EU- Eu­ro- Co­ro­na- Bonds: Das Mär­chen vom rei­chen Deutsch­land

Vor al­lem die EU- Süd­ster­ne Ita­li­en und Spa­ni­en, aber auch Frank­reich for­dern in die­sen Ta­gen Co­ro­na- Bonds, das sind Eu­ro- An­lei­hen mit Ge­samt­schuld­ner­haf­tung al­ler be­tei­lig­ten Län­der der Eu­ro-Zo­ne, um die Kos­ten & Las­ten der Co­ro­na- Kri­se – den Shut- down und her­nach die An­kur­be­lung der Wirt­schaft – über trag­fä­hi­ge Kre­di­te fi­nan­zie­ren zu kön­nen.

Ne­ben dem Zins­vor­teil für die über­schul­de­ten Süd­län­der und dem ent­spre­chen­den Zins­nach­teil für die so­li­der fi­nan­zier­ten Nord­län­der ist da­bei für Gläu­bi­ger wie Schuld­ner vor al­lem re­le­vant, dass ein Land in Ge­samt­haf­tung für die Kre­di­te ge­nom­men wer­den kann. Das wür­de al­ler Vor­aus­sicht nach im Zwei­fel die re­la­tiv ge­ring ver­schul­de­ten Nord- Län­der mit ho­her Wirt­schafts­kraft und ho­hen Steu­er­ein­nah­men be­tref­fen, al­so vor al­lem Deutsch­land, aber auch die Nie­der­lan­de, Ös­ter­reich und Dä­ne­mark, wäh­rend die wirt­schaft­lich schwä­che­ren Süd- Län­der bei Zah­lungs­un­fä­hig­keit ei­nen Teil ih­rer Schul­den­last gg­fls. auf die star­ken Nord­län­der ab­wäl­zen kön­nen, wie dies be­reits de fac­to im Fall Grie­chen­land ge­sche­hen ist.

Das sieht auf den ers­ten Blick nach So­li­da­ri­tät der Star­ken für die Schwa­chen aus, denn nor­ma­ler­wei­se wür­de man ja ver­mu­ten, dass in den Staa­ten mit star­ker Wirt­schaft die Men­schen ver­mö­gen­der sind als die Men­schen in den Län­dern mit schwä­cheln­der Wirt­schaft. Doch dem ist kei­nes­wegs so: Viel­mehr ist das Me­di­an- Ver­mö­gen der Men­schen in den wirt­schaft­lich star­ken EU- Län­dern auf­grund ho­her Steu­ern, Ge­büh­ren und Ab­ga­ben, ge­rin­gen Im­mo­bi­li­en­be­sit­zes und der seit Jahr­zehn­ten er­fol­gen­den EU- Sub­ven­tio­nen und Wirt­schafts- & So­zi­al- Trans­fers oft er­heb­lich ge­rin­ger als das Me­di­an- Ver­mö­gen der Men­schen in den Län­dern mit ge­rin­ger Wirt­schafts­kraft. Die Vor­tei­le der Süd­län­der beim Me­di­an- Ver­mö­gen schla­gen durch­aus hef­tig zu Bu­che: Im Fal­le Deutsch­lands und der Nie­der­lan­de vefü­gen die Ein­woh­ner der Süd­län­der im Me­di­an über rund das Drei­fa­che des Ver­mö­gens der Ein­woh­ner der Nord­län­der! Nur Ös­ter­reich kann mit dem ‘ar­men Sü­den’ mit­hal­ten!

