“Die ei­nen wol­len mehr Mi­gra­ti­on. Wir wol­len we­ni­ger. So ein­fach ist das.”

Horst See­ho­fer (CSU) zu Ja­mai­ka-Son­die­run­gen

See­ho­fer bringt es auf den Punkt: Mer­kel & die Grü­nen wol­len mehr Mi­gra­ti­on, die CSU we­ni­ger (1). Die Fra­ge ist, wel­che Mo­ti­ve hin­ter den je­wei­li­gen Stand­punk­ten ei­gent­lich ver­bor­gen sind. Wer 40 Mrd Eu­ro pro Jahr für 2 Mio Mi­gran­ten in Deutsch­land aus­ge­ben will, aber für die üb­ri­gen 800 Mio bis 2 oder gar 3 Mrd not­lei­den­den Men­schen in der Welt ver­gleichs­wei­se so gut wie nichts, kann kein Hu­ma­nist im Kant’schen Sin­ne sein. 

Denn die ethi­sche Grund­la­ge des Hu­ma­nis­mus ist nun mal der ka­te­go­ri­sche Im­pe­ra­tiv: „Hand­le nur nach der­je­ni­gen Ma­xi­me, durch die du zu­gleich wol­len kannst, dass sie ein all­ge­mei­nes Ge­setz wer­de.“ Das be­deu­tet aber nichts an­de­res, als dass nach dem Prin­zip der Gleich­heit vor dem Ge­setz je­dem not­lei­den­den Frem­den auf der Welt die glei­chen Chan­cen und Rech­te ein­zu­räu­men wä­ren. Al­les an­de­re wä­re Will­kür oder So­zi­al­dar­wi­nis­mus.

Deutsch­land kann aber auf­grund be­grenz­ter wirt­schaft­li­cher, mensch­li­cher und räum­li­cher Res­sour­cen (Deutsch­land ver­fügt über 1% der Welt­be­völ­ke­rung und 0,25% der glo­ba­len Land­flä­che) nicht zig Mio Frem­de auf­neh­men und ver­sor­gen. Er­go: Das Kon­zept der Grü­nen funk­tio­niert nicht und kann da­her auch kein all­ge­mei­nes Ge­setz wer­den. Es sei denn, man wünscht den to­ta­len Zu­sam­men­bruch al­ler staat­li­chen Ord­nung und So­zi­al­sys­te­me. Die CSU, die FDP (und die AfD so­wie­so) wün­schen das nicht, sie wol­len das Land mo­der­ni­sie­ren, aber er­hal­ten bzw. nur be­hut­sam und or­ga­nisch wei­ter­ent­wi­ckeln. Da­her wol­len sie die Mi­gra­ti­on nach Deutsch­land und Eu­ro­pa steu­ern und be­schrän­ken und in hu­ma­ni­tä­ren Din­gen den Fo­kus auf Hil­fe vor Ort le­gen.

Ist Ras­sis­mus die Wur­zel al­len Übels?

Die Ja­mai­ka-Ver­hand­lun­gen, die zu­rück­lie­gen­den 3 – 4 Jah­re der Kanz­ler­schaft An­ge­la Mer­kels so­wie wei­te­re Aus­sa­gen aus dem links-grü­nen La­ger le­gen den Schluss na­he: Mer­kel & die Grü­nen wol­len ei­ne Ver­ste­ti­gung der Im­mi­gra­ti­on auch in die So­zi­al­sys­te­me nach Deutsch­land und Eu­ro­pa. Sie wol­len ein an­de­res Deutsch­land und Eu­ro­pa, in dem sie den ‘Neu­en Men­schen’ (2) her­an­züch­ten. Ih­re Ideo­lo­gie be­ruht grob ge­sagt auf der An­nah­me, dass aus eth­ni­schen Un­ter­schie­den zwangs­läu­fig Kon­flik­te und Ras­sis­mus re­sul­tier­ten und die­ser Ras­sis­mus die Wur­zel al­len Übels oder zu­min­dest die Ur­sa­che gro­ßer Krie­ge sei.

Die­se Theo­rie kann aber we­der im Hin­blick auf die bei­den Welt­krie­ge des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts noch im Hin­blick auf den Ko­lo­nia­lis­mus der ver­gan­ge­nen 500 Jah­re auch nur im An­satz über­zeu­gen: In den bei­den Welt­krie­gen kämpf­ten im We­sent­li­chen Wei­ße ge­gen­ein­an­der, Hit­lers An­ti­se­mi­tis­mus und An­tis­la­wis­mus wa­ren ganz of­fen­sicht­lich aben­teu­er­li­che po­li­tisch-ideo­lo­gi­sche Kon­struk­te und auch was den Ko­lo­nia­lis­mus an­be­langt, kön­nen die frag­wür­di­gen Ras­sen­theo­ri­en des 18. bis 20. Jahr­hun­derts schon auf­grund des Zeit­punk­tes ih­res Ent­ste­hens kei­nes­falls der Grund, son­dern le­dig­lich ei­ne nach­träg­li­che, fa­den­schei­ni­ge Recht­fer­ti­gung für die Er­obe­rungs­zü­ge der Eu­ro­pä­er bzw. die Auf­recht­erhal­tung ih­rer Ko­lo­nal­herr­schaft ge­we­sen sein.

