Haus­frau­en- Re­port: Land­le­ben in Ka­schubi­en

Hard­core- Fe­mi­nis­tin­nen und ‘wo­ke’ Pseu­do- Pro­gres­si­ve stel­len sich un­ter ei­ner Haus­frau ger­ne ein Frau vor, die iso­liert von der üb­ri­gen Welt mit ein oder zwei Kin­dern in ei­ner 3- Zim­mer­woh­nung in ei­ner Miets­ka­ser­ne in der Vor­stadt hockt und den gan­zen Tag lang putzt und wäscht, ein­kau­fen geht und kocht. So­was mag es ge­ben, es geht aber auch an­ders.

In ei­nem Dorf in der Ka­schub­ei (Ka­schubi­en, Po­len) woh­nen Fa­mi­li­en mit meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen zu­sam­men in ei­nem Haus mit gro­ßem Gar­ten oder auf ei­nem Ge­höft mit ei­nem klei­nen Acker hin­term Haus. Man be­stellt den Gar­ten oder Acker, ger­ne in Ko­ope­ra­ti­on mit Fa­mi­lie und Nach­barn, die Kin­der im Dorf spie­len, ler­nen und ver­brin­gen ih­re Frei­zeit mit­ein­an­der, ge­hen mal hier und mal dort ein und aus.

In der Ka­schub­ei gibt es vie­le Erd­bee­ren und man kennt ei­ne Fül­le un­ter­schied­li­cher Erd­beer- Ge­rich­te und Re­zep­te, wie man die Früch­te le­cker zu­be­rei­ten kann. Die Groß­mut­ter ver­kauft ei­nen Teil der Ern­te auf dem Markt oder an der Stra­ße. Ei­ne Fa­mi­lie nimmt Erd­bee­ren von Bau­ern aus der Nach­bar­schaft an und gibt sie an den Groß­han­del oder in die Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on oder stellt selbst Mar­me­la­de und Kom­pot­te für den Wei­ter­ver­kauf her.

Zu Tisch … in der Ka­schub­ei, Po­len | AR­TE | Ar­te-Me­dia­thek

Auch das Ge­mü­se kommt aus dem ei­ge­nen Gar­ten und nicht sel­ten gibt es selbst ge­fan­ge­nen fri­schen Fisch aus dem am Ort ge­le­ge­nen See. Die Kü­che mit ih­rer Viel­falt an Le­bens­mit­teln, Ge­wür­zen und Re­zep­ten, an Düf­ten und Mög­lich­kei­ten ist ein zen­tra­ler Ort. Man kann sich im Haus oder in ei­nem Schup­pen auch ei­ne klei­ne Werk­statt ein­rich­ten, zum Heim­wer­ken, Töp­fern, Schnei­dern oder Bas­teln.

Oft kommt man mit den Nach­barn zu­sam­men, ar­bei­tet, kocht und isst ge­mein­sam oder sitzt ge­müt­lich bei­sam­men, im Som­mer bei gu­tem Wet­ter na­tür­lich drau­ßen, wäh­rend der Mann den Grill be­dient, auf dem Fisch und Brat­wurst liegt. Am Wo­chen­en­de kann man mit der Fa­mi­lie oder mit Nach­barn et­was un­ter­neh­men, ei­nen Aus­flug in die Stadt oder ins Um­land oder im See am Ran­de des Dor­fes ei­ne Boots­fahrt ma­chen, schwim­men oder an­geln ge­hen.

Ei­ni­ge Frau­en ha­ben im Dorf ei­nen Haus­frau­en- Ver­ein ge­grün­det, der sich ein- oder zwei­mal in der Wo­che trifft und sich in die­sem Rah­men klei­ne oder gro­ße Auf­ga­ben stellt und sich Pro­jek­te vor­nimmt. Ein­mal im Jahr tref­fen sich die Dör­fer der Um­ge­bung zu ei­nem gro­ßen Fest, zur ‘Haus­frau­en- Spar­ta­kia­de’. Hier zeigt frau ein­an­der in fröh­li­chen Wett­be­wer­ben von Ko­chen bis Tan­zen, Ba­cken, lus­ti­gen Sport­spie­len bis Sin­gen, was frau kann, und lernt zu­gleich von­ein­an­der. Auch die Män­ner spie­len da­bei ei­ne Rol­le, als (ge)wichtige Schieds- und Kampf­rich­ter, als Schlich­ter bei Strei­tig­kei­ten oder als en­ga­gier­te Fans.

In so ei­nem Dorf gibt es so vie­le Mög­lich­kei­ten und An­re­gun­gen, die Zeit in­ter­es­sant, pro­duk­tiv, krea­tiv und selbst­be­stimmt al­lei­ne oder ge­mein­sam mit an­de­ren zu ge­stal­ten, ein land­wirt­schaft­li­cher Ne­ben- oder gar Haupt­er­werb ist eben­so mög­lich, da­zu braucht es in vie­len Fäl­len nicht un­be­dingt ei­nen Job in der Fa­brik, im Su­per­markt oder in der Ve­wal­tung.

Hilf­reich da­bei ist ein klei­nes ei­ge­nes Reich, z.B. ein ei­ge­nes Haus mit Gar­ten, und ei­ne gu­te, ver­trau­te Nach­bar­schaft. Ein biss­chen so, wie es vor der In­dus­tria­li­sie­rung war auf dem Land, nur mit viel bes­se­ren Ge­rät­schaf­ten, mehr Kom­fort und Wis­sen. Ei­ne Per­spek­ti­ve und Chan­ce auf dem Land im nach­in­dus­tri­el­len Zeit­al­ter.

Im dicht be­sie­del­ten Deutsch­land mit sei­ner ge­rin­gen Im­mo­bi­li­en- Ei­gen­tums­quo­te ist das nicht ganz so leicht zu rea­li­sie­ren, je­doch gibt es auch in Städ­ten ähn­li­che In­itia­ti­ven – an­ge­passt an die je­wei­li­gen Vor­aus­set­zun­gen – die sich nach­bar­schaft­lich- ur­ba­nen Le­bens­raum zu­rück er­obern. Das Le­ben als ei­ne Mi­schung aus High­tech und Pro­duk­ti­vi­tät im be­ruf­li­chen Be­reich und selbst­be­stimm­ten pri­va­ten und nach­bar­schaft­li­chen Le­bens­räu­men.

Bil­der: Screen­shots aus dem Vi­deo

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