Kein Geld für Afri­ka

Drit­te Welt zwi­schen Un­mün­dig­keit, Aus­beu­tung und Ent­wi­ckungs­hil­fe

Wir’ plün­dern die Län­der der Drit­ten Welt und sind da­her Schuld am Elend der Men­schen dort. Da­her müs­sen ‘wir’ Flücht­lin­ge bei uns auf­neh­men. Oder: ‘Wer Waf­fen sät, ern­tet Flücht­lin­ge.’

So wird uns er­zählt.

Wir ‘ein­fa­chen Bür­ger’ in den Wohl­stands­re­gio­nen wür­den durch un­ser Kon­sum­ver­hal­ten das Elend in der Drit­ten Welt ver­ur­sa­chen oder zu­min­dest we­sent­lich da­zu bei­tra­gen. Die­ses Ar­gu­ment scheint nicht völ­lig aus der Luft ge­grif­fen, ist aber un­term Strich we­nig stich­hal­tig: Zum ei­nen gibt es auch in den so­ge­nann­ten ‘rei­chen Län­dern’ im­mer mehr ar­me Men­schen, die auf güns­ti­ge Ein­käu­fe an­ge­wie­sen sind, zum an­de­ren kann man kein Pro­dukt er­wer­ben, das nicht von ei­nem An­bie­ter auf dem Markt be­reit­ge­stellt wird und von der Markt­auf­sicht zu­ge­las­sen ist. Die Ge­win­ne aus den Res­sour­cen und Pro­duk­ten der Drit­ten Welt fal­len dem­entspre­chend bei den Roh­stoff- und Agrar- Mul­tis und ih­ren In­ves­to­ren so­wie bei ei­ni­gen Groß­händ­lern und Im­por­teu­ren an. Und na­tür­li­ch bei kor­rup­ten Po­li­ti­kern, wel­che die le­ga­len Vor­aus­set­zun­gen da­für schaf­fen und die ent­spre­chen­den Li­zen­zen er­tei­len.

Wir’, die ge­mei­nen Bür­ger und Kon­su­men­ten, plün­dern die Län­der der Drit­ten Welt al­so nicht. Und ei­nen Waf­fen­händ­ler ha­be ich üb­ri­gens auch nicht in mei­nem Be­kann­ten­kreis. Je­den­falls nicht, dass ich wüss­te. Ein­mal ganz ab­ge­se­hen da­von, dass es nicht zu Un­recht heißt: ‘Ent­wick­lungs­hil­fe be­deu­tet, dass man das Geld von den Ar­men in rei­chen Län­dern nimmt und es den Rei­chen in ar­men Län­dern gibt.’ 

Aber et­li­che In­ves­to­ren und in­ter­na­tio­na­le Kon­zer­ne plün­dern die Drit­te Welt na­tür­li­ch durch­aus. Seit dem En­de der Ko­lo­ni­al­zeit üb­ri­gens stets im Ver­ein mit lo­ka­len Eli­ten und Ehr­geiz­lin­gen. Das ge­schieht durch Land­raub & Mo­no­kul­tu­ren, Roh­stoff­abbau und Bil­lig­pro­duk­ti­on bei nied­rigs­ten Stan­dard und in­zwi­schen auch durch Ab­satz- und Ver­klap­pungs­märk­te für Über­schuss­pro­duk­ti­on. Auch Ent­wick­lungs­hil­fe ist eben­so wie die hie­si­ge Asyl­in­dus­trie so­wohl ein Markt wie ein Markt- und Grenz­öff­ner. Die Men­schen nicht nur in der Drit­ten Welt wer­den da­mit in Ab­hän­gig­keit & Un­selb­stän­dig­keit ge­bracht und ge­hal­ten.

Das Er­geb­nis ist be­kannt und im­mer das glei­che: Ge­win­ne wer­den pri­va­ti­siert, Ver­lus­te & Kol­la­te­ral­schä­den wie Mi­gra­ti­on so­zia­li­siert. Der Markt­li­be­ra­le Ke­nia­ner Ja­mes Shik­wa­ti meint:

Wer Afri­ka hel­fen will, darf kein Geld ge­ben”.

