CDU Mi­gra­ti­ons-Werk­statt: Hu­ma­ni­tät und Här­te

Zu­sam­men­fas­sung, Ana­ly­se und Be­wer­tung des Work­shops und der Er­geb­nis­se

Ré­su­mé der CDU- Werk­statt­ge­sprä­che

Die Mi­gra­ti­ons- Werk­statt er­brach­te ei­nen in­ter­es­san­ten und an­re­gen­den Aus­tausch von Ge­dan­ken, Ar­gu­men­ten und Mei­nun­gen in ei­ner an­ge­neh­men und sach­li­chen At­mo­sphä­re. Ein zi­vi­li­sier­ter Dis­kurs un­ter Men­schen mit un­ter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen ist al­so nach wie vor mög­lich – wenn man denn will! Die von den Vor­ga­ben von Kanz­le­rin Mer­kel und den Grü­nen maß­geb­lich be­stimm­te Flücht­lings­po­li­tik ist al­les an­de­re als al­ter­na­tiv­los!

Ob­wohl die Ex­per­ten aus grund­sätz­lich un­ter­schied­li­chen La­gern kom­men, gab es ei­ne Fül­le von Über­ein­stim­mun­gen, im Pro­blem­be­wusst­sein eben­so wie bei der Be­ur­tei­lung der La­ge und im Hin­blick auf zu tref­fen­de Maß­nah­men. Kei­ne Re­de war mehr von Po­si­tio­nen wie ‘Deutsch­land kann sei­ne Gren­zen nicht schüt­zen’, ‘wir kön­nen nicht be­stim­men, wie vie­le Men­schen kom­men’ oder ‘das Asyl­recht kennt kei­ne Ober­gren­ze’.

Über­ein­stim­mun­gen

  • Ge­mein­sa­mes (!) Mot­to: Hu­ma­nis­mus und Här­te
  • Kei­ne ex­tre­men Po­si­tio­nen (to­ta­le Ab­schot­tung’ bzw. ‘open bor­ders’)
  • Kei­ne mo­ra­li­sche Über­hö­hung oder Ab­wer­tung der Po­si­tio­nen!
  • Kein Leug­nen von Pro­ble­men (Kri­mi­na­li­tät, Si­cher­heit)
  • Tran­sit­zen­tren und Hot­spots an den Au­ßen­gren­zen
  • Un­ter­schei­dung zwi­schen Kriegs­flücht­lin­gen und Wirt­schafts­mi­gran­ten
  • Asyl­ver­fah­ren ver­ein­fa­chen und be­schleu­ni­gen (Rechts­weg ver­kür­zen!)
  • Zü­gi­ge Rück­füh­rung von Wirt­schafts­mi­gran­ten
  • Zu­wei­sung an Ge­mein­den nur bei Bleibe­per­spek­ti­ve

Das sind im Prin­zip For­de­run­gen, die seit Jah­ren aus der Be­völ­ke­rung kom­men und schon von See­ho­fer, der AfD und so­gar von Pe­gi­da er­ho­ben wur­den und ge­gen die sich Mer­kel und die SPD (und die Grü­nen bis auf Pal­mer so­wie­so) bis­lang ge­wehrt ha­ben! Aus die­sen Über­ein­stim­mun­gen wird aber auch deut­lich, dass selbst die ver­nünf­ti­gen, ver­ant­wor­tungs­ethisch ar­gu­men­tie­ren­den Mi­gra­ti­ons- Be­für­wor­ter sehr un­zu­frie­den sind mit der bis­he­ri­gen po­li­ti­schen und ad­mi­nis­tra­ti­ven Pra­xis und die­se ver­än­dern wol­len.

Un­ter­schie­de

Es gibt aber auch ei­ni­ge fun­da­men­ta­le Un­ter­schie­de. Et­wa, was die Be­ur­tei­lung der Per­spek­ti­ven und Chan­cen der Asyl-, Flüch­lings- und Mi­gra­ti­ons­po­li­tik im Hin­blick auf In­te­gra­ti­on von Men­schen aus frem­den Kul­tur­krei­sen an­be­langt, da Welt­an­schau­un­gen und So­zia­li­sa­ti­on die­ser Men­schen sich oft­mals fun­da­men­tal von de­nen der in­di­ge­nen Be­völ­ke­rung un­ter­schei­den. Wäh­rend Knaus und Thym sich eher op­ti­mis­tisch zeig­ten, was In­te­gra­ti­on be­trifft, wenn man es denn rich­tig macht, sind Hill­gru­ber und Jahn eher skep­tisch. Sie se­hen und be­fürch­ten wei­ter­hin ei­ne Selbst­über­schät­zung und Über­for­de­rung. Bei Knaus und Thym ist da­her die Be­reit­schaft, Ri­si­ken ein­zu­ge­hen, hö­her, wäh­rend sie bei Hill­gru­ber und Jahn nied­ri­ger ist.

