ser Wahl ist erst­mal wie­der al­les auf An­fang!

Ach ja: Der Wahl­kampf ist üb­ri­gens vor­über. Ei­ni­ge haben’s of­fen­bar noch nicht ge­merkt, et­wa ein paar au­ßer­or­dent­li­che Spaß­vö­gel beim DLF. Aber Leu­te, mal ehr­lich und ganz im Ver­trau­en: Man kann das Het­zen & Dif­fa­mie­ren jetzt ru­hig ein­stel­len. Bringt nie­man­dem mehr Wäh­ler­stim­men ein und kos­tet auch kei­nem wel­che! Lohnt sich al­so nicht. Oder et­wa doch?

Links:
Deutsch­land nach der Wahl – Quo va­dis? (Tichy’s)
Em­pö­rung über AfD ist will­kom­me­ne Ab­len­kung (NZZ)
Rück­tritt von Mer­kel über­fäl­lig (BAZ)
Die Ar­ro­ganz der Macht (Spie­gel)

Gra­phi­ken: Screen­co­py Wi­ki­pe­dia

1 Kommentar

  1. Man kann der AFD nur wu­en­schen ‚dass Sie den Rat die­ses Man­nes fol­gen.

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