Im In­ter­view mit der FAZ spricht der Grün­der des „In­ter Re­gi­on Eco­no­mic Net­work“ über die schäd­li­chen Fol­gen der Ent­wick­lungs­hil­fe und sei­ne For­de­rung, die Zah­lun­gen so­fort zu stop­pen.

Ent­wick­lungs­hil­fe ist ein Fluch, meint Ja­mes Shik­wa­ti. In die­sem Vi­deo zeigt er auf, wel­che Schä­den sie an­rich­tet: Sie lähmt Ei­gen­in­itia­ti­ve und macht die Men­schen ab­hän­gig von west­li­cher Hil­fe, ent­lässt die ei­ge­nen Re­gie­run­gen aus der Ver­ant­wor­tung. Sie ver­schlei­ert und ver­ewigt da­mit Kor­rup­ti­on und ver­la­gert die Lö­sung von Pro­ble­mem auf ex­ter­ne Agen­ten oder In­ves­to­ren. Ent­wick­lungs­hil­fe be­deu­te Ent­wick­lung zur Un­mün­dig­keit. Sie die­ne vor al­lem da­zu, den Ein­fluss der ehe­ma­li­gen Ko­lo­nia­lis­ten in Afri­ka auf­recht zu hal­ten, wel­che die lo­ka­len Eli­ten durch Ge­wäh­rung von Hilfs­pro­jek­ten von ih­rer Pflicht ent­bän­den, sich für die Be­lan­ge der Bür­ger ein­zu­set­zen. Da­durch hiel­ten sie sich die lo­ka­len El­ten ge­wo­gen und si­cher­ten sich den Zu­griff auf Afri­kas Res­sour­cen. Afri­ka müs­se aber die Ho­heit über die ei­ge­nen Roh­stof­fe und Res­sour­cen zu­rück ge­win­nen, nur so sei ei­ne nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung mög­li­ch.

Ne­ben Roh­stoff- und Agrar­kon­zer­nen sei­en auch die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die Hilfs­in­dus­trie, wie Shik­wa­ti sie nennt, ein  gro­ßer Pro­fi­teur die­ser Denk­wei­se. Sie ach­te dar­auf, dass die Ab­hän­gig­keit Afri­kas von west­li­cher Hil­fe im­mer wei­ter fort­be­stehe. Wei­te­re Pro­ble­me schafft die Po­li­tik der Welt­bank, de­ren Kre­di­te oft­mals an die Be­din­gung ge­knüpft sei­en,  Pri­va­ti­sie­run­gen durch­zu­füh­ren, et­wa der Was­ser­ver­sor­gung (und an­de­rer Ge­mein­gü­ter, sie­he Land­nah­me). Letz­ten En­des ge­he es dar­um, wie­der ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen den Men­schen im Land und ih­ren Eli­ten her­zu­stel­len. Die­ser Dis­kurs aber müs­se von den Afri­ka­nern selbst und un­ter­ein­an­der ge­führt wer­den.

Was al­so not tut, so mei­ne Schluss­fol­ge­run­gen aus den Aus­sa­gen Shik­wa­tis, sind fai­re Wirt­schafts- und Han­dels­be­zie­hun­gen mit Afri­ka und den an­de­ren Län­dern der Drit­ten Welt so­wie ein En­de der Gän­ge­lung und Ein­mi­schung in die An­ge­le­gen­hei­ten die­ser Staa­ten, so dass sie end­li­ch un­ab­hän­gig wer­den und sich auf ih­re ei­ge­ne Kraft be­sin­nen kön­nen.

Ti­tel­bild: By PH3 ROGER FRAZER (http://www.dodmedia.osd.mil/) [Pu­blic do­main], via Wi­ki­me­dia Com­mons

1 Kommentar

  1. […] schon vor­bei (Schel­men­streich) Ethi­scher Rea­lis­mus und Mi­gra­ti­on (Zwie­denk) Kein Geld für Afri­ka […]

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