Da­ten­quel­le: Lis­te der Län­der nach Ver­mö­gen in $US pro Kopf (Wi­ki)

Deutsch­land liegt so­gar in bei­den Rang­lis­ten, beim Me­di­an- Ver­mö­gen eben­so wie beim Durschnitts-Ver­mö­gen, auf dem vor­letz­ten Platz der in Sa­chen Co­ro­na- Bonds be­son­ders be­trof­fe­nen und po­li­tisch in­vol­vier­ten 7 Län­der. Wür­de man die ge­sam­te al­te EU, al­so die eins­ti­ge EG be­trach­ten, sä­he die Bi­lanz üb­ri­gens auch nicht bes­ser aus. Im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich be­legt Deutsch­land beim Ver­mö­gens- Durch­schnitt Platz 21, beim Ver­mö­gens- Me­di­an hin­ge­gen nur Platz 33. Ei­ne gro­ße Dif­fe­renz zwi­schen dem Ver­mö­gens- Me­di­an und dem Ver­mö­gens- Durch­schnitt be­sagt, dass die Ver­tei­lung in ei­nem Land zwi­schen arm und reich be­son­ders un­gleich ist. Sie­he da­zuz un­ten die Er­läu­te­run­gen zu den sta­tis­ti­schen Grö­ßen ‘Me­di­an’ und ‘Durch­schnitt’.

Da­ten­quel­le: Lis­te der Län­der nach Ver­mö­gen in $US pro Kopf (Wi­ki)

Dar­aus er­gibt sich der Schluss, dass die Um­ver­tei­lung in der EU ähn­lich funk­tio­niert wie die Ent­wick­lungs­hil­fe der 1. Welt für die 3. Welt: Das Geld von Ar­men in rei­chen Län­dern wird an Rei­che in ar­men Län­dern um­ver­teilt. Und die em­si­gen Um­ver­tei­ler ma­chen da­bei ei­nen Gol­de­nen Schnitt! So ei­ne EU braucht kein Mensch!

Ex­port­über­schuss: Se­gen oder Fluch?

Ganz ne­ben­bei be­weist die­se Über­sicht auch, dass sich ein Ex­port- Über­schuss für die Werk­tä­ti­gen ei­nes Lan­des un­term Strich nicht aus­zahlt. Denn die un­glei­chen Wirt­schafts-, Han­dels-, Ex­port- oder Leis­tungs- Bi­lan­zen wer­den ja am En­de durch Sub­ven­tio­nen oder Trans­fers ver­schie­dens­ter Art stets wie­der aus­ge­gli­chen. In­ner­halb der EU ge­schieht dies durch Wirt­schafts- und So­zi­al­trans­fers so­wie Bin­nen­mi­gra­ti­on, im glo­ba­len Maß­stab durch Mas­sen­mi­gra­ti­on, steu­er­fi­nan­zier­te Ent­wick­lungs­hil­fe, Schul­den­er­las­se oder sons­ti­ge Aus­gleichs­maß­nah­men. 

Da­mit die Bür­ger da­ge­gen nicht auf­be­geh­ren, wird den ge­mei­nen Bür­gern, den Bus­fah­rern, Kran­ken­schwes­tern oder An­ge­stell­ten ein schlech­tes Ge­wis­sen ein­ge­re­det ob ih­rer ver­meint­li­chen Aus­beu­tung der ar­men Län­der. Von den tat­säch­li­chen Aus­beu­tern, Ge­schäf­te­ma­chern, In­ves­to­ren und Geo­stra­te­gen, die tat­säch­lich Pro­fi­te aus den Un­gleich­ge­wich­ten der Löh­ne, So­zi­al­stan­dards und Han­dels­bi­lan­zen ein­strei­chen, wer­den die un­ge­recht­fer­tig­ten Schuld­ge­füh­le der ‘klei­nen Leu­te’ schließ­lich da­zu be­nutzt, sie zu nö­ti­gen, die Aus­gleichs- Trans­fers und da­mit die Ge­win­ne der In­ves­to­ren frei­wil­lig oder zu­min­dest oh­ne all­zu gro­ßes Mur­ren zu fi­nan­zie­ren. Zu die­sen Me­cha­nis­men sie­he ne­ben dem Ar­ti­kel ‘Rei­ches Land, ar­me Bür­ger’ (s.u.) auch un­se­re Bei­trä­ge: Kein Geld für Afri­ka? | Rechts-Links-Dia­lek­tik | Ka­ra­wa­ne der Mi­gran­ten und wei­te­re mehr.