Ich hal­te es da­her für ei­nen fa­ta­len Irr­tum, eth­ni­sche Un­ter­schie­de und Ras­sis­mus als Wur­zel al­len Übels an­zu­se­hen. Der grau­sams­te al­ler groß­flä­chi­gen Krie­ge in Eu­ro­pa war – re­la­tiv be­trach­tet – nicht et­wa der WK2, son­dern ver­mut­lich der 30-jäh­ri­ge Krieg. 1/3 der Men­schen in Deutsch­land ka­men zu To­de. Da spiel­te die Eth­nie kei­ne Rol­le. Eben­so we­nig wie z.B. vor 20 Jah­ren beim Völ­ker­mord in Ru­an­da. Oder bei der in­ner­afri­ka­ni­schen Skla­ven­jagd, bei der Far­bi­ge Far­bi­ge ver­schlepp­ten. Oder bei den Ge­met­zeln zwi­schen in­dia­ni­schen Kul­tu­ren in Süd­ame­ri­ka – weit vor der ver­häng­nis­vol­len An­kunft der Spa­ni­er dort, ver­steht sich!

Die wah­ren Grün­de für Krie­ge

Die Ur­sa­chen für Krie­ge und Kon­flik­te sind ganz an­de­re: Es sind Kon­flik­te um oder die Gier nach Res­sour­cen so­wie ehr­gei­zi­ge und oft lei­der auch be­gab­te An­füh­rer und ih­re En­tou­ra­ge, die Krie­ge an­zet­teln. Men­schen, die mehr für sich be­an­spru­chen, als sie sich selbst er­ar­bei­tet ha­ben oder er­ar­bei­ten kön­nen. Wer et­was ha­ben will, was ei­nem an­de­ren ge­hört, fin­det im­mer ei­nen Vor­wand oder ei­ne Recht­fer­ti­gung. Mal ist es die Haut­far­be, mal die Re­li­gi­on oder ei­ne sons­ti­ge Ideo­lo­gie.

In Po­li­tik und Wirt­schaft geht es häu­fig dar­um, ei­nen Vor­wand da­für zu kon­stru­ie­ren, sich et­was an­zu­eig­nen, was an­de­re be­sit­zen oder er­ar­bei­tet ha­ben. Frü­her wa­ren es Adel und Kle­rus, wel­che die Bau­ern schröpf­ten. Heu­te ge­schieht Ver­gleich­ba­res ent­spre­chend der Ge­setz­mäßg­kei­ten mo­der­ner Wert­schöp­fung. Es ist im­mer das glei­che Spiel und es fin­det auf ver­schie­dens­ten Ebe­nen statt. In der glo­ba­len Geo­stra­te­gie, in den in­nen­po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Macht, Be­sitz und Ein­künf­te und auch im pri­va­ten Be­reich.

Falls die­se Über­le­gun­gen zu­tref­fen soll­ten, so er­gä­be sich die fol­gen­de Kon­se­quenz dar­aus: Krie­ge und Kon­flik­te las­sen sich dann ver­hin­dern, wenn es den Men­schen ge­lingt, in ih­ren Be­gier­den Mass zu hal­ten, un­ter­ein­an­der ei­nen fai­ren und ge­rech­ten In­ter­es­sen­aus­gleich auf Ba­sis ei­nes ge­gen- wie wech­sel­sei­ti­gen Ge­ben & Neh­men zu ver­ein­ba­ren – und nicht zu­letzt ih­re über­mü­ti­gen An­füh­rer im Zaum zu hal­ten.

Links:
(1) Ja­mai­ka-Son­die­run­gen wei­ter of­fen (Zeit)
(2) Der Neue Mensch (bpb)
(0) Ka­na­das Kon­zept so­zi­al­ver­träg­li­cher Mi­gra­ti­on (cba): Canada’s Sy­ri­an re­fu­gee plan li­mi­ted to wo­men, child­ren and fa­mi­lies. Un­ac­com­pa­nied men not in­clu­ded be­cau­se of on­go­ing se­cu­ri­ty con­cerns

Ti­tel­bild:
Vik­tor Vas­net­sov [Pu­blic do­main], via Wi­ki­me­dia Com­mons

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