EU- Mi­gra­ti­ons­gip­fel: Vol­ler Mund und lee­re Hän­de

Auf dem EU- Mi­gra­ti­ons- Gip­fel in Brüs­sel wur­de ein an­ge­sichts der ak­tu­el­len Pra­xis ge­ra­de­zu re­vo­lu­tio­nä­rer Be­schluss ge­fasst: Ne­ben ei­nem bes­se­ren Schutz der Au­ßen­gren­zen und mehr En­ga­ge­ment bei der Ein­däm­mung der Flucht­ur­sa­chen will man Flücht­lings­zen­tren nicht nur in der EU, son­dern auch in Dritt­län­dern ein­rich­ten.

Up­date, 17:45
Zei­chen ste­hen auf Kon­fron­ta­ti­on: See­ho­fer be­zeich­net Ge­spräch mit Mer­kel an­geb­lich als ‘wir­kungs­los’ (ORF). ‘See­ho­fer ver­schärft Kon­fron­ta­ti­on mit Mer­kel’ (All­ge­mei­ne Zei­tung). ‘Mer­kel schließt Ver­trau­ens­fra­ge nicht aus’ (Welt).
Up­date, 17:59
See­ho­fer kün­digt Er­klä­rung in Kür­ze an.

Kul­tur­wan­del in EU- Mi­gra­ti­ons­po­li­tik?

Die gu­te Nach­richt vom Gip­fel ist so­mit, dass sich in Be­zug auf die Mi­gra­ti­on ein Kul­tur­wan­del in Eu­ro­pa an­bahnt. Dass zu­neh­mend Rea­lis­ten wir Kurz, Con­te, Or­ban und See­ho­fer (und in Deutsch­land als Hei­zer im Ma­schi­nen­raum die AfD) und nicht mehr Hy­per­mo­ra­lis­ten wie Mer­kel oder Lob­by­is­ten wie der EU- Kom­mis­si­ons­vor­sit­zen­de Juncker und sei­ne Kom­mis­sa­re den Ton an­ge­ben.

Ös­ter­reichs Bun­des­kanz­ler Kurz spricht von ei­ner “Trend­wen­de” in der eu­ro­päi­schen Mi­gra­ti­ons­po­li­tik und for­dert ei­ne ra­sche Um­set­zung der EU-Be­schlüs­se.

Ge­pos­tet von ZDF heu­te am Frei­tag, 29. Ju­ni 2018

 

Bis­lang sind all die­se Be­schlüs­se aber nur va­ge Ab­sichts­er­klä­run­gen und Ver­spre­chun­gen und be­ru­hen viel­fach auf frei­wil­li­gem En­ga­ge­ment. Was es aber min­des­tens eben­so drin­gend braucht wie gu­te Vor­sät­ze, ist die Um­set­zung. Denn grau ist al­le Theo­rie – maß­geb­lich is auf’m Platz! In­zwi­schen si­ckert schon durch, dass Pro­jek­te wie ex­ter­ne Asyl­zen­tren in Afri­ka, in die auch die Mit­tel­meer- Flücht­lin­ge zu­rück­ge­schickt wer­den sol­len, wohl nicht so leicht oder gar nicht um­ge­setzt wer­den kön­nen.

Wie geht es wei­ter in Deutsch­land?

Für Deutsch­land je­doch, das auf­grund der Po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung trotz an­ders­lau­ten­der Ge­rüch­te ne­ben Schwe­den und Ös­ter­reich mit Ab­stand am stärks­ten be­las­te­te Land der Mi­gra­ti­on seit 2015, hat der Gip­fel kon­kret noch gar nichts ge­bracht. Et­li­che bi­la­te­ra­le Ver­ein­ba­run­gen, wel­che die in der EU zu­neh­mend iso­lier­te Kanz­le­rin (2) (3) aus Brüs­sel mit­ge­bracht ha­ben will, brin­gen nichts (2) oder sind so­gar noch nicht ein­mal so ab­ge­spro­chen (2), wie die Kanz­le­rin es dar­stellt. Zu­dem fehlt die mit Ab­stand wich­tigs­te Rück­nah­me- Ver­ein­ba­rung, näm­lich ei­ne mit Ita­li­en.

Mi­gra­ti­on nach Eu­ro­pa: Schwe­den, Deutsch­land und Ös­ter­reich am stärks­ten be­trof­fen

Prak­ti­ker wie der Vor­sit­zen­de der Bun­des­po­li­zei- Ge­werk­schaft, Ernst Wal­ter, ra­ten da­her mehr oder min­der un­ver­blümt da­zu, an den Gren­zen wie­der eu­ro­päi­sches Recht an­zu­wen­den, wie es in der Dub­lin- Ver­ein­ba­rung fest­ge­schrie­ben ist und nach wie vor gilt, auch wenn Mer­kel & Co es seit 2015 aus­ge­setzt und aus mit Ver­nunft nicht er­klär­ba­ren Grün­den nie wie­der re­sti­tu­iert ha­ben.

Was macht See­ho­fer?

Al­le wün­schen sich eu­ro­päi­sche Lö­sun­gen. Aber wie sorgt man für den nö­ti­gen Druck, dass sie auch um­ge­setzt wer­den? Bun­des­in­nen­mi­nis­ter See­ho­fer er­wägt, eu­ro­päi­sche Lö­sun­gen mit na­tio­na­len Maß­nah­men zu for­cie­ren. Da­ge­gen hat Mer­kel aber bis­lang ihr Ve­to ein­ge­legt.

Nun muss See­ho­fer zu­se­hen, wie er aus dem Gip­fel in und dem Rü­cken­wind aus Brüs­sel den­noch prak­ti­schen Nut­zen für Deutsch­land zie­hen kann, das be­kannt­lich auf­grund der lais­sez- fai­re- Po­li­tik der Kanz­le­rin rund die Hälf­te al­ler Mi­gran­ten nach Eu­ro­pa auf­ge­nom­men hat. Ob er das am bes­ten mit Zu­rück­wei­sun­gen und dem En­de der ‘Herr­schaft der Un­rechts’ (2) an den Gren­zen und im gan­zen Land be­werk­stel­ligt und da­mit ei­nen Bruch der Gro­Ko ris­kiert oder an­de­re We­ge sucht, wird man wohl in Kür­ze fest­stel­len kön­nen.

Ei­nes ist klar: Egal, wie vie­le Flücht­lin­ge Deutsch­land und Eu­ro­pa auf­neh­men ob 1, 2, 3, 5 oder gar 10 Mio im Jahr, die Welt küm­mert und än­dert das nicht: Es wer­den je­des Jahr 80 Mio Men­schen zu­sätz­lich in Ar­mut ge­bo­ren. Der ein­zi­ge Ef­fekt bei an­hal­ten­der Mas­sen­mi­gra­ti­on nach Eu­ro­pa ist, dass es dann bald kein Eu­ro­pa mehr gibt, so wie wir es heu­te noch ken­nen.

Ti­tel­bild: EU- Gip­fel 2007 in Lis­sa­bon, Or­gi­nal from pre​zy​dent​.pl (Image:Tratado de Lis­boa 13 12 2007 (08).jpg) [GFDL 1.2 or GFDL 1.2], via Wi­ki­me­dia Com­mons
Gra­fik: Sta­tis­ta

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