Las­sen Sie sich nichts vor­ma­chen: Glo­ba­ler ‘fair tra­de & eco­no­my’ funk­tio­niert nur mit weit­ge­hend aus­ge­gli­che­nen Leis­tungs­bi­lan­zen der Volks­wirt­schaf­ten. Wo­bei na­tür­lich die ei­nen stark in Her­stel­lung und Ex­port in­dus­tri­el­ler Er­zeug­nis­se, die an­de­ren stark bei Roh­stof­fen oder land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ten und die drit­ten stark bei Dienst­leis­tun­gen oder im Tou­ris­mus sein kön­nen. Aber die Leis­tungs- Bi­lan­zen der ein­zel­nen Län­der bzw. Volks­wirt­schaf­ten müs­sen un­tem Strich im­mer aus­ge­gli­chen sein, sonst kann ei­ne glo­ba­le Wirt­schaft nicht volks­wirt­schaft­lich nach­hal­tig und ge­recht sein!

[Up­date] Ei­nen er­heb­li­chen An­teil an den un­aus­ge­gli­che­nen Ex­port-, Han­dels- und Leis­tungs­bi­lan­zen in der Eu­ro­zo­ne hat der Eu­ro, der die ge­sam­te EU- Wirt­schaft trotz sehr un­ter­schied­li­cher wirt­schaft­li­cher Vor­aus­set­zun­gen, Struk­tu­ren und Men­ta­li­tä­ten in ein ein­heit­li­ches Kor­sett zwingt und den Län­dern die Mög­lich­keit nimmt, mit Wech­sel­kurs- Än­de­run­gen auf Dis­pa­ri­tä­ten und Fehl­ent­wick­lun­gen zu re­agie­ren. Ei­ne ge­mein­sa­me Wäh­rung kann nicht funk­tio­nie­ren, wenn die Ver­ant­wor­tung und die Kon­zep­ti­on für die Wirt­schafts-, Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik in un­ter­schied­li­chen Hän­den liegt. Das war im Prin­zip von Be­ginn an klar. Ei­ne Ab­schaf­fung des Eu­ro wür­de al­len Län­dern mehr Hand­lungs­spiel­raum bei der Be­wäl­ti­gung öko­no­mi­scher Pro­ble­me und Schief­la­gen ge­wäh­ren. [/​Update]

An­hang: Er­läu­te­rung zu den Gra­fi­ken

Me­di­an: Die ei­ne Hälf­te hat mehr, die an­de­re Hälf­te we­ni­ger
Durch­schnitt: Ge­samt­ver­mö­gen al­ler ge­teilt durch Ein­woh­ner

Der Ver­mö­gens- Me­di­an ist aus­sa­ge­kräf­ti­ger für das Wohl­stands­ni­veau der brei­ten Mas­se ei­nes Lan­des als der Ver­mö­gens- Durch­schnitt. Hier­zu ein Bei­spiel: An­ge­nom­men, in ei­nem Mi­ni-Land ver­fügt 1 Bür­ger über ein Ver­mö­gen im Wert von 10 Mio Eu­ro und 99 Bür­ger über je­weils ein Ver­mö­gen im Wert von 1.000 Eu­ro. Dann be­trü­ge der Ver­mö­gens- Me­di­an des Lan­des 1.000 Eu­ro, der Ver­mö­gens- Durch­schnitt aber knapp 100.100 Eu­ro. Wel­ches Da­tum ist wohl aus­sa­ge­kräf­ti­ger für das Wohl­stands­ni­veau der ge­mei­nen Bür­ger die­ses Lan­des?

Links:

Hier ein wei­te­rer Ar­ti­kel zum Ver­mö­gen der Deut­schen

Deutsch­land: Rei­ches Land, ar­me Bür­ger!

Lis­te der Län­der nach Ver­mö­gen pro Kopf (Wi­ki)
Was sind Co­ro­na- Bonds? (Spie­gel)
Co­ro­na- Bonds: Das Mär­chen vom rei­chen Deutsch­land (Schelm)

Ti­tel­bild: Ja­mes Gill­ray / Pu­blic do­main

Bei­trag mit Freun­den tei­len?

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