Die Lo­re­ley

Text: Hein­rich Hei­ne. Ge­sang: Mi­reil­le Ma­thieu. 

Hmmm … wuss­te ich gar nicht, dass die 2 ein Paar wa­ren! Und dass der Spruch: ‘Bes­ser den Spatz von Avi­gnon auf der Hand als ‘ne tau­be Nuss auf dem Dach’ von Hein­rich Hei­ne stammt. Man lernt eben nie aus! 😉

Das Lied von der Lo­re­ley

Ich weiß nicht, was soll es be­deu­ten,
dass ich so trau­rig bin;
ein Mär­chen aus ur­alten Zei­ten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dun­kelt,
und ru­hig fließt der Rhein;
der Gip­fel des Ber­ges fun­kelt
im Abend­son­nen­schein.

Die schö­ne Jung­frau sit­zet
dort oben wun­der­bar;
ihr gold­nes Ge­schmei­de blit­zet,
sie kämmt ihr gol­de­nes Haar.

Sie kämmt es mit gol­de­nem Kam­me
und singt ein Lied da­bei;
das hat ei­ne wun­der­sa­me,
ge­wal­ti­ge Me­lo­dei.

Den Schif­fer im klei­nen Schif­fe
er­greift es mit wil­dem Weh;
er schaut nicht die Fel­sen­rif­fe,
er schaut nur hin­auf in die Höh.

Ich glau­be, die Wel­len ver­schlin­gen
am En­de Schif­fer und Kahn;
und das hat mit ih­rem Sin­gen
die Lo­re-Ley ge­tan.

Ich fin­de ja, das Lied von der Lo­re­ley – oder Lo­re-Ley – passt pri­ma zur Zeit. Be­son­ders die letz­ten bei­den Stro­phen. Und es ist auch ir­gend­wie sehr nah am deut­schen We­sen und der deut­schen Kul­tur. Die man durch­aus fin­den kann, wenn man sie denn fin­den möch­te. Und die sich durch ei­ne Sän­ge­rin wie Mi­reil­le Ma­thieu, die ich in der Tra­di­ti­on von Edith Piaf se­he, ge­adelt füh­len darf!

Ei­ne Kul­tur der Ex­tre­me, die nicht sel­ten an­mu­tet wie ei­ne Grat­wan­de­rung zwi­schen dem ‘Pa­thos des Ab­so­lu­ten’ & dem ‘Pa­thos des Ab­sur­den’ oder gar Lä­cher­li­chen, ein Draht­seil­akt zwi­schen un­er­gründ­li­chen Tie­fen und un­be­zwing­ba­ren Hö­hen, Per­fek­ti­on & Nai­vi­tät, düs­te­rer Me­lan­cho­lie & sen­ti­men­ta­lem Kitsch, Ko­mö­die & Tra­gö­die, Treue & Ver­rat und in der das Höchs­te & das Nie­ders­te bis­wei­len so eng be­ein­an­der lie­gen, dass mach ei­ner sie gar nicht mehr von­ein­an­der un­ter­schei­den kann, wenn er nur zu nah ge­nug dran oder zu weit ge­nug ent­fernt ist. Und in der man am En­de doch ganz ge­wöhn­li­chen Men­schen aus Fleisch & Blut und mit Hoff­nun­gen, Ängs­ten, Freu­den & Wün­schen be­geg­net, wenn man sie jen­seits der ein­sa­men, ver­führ­ten Mas­se an­trifft.

P.S.: Die Lo­re­ley ist ein Schie­fer­fel­sen an ei­ner Rhein­kur­ve in der Nä­he von Ko­blenz.

Bei­trags­bil­der:
By CJ Be­gas [Pu­blic do­main], via Wi­ki­me­dia Com­mons
By An­t­ho158 (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wi­ki­me­dia Com­mons
By Alex­an­der Ho­er­nigk (Own work) [CC BY 3.0], via Wi­ki­me­dia Com­mons

Hinterlassen Sie den ersten Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.