High Noon im Abend­grau­en – An­ge­la Mer­kel vs Mar­tin Schulz im Du­ell der Kanz­ler-Kan­di­da­ten

2. Au­ßen­po­li­tik und Ver­hält­nis zur Tür­kei

Auch im wei­te­ren Ver­lauf des Du­ells – ei­nem Spöt­ter der Wa­shing­ton Post er­schien das Stück mehr als Du­ett – über­wo­gen Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit und Kon­sens, so bei den The­men EU, Trump oder Nord­ko­rea.

In Sa­chen Tür­kei un­ter­nahm Schulz dann aber doch ei­nen Vor­stoß, der über­rasch­te: Er kün­dig­te an, sich in der EU da­für ein­zu­set­zen, die Ver­hand­lun­gen mit der Tür­kei über ei­nen EU-Bei­tritt ab­zu­bre­chen. Nach­dem An­ge­la Mer­kel die SPD in der Ver­gan­gen­heit ja hin und wie­der schon mal links über­holt hat­te, kann man das wohl als ei­ne Art Über­hol­ma­nö­ver von rechts be­trach­ten, denn Schulz über­nahm da­mit ei­ne ehe­ma­li­ge Mer­kel- und vor al­lem CDU-Po­si­ti­on, von der sei­ne Kon­tra­hen­tin sich und ih­re Par­tei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren be­hut­sam ge­löst hat­te.

Die Kanz­le­rin wirk­te zu­nächst dü­piert, band den nach den Ent­wick­lun­gen der ver­gan­ge­nen Mo­na­te na­he­lie­gen­den Vor­schlag dann aber doch recht ge­schickt in groß­ko­ali­tio­nä­re und EU- Zu­sam­men­hän­ge ein, so dass auch hier die Po­si­tio­nen am En­de na­he­zu iden­tisch wa­ren.

3. So­zia­le Ge­rech­tig­keit

Ei­nen wei­te­ren klei­nen Coup lan­de­te Schulz beim The­ma So­zia­le Ge­rech­tig­keit. Es ge­lang ihm, der Kanz­le­rin das Ver­spre­chen ab­zu­neh­men, dass ei­ne wei­te­re Ver­schlech­te­rung des oh­ne­hin schon mi­se­ra­blen, näm­lich kei­ner­lei Än­de­run­gen vor­se­hen­den Ren­ten­kon­zep­tes der Uni­on nicht ge­plant sei. ‘Ei­ne Ren­te mit 70 wer­de es mit ihr nicht ge­ben’, mein­te die Kanz­le­rin sinn­ge­mäß. Wo­bei man nach den Er­fah­run­gen der Ver­gan­gen­heit, et­wa mit der Maut, ja nicht so ge­nau weiß, ob das nicht eher als Dro­hung denn als ein Ver­spre­chen zu ver­ste­hen ist.

Da die SPD – im Ge­gen­satz zur Lin­ken – aber selbst ja auch über kein wirk­lich bahn­bre­chen­des Ren­ten­kon­zept ver­fügt, son­dern den Sta­tus quo nur mit Hil­fe von Steu­er­gel­dern sta­bi­li­sie­ren will, statt mit Struk­tu­re­for­men nach Schwei­zer, ös­ter­rei­chi­schem oder nie­der­län­di­schem Vor­bild ei­ne nach­hal­ti­ge und so­zi­al ge­rech­te Al­ters­si­che­rung an­zu­stre­ben, wie sie für ei­nen so­li­da­ri­schen So­zi­al­staat ei­gent­lich ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit sein soll­te, konn­te Schulz auch hier nicht mehr als ein Pyr­rhus-Sieg ein­fah­ren.

Kaum ein Rand­the­ma wa­ren die zu­neh­men­de Sche­re zwi­schen Arm und Reich oder die vor kur­zem noch groß­mun­dig von der SPD an­ge­kün­dig­ten Hartz IV Re­for­men.

4. Die­sel

Blieb der vie­len Be­tei­lig­ten zu­neh­mend stin­ken­de Die­sel, ins­be­son­de­re der­je­ni­ge äl­te­rer Bau­art: Der Atem­luft in den Städ­ten stinkt er, den Hal­tern, den Be­leg­schaf­ten wie dem Ma­nage­ment der Au­to­kon­zer­ne. Nur den Po­li­ti­kern und den staat­li­chen Me­di­en dürf­te er in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten wo­mög­lich doch nicht so un­ge­le­gen ge­kom­men sein, lenk­te er doch pri­ma von heik­le­ren Fra­ge­stel­lun­gen ab. Ein Ge­setz­ent­wurf für Sam­mel­kla­gen bzw. Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­gen, wel­che die recht­li­che Po­si­ti­on der Ver­brau­cher ge­gen­über der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ent­schei­dend ver­bes­sern könn­te, wur­de vom SPD-Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas auf den Weg ge­bracht und liegt nun beim Kanz­ler­amt. Mer­kel ver­laut­bar­te, sie sei im Prin­zip da­für, es müss­ten nur noch ein paar Din­ge ge­klärt wer­den. Aber ein rich­ti­ges Ver­spre­chen, dass das auch klap­pen wird, klingt an­ders.

5. In­ne­re Si­cher­heit

Nicht sehr er­gie­big war auch das The­ma In­ne­re Si­cher­heit. Was sol­len die Kan­di­da­ten da­zu auch sa­gen? Au­ßen-, In­nen-, In­te­gra­ti­ons- so­wie Asyl- und Ein­wan­de­rungs­po­li­tik ha­ben Struk­tu­ren ge­schaf­fen, die er­war­ten las­sen, dass die­ses The­ma der Ge­sell­schaft auf un­ab­seh­ba­re Zeit er­hal­ten blei­ben dürf­te, zu­mal auch beim The­ma Ab­schie­bun­gen von Straf- und Ge­walt­tä­tern so­wie Ge­fäh­dern kein wirk­li­ches Pro­blem­be­wusst­sein, ge­schwei­ge denn ein Sin­nes­wan­del er­kenn­bar war.

Was bleibt, ist die Hoff­nung, dass mit dem zu er­war­ten­den Ein­zug von AfD und FDP in den kom­men­den Bun­des­tag viel­leicht doch wie­der mehr Sinn für ord­nungs- und si­cher­heits­po­li­ti­sche Er­for­der­nis­se und rechts­staat­li­ches Be­wusst­sein ein­keh­ren wird. Denn öf­fent­li­che und so­zia­le Si­cher­heit sind nun mal ein Ding, egal, ob man es aus kon­ser­va­ti­ver, li­be­ra­ler oder so­zia­lis­ti­scher Per­spek­ti­ve be­trach­tet.

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Links
Das gro­ße Ni­cken (NZZ)
Mer­kel ge­gen EU-Bei­tritt der Tür­kei (DWN)

Titelbild(er):
1) von Mi­cha­el Weiss, Ger­ma­ny (Ei­ge­nes Werk) [CC BY-SA 2.5], via Wi­ki­me­dia Com­mons
2) By To­bi­as Koch (OTRS) [CC BY-SA 3.0 de], via Wi­ki­me­dia Com­mons

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