Kom­plott ge­gen Ju­li­an Assan­ge

Schwei­zer UN-Son­der­be­richt­erstat­ter Nils Mel­zer sieht Ver­schwö­rung ge­gen Wi­ki­leaks-Grün­der.

Der Schwei­zer UN-Son­der­be­richt­erstat­ter Nils Mel­zer hat den Fall Ju­li­an Assan­ge un­ter­sucht und kommt zu dem Er­geb­nis: «Vor un­se­ren Au­gen kre­iert sich ein mör­de­ri­sches Sys­tem»

“Ei­ne kon­stru­ier­te Ver­ge­wal­ti­gung und ma­ni­pu­lier­te Be­wei­se in Schwe­den, Druck von Gross­bri­tan­ni­en, das Ver­fah­ren nicht ein­zu­stel­len, be­fan­ge­ne Rich­ter, In­haf­tie­rung, psy­cho­lo­gi­sche Fol­ter – und bald die Aus­lie­fe­rung an die USA mit Aus­sicht auf 175 Jah­re Haft, weil er Kriegs­ver­bre­chen auf­deck­te: Erst­mals spricht der Uno-Son­der­be­richt­erstat­ter für Fol­ter, Nils Mel­zer, über die bri­san­ten Er­kennt­nis­se sei­ner Un­ter­su­chung im Fall von Wi­ki­leaks-Grün­der Ju­li­an Assan­ge.” (»In­ter­view mit Nils Mel­zer in der Schwei­zer Zei­tung ‘Re­pu­blik’)

Im In­ter­view mit dem ZDF lie­fert Nils Mel­zer ei­ne Me­ta- Ana­ly­se des Fal­les, die man mit ge­ring­fü­gi­gen Er­gän­zun­gen ganz ge­ne­rell als zeit­lo­se und an­lass­neu­tra­le Dia­gno­se der Macht­me­cha­nis­men in mo­der­nen west­li­chen Staa­ten neh­men kann:

“Die Rechts­staat­lich­keit ist in un­se­ren Län­dern durch­aus ge­ge­ben, so­lan­ge die es­sen­ti­el­len Staats­in­ter­es­sen [ge­meint sind wohl eher die In­ter­es­sen der je­wei­li­gen Macht­ha­ber] nicht be­trof­fen sind. So­bald sich der Staat [das Es­ta­blish­ment] aber in sei­nen [ih­ren] Si­cher­heits- In­ter­es­sen be­droht fühlt, fun­da­men­tal […], dann funk­tio­niert das nicht mehr.”

[Üb­ri­gens ei­ne sehr gu­te zeit- & an­lass­neu­tra­le Dia­gno­se]

Col­la­te­ral Mur­der

Grund für die Ver­fol­gung von Assan­ge sind die Ver­öf­fent­li­chun­gen von ge­le­ak­ten Do­ku­men­ten und Ma­te­ria­li­en, ins­be­son­de­re US-Mi­li­tär­do­ku­men­ten und Vi­de­os zu den Mi­li­tär­ein­sät­zen im Irak und in Af­gha­ni­stan, dar­un­ter ein Vi­deo, das den Tod zwei­er Jour­na­lis­ten durch den An­griff ei­nes Apa­che- He­li­ko­pters zeigt (»Link da­zu). Die­ses Vi­deo führ­te zu ei­nem welt­wei­ten Sturm der Ent­rüs­tung und be­schä­dig­te das An­se­hen der US- Streit­kräf­te. Die Ver­öf­fent­li­chung von wei­te­ren Do­ku­men­ten ge­fähr­de­te dar­über hin­aus die Si­cher­heit von In­for­man­ten und Mit­ar­bei­tern ame­ri­ka­ni­scher Nach­rich­ten­diens­te in Nah­ost und lös­te in Po­li­tik und Me­di­en ei­ne kon­tro­ver­se De­bat­te über die Ethik die­ses Vor­ge­hens aus.

