“Ich schwei­ge nicht”

Eklat beim Kir­chen­tag:

Beim Deut­schen Evan­ge­li­schen Kir­chen­tag im Mai 2017 in Ber­lin kam es im Rah­men ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on wäh­rend ei­ner Schwei­ge­mi­nu­te zum Ge­den­ken an die ‘vie­len Flücht­lin­ge, die auf dem Weg nach Eu­ro­pa ihr Le­ben lie­ßen’, zu ei­nem Eklat, als ein Un­be­kann­ter das Schwei­gen brach und mit fes­ter Stim­me in die Stil­le hin­ein aus­rief:

Ge­stal­te­te Ver­si­on, Pro­test­ruf ge­kürzt

“Ich schwei­ge nicht.
Das, was hier ge­schieht,
ist Un­recht! Und ei­ne Heu­che­lei!

War­um flüch­ten die Men­schen?
Weil’s Ih­nen schlecht geht, wo sie sind!

War­um geht es den Men­schen in Afri­ka schlecht?
Weil der Wes­ten Afri­ka aus­beu­tet!

Der his­to­ri­sche Ko­lo­nia­lis­mus
und der Neo­ko­lo­nia­lis­mus
beu­ten Afri­ka aus.

Die ara­bi­schen Re­vo­lu­tio­nen
wa­ren ge­steu­er­te Re­vo­lu­tio­nen.

Die Auf­ah­me von Flücht­lin­gen nach Deutsch­land
geht ge­gen das Grund­ge­setz Art. 16a.

Es ist ein Un­recht, was ge­schieht.”

Die wei­te­ren Aus­füh­run­gen des Ru­fers sind nicht mehr ver­ständ­lich. Of­fen­bar ver­ließ er den Saal oder wur­de – was wahr­schein­li­cher er­scheint – aus dem Saal ge­führt.

Lang­ver­si­on, Pro­test­ruf un­ge­kürzt (?)

Wei­te­re Hö­he­punk­te & Auf­re­ger

Ein wei­te­rer Hö­he­punkt des Kir­chen­ta­ges war der Be­such des ehe­ma­li­gen US-Prä­si­den­ten Ba­rack Oba­ma und sei­ne Teil­nah­me an ei­nem Po­di­ums­ge­spräch u.a. mit Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und dem EKD-Vor­sit­zen­den Hein­rich Bed­ford-Strohm.

Für viel Auf­re­gung und Wir­bel sorg­te auch die ehe­ma­li­ge EKD-Rats­vor­sit­zen­de Mar­got Käß­mann mit ih­rer Kri­tik an der AfD, in der sie die AfD in die Nä­he der NS­DAP rück­te. Die ‘Evan­ge­li­che-Lu­the­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­ver’ schreibt auf ih­rer Web­site da­zu: ‘Die Re­for­ma­ti­ons­bot­schaf­te­rin Mar­got Käß­mann hat in ei­ner Bi­bel­ar­beit auf dem Kir­chen­tag in Ber­lin die AfD an­ge­grif­fen. Die For­de­rung der rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei nach ei­ner hö­he­ren Ge­bur­ten­ra­te der “ein­hei­mi­schen” Be­völ­ke­rung ent­spre­che dem “klei­nen Ari­er­pa­ra­gra­fen der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten: Zwei deut­sche El­tern, vier deut­sche Groß­el­tern. Da weiß man, wo­her der brau­ne Wind wirk­lich weht”, kri­ti­sier­te die ehe­ma­li­ge Rats­vor­sit­zen­de der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land (EKD) un­ter to­sen­dem Bei­fall.’

Die­se Äu­ße­rung trug Käß­mann ei­nen ve­ri­ta­blen ‘Shit­s­torm’ ein. U.a. die Ex-CDU-Ab­ge­ord­ne­te Eri­ka Stein­bach, Ro­land Ti­chy auf Tichy’s Ein­blick und Hen­ryk. M. Bro­der auf Ach­gut zeig­ten sich äu­ßerst be­frem­det. Ue­ber­me­di­en hin­ge­gen nimmt Käß­mann in Schutz.

Auch in ei­nem In­ter­view mit dem DLF äu­ßer­te Käß­mann ihr Un­ver­ständ­nis ge­gen­über Chris­ten, wel­che die AfD wäh­len: “Ich kann nicht ver­ste­hen, dass Chris­ten die AfD wäh­len”.

Der AfD-Par­tei­vor­sit­zen­de Prof. Dr. Jörg Meu­then, AfD-Nie­der­sach­sen-Chef Paul Ham­pel und Anet­te Schult­ner, Bun­des­spre­che­rin der ‘Chris­ten in der AfD’, nah­men auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz zum The­ma ‘AfD und Kir­che’ – ver­mut­lich an­läss­lich des Kir­chen­ta­ges und der Vor­komm­nis­se dort – sehr aus­führ­lich und de­zi­diert Stel­lung zu den Vor­wür­fen Käß­manns und zu wei­te­ren The­men, wel­che die en­ge Bin­dung der AfD zum Chris­ten­tum so­wie das of­fen­kun­dig di­stan­zier­te bis ge­stör­te Ver­hält­nis der Kir­chen­obe­ren zur AfD be­tref­fen.

Nach­trag:

Nun hat RTD den Hel­den des All­tags, der das Schwei­gen brach, auf­ge­trie­ben und in ei­nem In­ter­view zu sei­nen Mo­ti­ven für die Ak­ti­on be­fragt. Text zum Vi­deo auf You­Tube, ver­öf­fent­licht am 22.06.2017:

“Ich schwei­ge nicht” – Es wa­ren drei ein­fa­che Wor­te, die das be­trof­fe­ne Schwei­gen bei ei­ner Ver­an­stal­tung un­ter dem Ti­tel “Was heißt hier Wahr­heit?” am jüngst ab­ge­hal­te­nen Evan­ge­li­schen Kir­chen­tag in Ber­lin durch­bra­chen. Es war ei­ne der vie­len of­fi­zi­el­len Schwei­ge­mi­nu­ten für die To­ten un­ter den Ge­flüch­te­ten. Ein sen­si­bles The­ma und trotz­dem ver­spür­te ein Mann den Drang, ge­nau das Ge­gen­teil des­sen zu tun, was die ver­sam­mel­te Ge­mein­de er­war­te­te: Er ver­spür­te den Drang zu spre­chen. Der Mann, der das Schwei­gen brach, heißt Ni­ko­lai und ist Grund­schul­leh­rer in Ber­lin. Sei­ne Mo­ti­va­ti­on das Schwei­gen zu bre­chen? Die Wahr­heit.

Links:
Eklat beim Evan­ge­li­schen Kir­chen­tag
(ET)
„Heu­che­lei!“ – Eklat beim Evan­ge­li­schen Kir­chen­tag (BJ)
“Ich schwei­ge nicht” – Un­be­kann­ter stört Schwei­ge­mi­nu­te (RTD)
Bro­der : Käß­manns Na­zi-Aus­sa­ge ist Ras­sis­mus pur (PP)

1 Kommentar

  1. „Ich schwei­ge nicht“ – Der Mann, der das Schwei­gen brach, stellt sich vor

    https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​I​A​z​q​W​u​F​I​IpI

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