CDU Mi­gra­ti­ons-Werk­statt: Hu­ma­ni­tät und Här­te

Zu­sam­men­fas­sung, Ana­ly­se und Be­wer­tung des Work­shops und der Er­geb­nis­se

Teil 1.1: Ex­per­ten und Prak­ti­ker im Dia­log

Herr Ul­rich aus dem Bur­gen­land, Herr Gö­bel aus dem Land­kreis Mün­chen und ein wei­te­rer Prak­ti­ker aus dem Pu­bli­kum: In­te­gra­ti­on muss schon aus Si­cher­heits­grün­den für al­le Men­schen er­fol­gen, die den Ge­mein­den zu­ge­wie­sen wer­den. Es soll­ten da­her schnel­le Asyl­ver­fah­ren durch­ge­führt wer­den und Men­schen, die kei­ne Bleibe­per­spek­ti­ve ha­ben, soll­ten zü­gig im eu­ro­päi­schen Rah­men zu­rück­ge­führt wer­den und gar nicht erst auf die Ge­mein­den ver­teilt wer­den.

Dr. Hans-Eck­hard Som­mer (Prä­si­dent des BAMF): Schnel­le Asyl­ver­fah­ren mit ei­ner Re­geldau­er von 6 bis 12 Wo­chen gibt es be­reits! Das Pro­blem ist der lan­ge Rechts­weg und die Über­las­tung der Ge­rich­te! Hier soll­te Deutsch­land von sei­nen eu­ro­päi­schen Nach­barn ler­nen. – Wei­te­res Pro­blem: Das Asyl­recht ist EU- recht­lich ge­prägt und vor­be­stimmt. Die Gleich­stel­lung von Bür­ger­kriegs­flücht­lin­gen mit po­litsch Ver­folg­ten sei ein Feh­ler im EU- Asyl­recht. Der Um­gang mit Bür­ger­kriegs­flücht­lin­gen soll­te po­li­tisch fest­ge­legt wer­den. – Die EU- Rück­füh­rungs­richt­li­nie sei ei­ne Rück­füh­rungs- Ver­hin­de­rungs­richt­li­nie. Die soll­te ver­bes­sert wer­den. (Da­ni­el Thym da­zu: Das Pro­blem ist be­reits in Be­ar­bei­tung)

Po­li­zist Os­ter­mann: Mahnt mehr Prag­ma­tis­mus und Rea­lis­mus bei Rück­füh­run­gen an.

Ti­man Ku­ban fragt nach der Re­le­vanz von Er­satz­päs­sen. Er schlägt ei­ne Aus­wei­tung der Wohn­sitz­auf­la­ge und der Re­si­denz­pflicht für voll­zieh­bar Aus­rei­se­pflich­ti­ge vor.

Po­li­zei­be­am­ter mit MiHi aus Frank­furt: Es braucht nicht nur gu­te Ge­set­ze, son­dern auch ei­nen star­ken Staat, der die Ge­set­ze und das Recht durch­setzt!

Zu­sam­men­fas­sung der Ant­wor­ten der Ex­per­ten

Ge­rald Knaus schlägt er­neut ein Auf­nah­me- und Asyl­zen­trum im Mit­tel­meer für al­le Flücht­lin­ge vor, die übers Mit­tel­meer kom­men, z.B. Hot­spots auf Kor­si­ka, in Spa­ni­en oder auf ei­ner grie­chi­schen In­sel. Dort sol­le auch das Asyl­ver­fah­ren statt­fin­den. Um Rück­füh­run­gen in die Hei­mat­län­der durch­zu­füh­ren, soll­te nicht un­be­dingt die ge­sam­te EU, son­dern die be­trof­fe­nen EU- Län­der ge­mein­sam Ver­hand­lun­gen mit den Hei­mat­län­dern auf­neh­men und Lö­sun­gen in bei­der­sei­ti­gem In­ter­es­se an­stre­ben, die dann von der EU ins­ge­samt über­nom­men wer­den. – Hoff­nung: Mit ei­ner Ko­ali­ti­on der Wil­li­gen in der EU um Mehr­hei­ten und Zu­stim­mung wer­ben, Po­li­tik bes­ser struk­tu­rie­ren und in­sti­tu­tio­na­li­sie­ren, um zu prak­ti­schen Lö­sun­gen zu fin­den, die Vor­bild für die an­de­ren EU- Staa­ten sein kön­nen.