Ein wei­te­rer Un­ter­schied, der im CDU- Work­shop al­ler­dings nicht her­vor­ge­ho­ben the­ma­ti­siert wur­de, be­trifft die Ein­wan­de­rung in die So­zi­al­sys­te­me. Hill­gru­ber wies auf die ge­setz­li­che Rück­kehr­ver­pflich­tung nach Ent­fall des Flucht­grun­des hin (z.B. En­de der Krie­ge im Irak, Sy­ri­en und Eri­trea), Knaus will den Men­schen of­fen­bar mehr Zeit ein­räu­men oder gar dau­er­haf­ten Auf­ent­halt ge­wäh­ren. Im­mer­hin be­ton­te auch Knaus die Be­deu­tung der Ein­glie­de­rung in den Ar­beits­markt und von Bil­dung als not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne In­te­gra­ti­on in die Ge­sell­schaft.

Was fehlt

So gut wie gar nicht an­ge­spro­chen – al­len­falls in­di­rekt beim The­ma Se­xu­al­kri­mi­na­li­tät – wur­de der Um­stand, dass über­wie­gend jun­ge Män­ner zu­wan­dern. Ne­ben dem be­kann­ten Um­stand, dass jun­ge Män­ner als ‘Tür­öff­ner’ für die Fa­mi­lie vor­ge­schickt wer­den, spie­len da­bei auch kul­tu­rel­le As­pek­te in der Hei­mat wie Se­xu­al­mo­ral und Po­ly­ga­mie ei­ne Rol­le, näm­lich der Um­stand, dass nur ein Mann mit ge­sell­schaft­li­cher Po­si­ti­on und ei­nem ge­wis­sen Ver­mö­gen das er­for­der­li­che Braut­geld auf­brin­gen kann. Ist Deutsch­land auch für den Aus­gleich die­ser kul­tu­rel­len De­fi­zi­te ver­ant­wort­lich? – Mi­gra­ti­ons­ex­per­ten, So­zio­lo­gen und An­thro­po­lo­gen wie Gun­nar Hein­sohn, Va­le­rie Hud­son, Bar­ba­ra Mil­ler und an­de­re wei­sen dar­auf hin, dass ein Män­ner­über­hang in den jun­gen Jahr­gän­gen er­heb­li­che Pro­ble­me für ei­ne Ge­sell­schaft mit sich bringt. Chi­na (2) und In­di­en kön­nen ein Lied da­von sin­gen. Die er­fah­re­ne Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft Ka­na­da hat im Ge­gen­satz zu Deutsch­land die Kon­se­quen­zen dar­aus ge­zo­gen und nimmt kei­ne un­be­glei­te­ten männ­li­chen Flücht­lin­ge auf.

Eben­falls nicht the­ma­ti­siert wur­de die deut­sche Fa­mi­li­en- und Ge­sell­schafts­po­li­tik, die den Ef­fekt hat, dass deut­sche Fa­mi­li­en deut­lich we­ni­ger Kin­der be­kom­men, als zum lang­fris­ti­gen Er­halt die­ser Volks­grup­pe nö­tig ist, Fa­mi­li­en aus an­de­ren Kul­tur­krei­sen aber deut­lich mehr. Die spür­ba­re Ver­min­de­rung der Stamm- Be­völ­ke­rung ei­nes Lan­des ist ein In­di­ka­tor für ei­nen Man­gel an Ur­sprüng­lich­keit, Zu­ver­sicht und Da­seins­freu­de. Zu ei­ner ver­ant­wor­tungs­ethi­schen Po­li­tik ge­hört, dass die­ser Um­stand hin­sicht­lich Ideo­lo­gie, Le­bens-, Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen an­ge­mes­sen re­flek­tiert wird.

Per­spek­ti­ve: Theo­rie & Pra­xis ver­söh­nen!

Ich hal­te es für ge­bo­ten, den in den Werk­satt- Ge­sprä­chen ge­pfleg­ten of­fe­nen und fai­ren, auf den eu­ro­päi­schen Wer­ten von Auf­klä­rung und Hu­ma­nis­mus ba­sie­ren­den, in die­sem Rah­men aber ta­bu­lo­sen Dis­kurs wei­te zu füh­ren und in der prak­ti­schen Po­li­tik in Form ei­nes Mi­gra­ti­ons- Mo­ni­to­rings end­lich kla­re Ziel­vor­ga­ben – auch zei­li­cher Art – zu for­mu­lie­ren, was wie und bis wann an­ge­strebt und er­reicht wer­den kann, soll und muss und wie auf ein Er­rei­chen, aber auch auf ein Ver­feh­len die­ser Zie­le po­li­tisch zu re­agie­ren und um­zu­steu­ern ist, so­wohl im Hin­blick auf die na­tio­na­le wie auf die EU- Mi­gra­ti­ons­po­li­tik.

