Ja­mai­ka-Son­die­run­gen ge­hen in die Ver­län­ge­rung

Kei­ne Ei­ni­gung über Fa­mi­li­en­nach­zug

Die Son­die­rungs- Ge­sprä­che zwecks Bil­dung ei­ner ge­mein­sa­men Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on von CDU, CSU, FDP und Grü­nen blie­ben in der Nacht zum Frei­tag ins­be­son­de­re beim The­ma ‘Fa­mi­li­en­nach­zug für als sub­si­dia­er (ein­ge­schränkt) schutz­be­dürf­tig ein­ge­stuf­te Flücht­lin­ge’ er­geb­nis­los. Wäh­rend die Grü­nen den Fa­mi­li­en­nach­zug be­für­wor­ten, lehnt die CSU den Nach­zug ab. Nun wird wohl min­des­tens noch die­ses Wo­chen­en­de wei­ter ver­han­delt wer­den.

Ein mög­li­cher Kom­pro­miss in die­ser Fra­ge wur­de ges­tern in der ZDF-Sen­dung ‘May­b­ritt Ill­ner’ skiz­ziert: Da­nach könn­te der Fa­mi­li­en­nach­zug im Rah­men des im Asyl­kom­pro­miss zwi­schen CDU und CSU ver­ein­bar­ten ‘Richt­wer­tes für ei­nen hu­ma­ni­tä­ren Zu­zug’ nach Deutsch­land von ma­xi­mal 200.000 Per­so­nen pro Jahr ge­re­gelt wer­den: Fa­mi­li­en­nach­zug kön­ne er­mög­licht wer­den, wenn die Ge­samt­zahl der Asyl­be­wer­ber in ei­nem Jahr den Richt­wert nicht über­stei­ge.

‘Die Qual nach der Wahl’: May­b­ritt Ill­ner, 16.11.2017

Kei­ne Pla­nung für Heim­kehr der Flücht­lin­ge?

Gar nicht oder kaum dis­ku­tiert wird of­fen­bar ei­ne Heim­kehr der Flücht­lin­ge nach Sy­ri­en, ob­wohl sich die La­ge dort nach der Ver­trei­bung der Re­bel­len bzw. des IS und dem En­de der Kämp­fe in Alep­po, Raqqa und im be­nach­bar­ten ira­ki­schen Mos­sul deut­lich ent­spannt ha­ben soll und be­reits bis Ju­ni 2017 hun­dert­tau­sen­de Flücht­lin­ge zu­rück­ge­kehrt sind. Der UN-Son­der­bot­schaf­ter De Mis­tu­ra be­fand im Sep­tem­ber 2017, der Krieg in Sy­ri­en sei fast vor­bei und das sy­ri­sche Staats­ober­haupt As­sad wirbt um Heim­kehr der Flücht­lin­ge, um den Wie­der­auf­bau des Lan­des vor­an­zu­brin­gen.

Wie es in Sy­ri­en wei­ter­geht, bleibt an­ge­sichts der viel­schich­ti­gen und un­durch­sich­ti­gen In­ter­es­sen­la­ge der un­ter­schied­li­chen Be­tei­lig­ten an die­sem Kon­flikt je­doch völ­lig un­ge­wiss. Zu­neh­mend un­si­cher ist es in­zwi­schen al­ler­dings an im­mer mehr Or­ten der Welt, auch in Deutsch­land und West­eu­ro­pa.

Ober­gren­ze Richt­wert für Un­ter­gren­ze?

Da­mit wird in den Ja­mai­ka- Son­die­rungs­ge­sprä­chen deut­lich, dass Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel und die Grü­nen den von der CSU durch­ge­setz­ten Richt­wert zur Be­gren­zung hu­ma­ni­tä­rer Mi­gra­ti­on, al­so qua­si von Mi­gra­ti­on in die So­zi­al­sys­te­me, de fac­to eher als Ziel­grö­ße oder gar Un­ter­gren­ze be­trach­ten denn als Ober­gren­ze, wie es Horst See­ho­fer und sei­nen Par­tei­freun­den in der CSU vor­schweb­te.

Wer Po­li­tik und Aus­sa­gen von An­ge­la Mer­kel und ih­rem Wunsch-Ko­ali­ti­ons­part­ner, den Grü­nen, in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf­merk­sam ver­folgt hat, kann da­von aus­ge­hen, dass sich die Kanz­le­rin und die Grü­nen in ei­ner Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on da­für ein­set­zen wer­den, im Sin­ne der von Josch­ka Fi­scher in sei­nem Buch ‘Ri­si­ko Deutsch­land’ ge­for­der­ten ‘He­te­ro­ge­ni­sie­rung Deutsch­lands’ (»sie­he Buch­re­zen­si­on von Mi­ri­am Lau in der Welt) je­des Jahr die Quo­te des Zu­zugs von 200.000 Mi­gran­ten zu er­fül­len, um die ins Au­ge ge­fass­te Mar­ke von 12 Mio Zu­wan­de­rern bis 2060 zu er­rei­chen. Dass die­ser Zu­zug sich im We­sent­li­chen aus jun­gen Män­nern re­kru­tiert, ver­bes­sert die Chan­cen der an­ge­streb­ten so­zia­len und kul­tu­rel­len Durch­mi­schung der Eth­ni­en er­heb­lich.

Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te von Berg in der Ham­bur­ger Bür­ger­schaft: ‘…kei­ne eth­ni­schen Mehr­hei­ten mehr … und das ist gut so’.

Zu­züg­lich soll in ei­nem von al­len Par­tei­en be­für­wor­te­ten, seit Jah­ren über­fäl­li­gen ‘Ein­wan­de­rungs­ge­setz’ die An­wer­bung qua­li­fi­zier­ter Fach­kräf­ten aus dem Aus­land be­trie­ben wer­den. Ob es je­doch ge­lingt, ech­te Kön­ner zu re­kru­tie­ren, hängt da­von ab, wel­che Per­spek­ti­ven Deutsch­land ih­nen bie­ten kann. Ex­per­ten wie der So­zio­lo­ge Hein­sohn be­fürch­ten, dass Deutsch­land auf­grund sei­ner Mi­gra­ti­ons­po­li­tik im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb ins Hin­ter­tref­fen (2) (3) ge­ra­ten und so­gar zu­neh­mend sei­ne ei­ge­nen Ta­len­te durch Aus­wan­de­rung ver­lie­ren könn­te.

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