Eg­bert Jahn: Es gibt kei­ne eu­ro­päi­sche Ei­nig­keit, es geht nur mit ei­ner Ko­ali­ti­on der Wil­li­gen. Hot­spots soll­ten zu dau­er­haf­ten Sied­lun­gen für Flücht­lin­ge aus­ge­baut wer­den. Das kön­ne auch in Eu­ro­pa ge­sche­hen, nicht nur in der Drit­ten Welt. – Hoff­nung: Ra­di­kal- mo­ra­li­sche (ge­sin­nungs­ethi­sche) Po­si­tio­nen müs­sen eben­so kri­tisch hin­ter­fragt wer­den wie die For­de­rung nach to­ta­ler Ab­schot­tung. Deutsch­land ist in Eu­ro­pa mit sei­ner [li­be­ra­len] Mi­gra­ti­ons­po­li­tik iso­liert. Die CDU muss bei­de Po­si­tio­nen mit­ein­an­der ver­mit­teln.

Da­ni­el Thym: Man dür­fe die Flücht­lings­po­li­tik we­der mo­ra­lisch über­hö­hen noch sich ab­schot­ten. Auf­grund des Kon­troll­ver­lus­tes in 2015 sei die Ge­sell­schaft ver­un­si­chert und der Dis­kurs po­la­ri­siert, so dass in bei­den La­gern ein­fa­che Ant­wor­ten ge­ge­ben wür­den. Nun sei es schwie­rig ge­wor­den, die Men­schen von ei­ner Po­li­tik zu über­zeu­gen, die In­ter­es­sen & Wer­te mit­ein­an­der ver­bin­de. – Hoff­nung: Wei­te­re Po­la­ri­sie­rung in der Ge­sell­schaft ver­hin­dern, in fai­rem Dis­kurs ge­mein­sa­me Lö­sun­gen an­stre­ben.

Chris­ti­an Hill­gru­ber: Ei­ne eu­ro­päi­sche Lö­sung ist nicht in Sicht, das sei ei­ne Bank­rott­er­klä­rung für das ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche Asyl­sys­tem: ‘Die­ser Teil­be­reich der eu­ro­päi­schen Ver­ge­mein­schaf­tung ist in den ent­schei­de­nen Fra­gen ge­schei­tert.’ – Es sei un­klug, sub­si­diä­ren Schutz zu ver­recht­li­chen. Rechts­an­sprü­che, die man ein­räumt, müs­sen be­frie­digt wer­den, das stel­le aber ein Über­for­de­rung der Auf­nah­me­län­der dar. – Päs­se: Mit­wir­kungs­pflicht bei Iden­ti­täts­fest­stel­lung ein­for­dern! Es gibt ei­ne völ­ker­recht­li­che Rück­nah­me­ver­pflich­tung der Hei­mat­län­der! Staa­ten, die sich nicht dar­an hal­ten, ha­ben kei­nen An­spruch, von der EU Leis­tun­gen zu er­hal­ten. – Hoff­nung: Wei­te­re Po­la­ri­sie­rung in der Ge­sell­schaft ver­hin­dern, in fai­rem Dis­kurs Ei­ni­gun­gen an­stre­ben, ge­ra­de die Uni­on ist der rich­ti­ge Ort da­für. Und kei­ne Selbst­über­for­de­rung! Nur das ma­chen, was man schaf­fen kann. Die Si­cher­heits­la­ge rea­lis­tisch ein­schät­zen und re­agie­ren! Kul­tu­rel­le und po­li­ti­sche In­te­gra­ti­on ein­for­dern!

State­ment AKK

An­ne­gret Kramp- Kar­ren­bau­er be­dankt sich für die in­ter­es­san­te Ge­sprächs­run­de. Die ge­won­ne­nen An­re­gun­gen soll­ten nun in den Work­shops ver­tieft wer­den, um zu prak­ti­schen Lö­sun­gen zu ge­lan­gen. Ziel sei es, die Fä­hig­keit zum Dis­kurs und zur kon­struk­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung zu stär­ken. Das The­ma Mi­gra­ti­on sei künf­tig un­ter dem Mot­to ‘Hu­ma­ni­ät und Här­te’ zu dis­ku­tie­ren. – In ei­nem In­ter­view mit den Ta­ges­the­men nach dem Work­shops (s.u.) sag­te AKK, dass künf­tig auch Grenz­schlie­ßun­gen als ‘ul­ti­ma ra­tio’ mög­lich sei­en.

AKK: Grenz­schlie­ßun­gen als ‘ul­ti­ma ra­tio’ mög­lich (Ta­ges­the­men, 11.02.2019)

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1 Kommentar

  1. […] es zu vie­le jun­ge Män­ner gibt… (NZZ, 2006, E) (3) Kei­ne ‘girl fri­ends’ im Is­lam (Welt, 2016, E) (3) Will­kom­men­sun­kul­tur (NZZ, 2016, E) Eu­ro­pa hat ein Män­ner­pro­blem […]

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