Von heh­ren Idea­len und no­blen Vor­sät­zen war viel die Re­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren, im Kanz­ler­amt, von den Kan­zeln und aus den El­fen­bein­tür­men – al­lein Theo­rie und Pra­xis klaf­fen nach wie vor in vie­len Be­rei­chen weit aus­ein­an­der, wie al­le Ex­per­ten beim Work­shop mehr oder min­der deut­lich ein­räum­ten. Die schöns­te Theo­rie ist aber nichts wert, wenn sie in der Pra­xis nicht an­ge­wen­det wird oder nicht funk­tio­niert. Grau ist al­le Theo­rie – maß­geb­lich is auf’m Platz!

AfD- Kri­tik (Gott­fried Cu­rio) an der Mi­gra­ti­ons­po­li­tik der Gro­Ko

Muss man die AfD stär­ken, wenn man die Um­set­zung der kon­ser­va­ti­ven Vor­schlä­ge der CDU aus den Werk­statt- Ge­sprä­chen wünscht?

Links

Pres­se­stim­men zur CDU Mi­gra­ti­ons- Werk­statt

  • Werk­statt­ge­spräch: Prak­ti­ker ver­zwei­feln an Ex­per­ten (Welt)
  • CDU-Werk­statt­ge­spräch – Sze­nen ei­ner Ab­na­be­lung (Ci­ce­ro)
  • CDU-Flüchtlingspolitik„Die Grä­ben sind noch da“ (DLF)
  • „Wir ha­ben un­se­re Lek­ti­on ge­lernt“ (Epoch Times)
  • CDU und Asyl: Erst Murks, dann Re­pa­ra­tur­werk­statt (Ti­chys)
  • CDU ar­bei­tet die Flücht­lings­po­li­tik auf (DLF)

Po­si­tio­nen der Ex­per­ten

  • Po­li­tik of­fe­ner Gren­zen nicht rechts­kon­form (Hill­gru­ber u.a., Ver­fas­sungs­blog)
  • Der Rechts­bruch-My­thos und wie man ihn wi­der­legt (Da­ni­el Thym, Ver­fas­sungs­blog)
  • Wir schaf­fen das (nicht)! Rat­lo­sig­keit in der Flücht­lings­po­li­tik (Eg­bert Jahn)
  • „Wir brau­chen ei­ne Lö­sung an der EU-Au­ßen­gren­ze“ (Knaus, DLF)
  • “Il­lu­sio­nen kön­nen wir uns nicht mehr leis­ten” (Knaus, ZDF)

Recht­li­che Be­wer­tun­gen der Flücht­lings- Po­li­tik

  • Mi­gra­ti­ons­kri­se als fö­de­ra­les Ver­fas­sungs­pro­blem (Di Fa­bio- Gut­ach­ten)
  • Mer­kels Po­li­tik ist kein Rechts­bruch (Chris­ti­ne Lan­gen­feld, Zeit)
  • „Mer­kels Al­lein­gang … Akt der Selbst­er­mäch­ti­gung“ (Bertram, Welt)
  • Pa­pier warnt vor „Will­kür­herr­schaft“ in Deutsch­land (Mo­Po Ber­lin)
  • “Der Rechts­bruch geht von Deutsch­land aus” (u.a. Ru­pert Scholz, SZ)

Links zur Mi­gra­ti­ons­po­li­tik seit 2015

  • Ethi­scher Rea­lis­mus und Mi­gra­ti­on (Zwie­denk)
  • Si­cher­heits­ex­per­ten ent­setzt über deut­sche Po­li­tik (Welt)
  • See­ho­fer un­ter­stellt Mer­kel “Herr­schaft des Un­rechts” (PNP)
  • Grenz­öff­nung für Flücht­lin­ge: Was ge­schah wirk­lich? (Zeit)
  • Chro­nik ei­nes Staats­ver­sa­gens (Neu­land)
  • Ge­schich­te ei­nes Staats­ver­sa­gens (u.a. Aust, Welt)
  • Wie die Po­li­tik in der Flücht­lings­kri­se ver­sag­te! (u.a. Blo­me, Bild)
  • Fron­tex-Aus­bau erst bis 2027–  Aus Brex­it nichts ge­lernt (OVB)

Ti­tel­bild: Werk­statt­ge­spräch, Ex­per­ten­run­de – CDU-TV

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1 Kommentar

  1. […] es zu vie­le jun­ge Män­ner gibt… (NZZ, 2006, E) (3) Kei­ne ‘girl fri­ends’ im Is­lam (Welt, 2016, E) (3) Will­kom­men­sun­kul­tur (NZZ, 2016, E) Eu­ro­pa hat ein Män­ner­pro­blem […]

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