Kon­zert­ver­bot für Xa­vier Nai­doo? Will die SPD wie­der ei­ne deut­sche Kul­tur-Zen­sur ein­füh­ren?

Nach Dort­mund nun auch Ros­tock: SPD will Auf­tritt von Xa­vier Nai­doo ver­hin­dern.

In Dort­mund und Ros­tock fal­len die de­mo­kra­ti­schen Mas­ken. Soll es in Deutsch­land künf­tig Kunst & Kul­tur nur noch mit dem Se­gen von oben ge­ben? Die SPD- OBs von Dort­mund und Ros­tock zei­gen je­den­falls Hal­tung ge­gen Mei­nungs­viel­falt, Plu­ra­lis­mus & De­mo­kra­tie. Mit Rechts­staat­lich­keit und Ge­wal­ten­tei­lung schei­nen sie je­den­falls auf dem Kriegs­fuß zu ste­hen. Ich hal­te die­ses ne­o­feu­da­le Vor­ge­hen für ei­nen An­griff auf die FDGO und da­mit aufs Grund­ge­setz!

Weh­ret den An­fän­gen!

Es ist üb­ri­gens völ­lig un­er­heb­lich, wie man zu Nai­doos po­li­ti­schen An­sich­ten steht. Ich schät­ze ihn als Künst­ler, tei­le aber auch nicht al­les, was es sagt. Je­doch: Auf­tritts­ver­bo­te dür­fen nicht von Po­li­ti­kern oder Par­tei­en, son­dern wenn, dann nur von Ge­rich­ten ver­hängt wer­den. Und auch nicht durch halb­sei­de­ne ad­mi­nis­tra­ti­ve Will­kür- Ak­te lo­ka­ler Be­hör­den ver­hin­dert wer­den. Das grenzt an ein Be­rufs­ver­bot und dar­über hin­aus spricht aus ei­nem sol­chen Vor­ge­hen schlicht ei­ne il­li­be­ra­le Ge­sin­nung! Wer ger­ne Sonn­tags­re­den von Frei­heit und De­mo­kra­tie schwingt und sich mit dem Rechts­staat brüs­tet, muss nun mal in den sau­ren Ap­fel bei­ßen und sich auch im All­tag mit der Ge­wal­ten­tei­lung ab­fin­den. Oder ir­re ich mich da? 

Ser­ge Men­ga: Ge­sin­nungs­dik­ta­tur in Deutsch­land – Xa­vier Nai­doo und die Na­zi-Hys­te­rie!

Hier Pres­se­mel­dun­gen zu den skan­da­lö­sen Ab­sich­ten der SPD:

> Nach um­strit­te­nen Vi­de­os: Auf­tritts­ver­bot in Ros­tock für Xa­vier Nai­doo? – Ros­to­cker SPD will ver­hin­dern, dass der Sän­ger 2021 sein co­ro­nabe­ding­tes Er­satz­kon­zert in der Stadt gibt. < (RND)

> SPD will Auf­tritt von Xa­vier Nai­doo in Ros­tock ver­hin­dern. […] Grund ist ein um­strit­te­nes Vi­deo Nai­doos [2] im In­ter­net, in dem er sich zu Flücht­lin­gen äu­ßert. < (Ost­see­zei­tung)

> „Wir wol­len Xa­vier Nai­doo nicht in un­se­rer Stadt und auch nicht je­ne An­hän­ger sei­ner Mu­sik, die sei­ne Po­si­tio­nen tei­len“, ver­kün­det Dort­munds SPD-Ober­bür­ger­meis­ter Ul­rich Sier­au. Über die Köp­fe der Bür­ger und Fans hin­weg will er das Kon­zert ab­sa­gen las­sen. < (Jou­watch)

> Stadt Dort­mund prüft Ab­sa­ge von Xa­vier Nai­doo-Kon­zert – OB: Wir wol­len ihn nicht in un­se­rer Stadt < (Lo​kal​kom​pass​.de)

Al­lein schon das ‘wir’. Ist das der Plu­ra­lis Ma­je­s­ta­tis von Bon­zen?

A Mei­nung ha­ben – An­dre­as Ga­ba­lier & Xa­vier Nai­doo

Ein we­nig Nach­hil­fe für die SPD: Was ist Plu­ra­lis­mus?

> Plu­ra­lis­mus im Sin­ne der prin­zi­pi­el­len recht­li­chen An­er­ken­nung ei­ner in der Ge­sell­schaft vor­han­de­nen Viel­falt un­ter­schied­li­cher, z.T. ein­an­der wi­der­strei­ten­der Be­kennt­nis­se, Welt­an­schau­un­gen, Wis­sen­schaf­ten, Mei­nun­gen, In­ter­es­sen, Ver­ei­ni­gun­gen, Ko­ali­tio­nen und Par­tei­en ist ein prä­gen­des Merk­mal der vom Grund­ge­setz ver­fass­ten frei­heit­li­chen De­mo­kra­tie. < (Rechts­le­xi­kon)