‘Wi­ki­leaks has ob­tai­ned and de­cryp­ted this pre­vious­ly un­re­leased vi­deo foo­ta­ge from a US Apa­che he­li­cop­ter in 2007. It shows Reu­ters jour­na­list Na­mir Noor-Elde­en, dri­ver Saeed Chmagh, and several others as the Apa­che shoots and kills them in a pu­blic squa­re in Eas­tern Bagh­dad. They are ap­par­ent­ly as­su­med to be insur­gents. Af­ter the in­iti­al shoo­ting, an un­ar­med group of adults and child­ren in a mi­ni­van ar­ri­ves on the sce­ne and at­tempts to trans­port the woun­ded. They are fired upon as well. The of­fi­ci­al state­ment on this in­ci­dent in­iti­al­ly listed all adults as insur­gents and clai­med the US mi­li­ta­ry did not know how the de­aths ocur­red. Wi­ki­leaks re­leased this vi­deo with tran­scripts and a pa­cka­ge of sup­porting do­cu­ments on April 5th 2010.’

Ver­fol­gung

Kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung der Irak / Af­gha­ni­stan- Mi­li­tär- Do­ku­men­te wur­den wäh­rend ei­nes Auf­ent­hal­tes in Schwe­den mys­te­riö­se Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fe ge­gen Assan­ge er­ho­ben. Nach ei­ni­gem Hin und Her – u.a. erst Aus­stel­lung, dann Rück­nah­me ei­nes Haft­be­fehls – wur­de ihm die Aus­rei­se nach Groß­bri­tan­ni­en ge­stat­tet, spä­ter aber ein in­ter­na­tio­na­ler Haft­be­fehl ge­gen ihn er­las­sen. In Eng­land wur­de er ver­haf­tet, ge­gen Kau­ti­on aber wie­der auf frei­en Fuß ge­setzt.

Da Assan­ge ei­ne Aus­lie­fe­rung an die USA be­fürch­te­te, nahm er 2012 ein An­ge­bot der equa­do­ria­ni­schen Re­gie­rung wahr und bat in de­ren Lon­do­ner Bot­schaft um Asyl. In die­ser Bot­schaft harr­te er 7 Jah­re lang aus. Im Som­mer 2019 ent­zog Equa­dor Assan­ge Asyl und auch die ihm zwi­schen­zeit­lich ver­lie­he­ne Staats­bür­ger­schaft und er­laub­te den bri­ti­schen Be­hör­den den Zu­tritt zur Bot­schaft und die Fest­nah­me von Assan­ge. Kurz dar­auf  wur­de be­kannt, dass die USA be­reits 2017 ein Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen ge­stellt hat­ten.

Die Vor­wür­fe ge­gen Assan­ge, die zu­nächst nur ei­ne ge­mein­schaft­li­chen Ver­schwö­rung zum Ein­drin­gen in Com­pu­ter­netz­wer­ke der Re­gie­rung be­tra­fen (Höchst­stra­fe 5 Jah­re), wur­den 2019 um wei­te­re An­kla­ge­punk­te er­wei­tert, u.a. um Spio­na­ge nach dem um­strit­te­nen Spio­na­ge­ge­setz von 1917. Nun dro­hen Assan­ge im Fal­le ei­ner Ver­ur­tei­lung bis zu 175 Jah­re Haft in den USA.

Links:
«Vor un­se­ren Au­gen kre­iert sich ein mör­de­ri­sches Sys­tem» (Re­pu­blik)
Fall Assan­ge: ‘Kon­stru­ier­te Ver­ge­wal­ti­gung’ (Hei­se)
Ju­li­an Assan­ge (Wi­ki­pe­dia)

Ti­tel­bild:
The Wi­ki­leaks Files, Book Launch, Lon­don, 2015-09-29. Wa­lej [CC BY-SA]

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