> Plu­ra­lis­mus ist ein zen­tra­les Leit­bild mo­der­ner De­mo­kra­ti­en, de­ren po­li­ti­sche Ord­nung und Le­gi­ti­mi­tät aus­drück­lich auf der An­er­ken­nung und dem Re­spekt vor den viel­fäl­ti­gen in­di­vi­du­el­len Mei­nun­gen, Über­zeu­gun­gen, In­ter­es­sen, Zie­len und Hoff­nun­gen be­ru­hen. Kei­ne (po­li­ti­sche, re­li­giö­se o. ä.) In­stanz darf in der La­ge sein, (al­len) an­de­ren ih­re Über­zeu­gung etc. auf­zu­zwin­gen, d. h. die prin­zi­pi­el­le Of­fen­heit plu­ra­lis­ti­scher De­mo­kra­ti­en zu ge­fähr­den. Grund­la­ge des po­li­ti­schen und so­zia­len Zu­sam­men­le­bens fort­schritt­li­cher Ge­sell­schaf­ten ist da­her das plu­ra­lis­ti­sche Prin­zip der Viel­falt (nicht das der un­de­mo­kra­ti­schen Ein­falt). < (Plu­ra­lis­mus, bpb)

Al­les kann bes­ser wer­den – Xa­vier Nai­doo

Zur Ver­tie­fung: Was war gleich noch­mal Plu­ra­lis­mus?

> Plu­ra­lis­mus, ver­stan­den als em­pi­ri­scher Be­griff der Po­li­tik­wis­sen­schaft, be­schreibt den Um­stand, dass in ei­ner po­li­ti­schen Ge­mein­schaft ei­ne Viel­zahl frei­er In­di­vi­du­en und ei­ne Viel­falt von ge­sell­schaft­li­chen Kräf­ten re­spek­tiert wer­den, die in ei­nem Wett­be­werb un­ter­ein­an­der ste­hen. Die Viel­falt zeigt sich in kon­kur­rie­ren­den Ver­bän­den und in Mei­nun­gen, Ide­en, Wer­ten und Welt­an­schau­un­gen Einzelner.[1]

Plu­ra­lis­mus als nor­ma­ti­ve po­li­ti­sche Idee be­deu­tet, dass die­ser Wett­be­werb un­ter­schied­li­cher und ent­ge­gen­ge­setz­ter In­ter­es­sen als le­gi­tim be­trach­tet und als wün­schens­wert an­er­kannt wird. Kei­ne ge­sell­schaft­li­che Grup­pe darf in der La­ge sein, an­de­ren ih­re Über­zeu­gung auf­zu­zwin­gen. Das wür­de die prin­zi­pi­el­le Of­fen­heit plu­ra­lis­ti­scher Ge­mein­schaf­ten ge­fähr­den. In ei­ner plu­ra­lis­ti­schen Ge­sell­schaft kann es da­her kein ab­so­lu­tes Macht­zen­trum ge­ben, Macht wird auf ver­schie­de­ne In­sti­tu­tio­nen ver­teilt. Ent­schei­dungs­be­fug­nis kann zu­dem nur auf Zeit an ein­zel­ne Per­so­nen de­le­giert wer­den. Min­der­hei­ten ste­hen un­ter Schutz und ab­wei­chen­de Mei­nun­gen ha­ben ei­nen le­gi­ti­men Platz in ei­ner plu­ra­lis­ti­schen Gesellschaft.[2] < (Plu­ra­lis­mus, Wi­ki­pe­dia)

Die­ser Weg wird kein leich­ter sein – Xa­vier Nai­doo

SPD: Kein Pro­blem mit Links­ex­tre­mis­ten?

Kein Pro­blem hat die SPD hin­ge­gen of­fen­bar mit der Band ‘Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let’, über die der VS Meck-Pomm vor ei­ni­gen Jah­ren schrieb: “Die au­to­no­me Punk­band FSF ent­fal­tet ne­ben ih­rem mu­si­ka­li­schen Wir­ken auch links­ex­tre­mis­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten – sie ist da­her als po­li­ti­scher Zu­sam­men­schluss an­zu­se­hen”.

Ganz im Ge­gen­teil: Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas lobt die Band so­gar und Bun­des­prä­si­dent Frank Wal­ter Stein­mei­er emp­fielt den Be­such ih­rer Kon­zer­te. Hier mal zwei Text­pro­ben der Band:

„Wir stel­len un­se­ren ei­ge­nen Trupp zu­sam­men / Und schi­cken den Mob dann auf euch rauf / Die Bul­len­hel­me – sie sol­len flie­gen / Eu­re Knüp­pel kriegt ihr in die Fres­se rein / Und da­nach schi­cken wir euch nach Bay­ern / Denn die Ost­see soll frei von Bul­len sein.“

„Punk heißt gegen’s Va­ter­land, das ist doch al­len klar / Deutsch­land ver­re­cke, das wä­re wun­der­bar! / Heu­te wird ge­teilt, was das Zeug hält / Deutsch­land ist schei­ße, Deutsch­land ist Dreck! / Gib mir ein ‘li­ke’ ge­gen Deutsch­land / Gün­ther ist schei­ße, Gün­ther ist Dreck!“

Links
Zen­sur in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (Wi­ki)
Ent­ar­te­te Kunst (Wi­ki)

Ti­tel­bild: Screen­shot Xa­vier Nai­doo – Ich ken­ne nichts [Of­fi­ci­al Vi­deo]

 

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