Mi­gra­ti­ons­waf­fe – die ge­mach­te Flücht­lings­kri­se

Die Ur­he­ber des Mi­gra­ti­ons­krie­ges hei­ßen USA und Groß­bri­tan­ni­en

Die töd­li­chen Vor­fäl­le im Mit­tel­meer über­tref­fen den Ab­sturz der MH17, den German­wings-Ab­sturz, die deut­schen Grenz- und Mau­er­to­ten in­ner­halb von 29 Jah­ren. Die letz­ten Ta­ge ste­hen für neue Hö­he­punk­te in der Mi­gra­ti­ons­kri­se, mit der die an­gel­säch­si­schen Mäch­te Deutsch­land und Eu­ro­pa flu­ten. Ge­nau das aber ver­schwei­gen die Me­di­en be­harr­lich: die Be­nen­nung der Schul­di­gen. Schuld an der Flücht­lings­ka­ta­stro­phe sind näm­lich un­se­re bes­ten »Freun­de« und »Ver­bün­de­ten«.

Flücht­lings­strö­me sind Mi­gra­ti­ons­waf­fen. Sie kom­men nicht von un­ge­fähr. Sie wer­den ge­plant. Um­stür­ze kom­men eben­so we­nig von un­ge­fähr. Sie wer­den ge­plant und ge­steu­ert, und auf­ge­putsch­te Mas­sen wer­den durch Mas­sen­ma­ni­pu­la­ti­on in die­ses Spiel mit ein­be­zo­gen. Oh­ne ma­ni­pu­lier­te Mas­sen kann sich kei­ne klei­ne Ter­ro­ris­ten­grup­pe zum Mas­sen­phä­no­men aus­wach­sen. Nicht die Flücht­lin­ge sind »die Bö­sen«, son­dern die Ur­he­ber der Mi­gra­ti­ons­kri­se. Aber er­staun­li­cher­wei­se schwei­gen un­se­re Po­li­ti­ker, un­se­re Me­di­en und un­se­re Ge­werk­schaf­ten, Kir­chen und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen über die wah­ren Ver­ur­sa­cher der sich im­mer mehr zu­spit­zen­den Flücht­lings­kri­se ei­sern. Wo­her kommt die Flücht­lings­wel­le?

Nun, wenn un­se­re Jour­na­lis­ten und Aus­lands­kor­re­spon­den­zen und ih­re Vor­ge­setz­ten in den Pres­se­bü­ros nur woll­ten, müss­ten sie nicht lan­ge su­chen. Der Ur­sprung al­len Übels liegt haupt­säch­lich im 2003 von den USA an­ge­zet­tel­ten Irak­krieg so­wie in der vom Wes­ten und sei­nen Ge­heim­diens­ten als »Ara­bi­scher Früh­ling« ver­harm­los­ten und schön ge­re­de­ten Wel­le von Ge­walt, die nichts mit De­mo­kra­tie aber viel mit Cha­os und An­ar­chie ge­mein hat. Seit 2010 fegt die­ser Tsu­na­mi über Nord­afri­ka hin­weg, führt zu Re­vo­lu­tio­nen, Bür­ger­krie­gen, Put­schen und Krie­gen, die ei­nen gan­zen Gür­tel aus ver­brann­ter Er­de und zer­stör­ten Staa­ten hin­ter­ließ.

West­li­che Stif­tun­gen vom Schla­ge des ame­ri­ka­ni­schen Mul­ti­mil­li­ar­därs Soros und der Fa­mi­li­en­dy­nas­ti­en Ro­cke­fel­ler so­wie an­geb­li­che »Men­schen­rechts-or­ga­ni­sa­tio­nen«, die auf CIA-Ba­sis ge­grün­det sind, wa­ren die An­zett­ler. Und sie hat­ten Er­folg: Die Um­stür­ze er­reich­ten von Tu­ne­si­en aus in den fol­gen­den Jah­ren die drei nord­afri­ka­ni­schen Rie­sen Al­ge­ri­en, Li­by­en und Ägyp­ten, aber auch Ma­rok­ko, Mau­re­ta­ni­en, den Je­men und Jor­da­ni­en. Zu­vor wa­ren die­se Staa­ten sta­bil und wa­ren wich­ti­ge eu­ro­päi­sche Ver­bün­de­te bei der Ein­däm­mung der afri­ka­ni­schen Ar­muts­zu­wan­de­rung. Aber nun ging es nicht mehr nur um Hun­ger, son­dern um Le­ben oder Tod.

EU-Kom­mis­sar An­tó­nio Vi­to­ri­no hat­te be­reits 2010 »ein Pi­lot­pro­jekt für fünf nord­afri­ka­ni­sche Län­der« an­ge­kün­digt, hieß es in der Süd­deut­schen Zei­tung (on­line, 19.05.2010). In den nord­afri­ka­ni­schen Flücht­lings­la­gern soll­ten die Le­bens­ver­hält­nis­se ver­bes­sert und in­ter­na­tio­na­len Stan­dards an­ge­passt wer­den: »Zu­sam­men mit dem UN-Flücht­lings­hilfs­werk UN­HCR und der nie­der­län­di­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft will man Tu­ne­si­en, Li­by­en, Al­ge­ri­en, Ma­rok­ko und Mau­re­ta­ni­en hel­fen, ei­ge­ne so­li­de Asyl­sys­te­me auf­zu­bau­en und eu­ro­päi­sche Stan­dards bei der Auf­nah­me von Flücht­lin­gen ein­zu­hal­ten.«

Das pass­te aber ganz und gar nicht in die an­ti­eu­ro­päi­sche Zer­mür­bungs­stra­te­gie der an­gel­säch­si­schen Mäch­te und ih­rem heim­li­chen Wirt­schafts­krieg ge­gen Eu­ro­pa. Und so wur­den die­se Län­der mit Hil­fe der USA und Groß­bri­tan­ni­en zer­schla­gen und ih­re Flücht­lings­po­li­tik gleich mit. Die Stra­te­gie reiht sich naht­los ein in die an­gel­säch­si­sche De­sta­bi­li­sie­rungs­po­li­tik Eu­ro­pas zur Zeit der Eu­ro-Ein­füh­rung, als von den An­gel­sach­sen die Lun­te an die Bun­des­re­pu­blik Ju­go­sla­wi­en ge­legt wur­de, um auf dem eu­ro­päi­schen Kon­ti­nent für Un­ru­he und Ab­len­kung vom wich­ti­gen Eu­ro-Pro­jekt zu sor­gen. Ent­spre­chend un­se­ri­ös be­schäf­tig­ten sich die da­ma­li­gen eu­ro­päi­schen Po­li­ti­ker mit die­sem Mam­mut­pro­jekt ei­ner Ein­heits­wäh­rung. Die Ern­te wird heu­te ein­ge­fah­ren. 2:0 für USA und GB.

Und Afri­ka heu­te? Als Er­geb­nis der iro­ni­scher Wei­se als »De­mo­kra­tie­be­we­gung« be­zeich­ne­ten De­sta­bi­li­sie­rungs­po­li­tik der CIA und ih­rer ver­bün­de­ten Ge­heim­diens­te zieht sich nun ein Gür­tel der po­li­ti­schen In­sta­bi­li­tät, des Bür­ger­krie­ges und der Not von Mau­re­ta­ni­en bis Sy­ri­en. Im Grun­de ge­nom­men wur­de da­bei ganz Nord­afri­ka zer­stört und in so ge­nann­te »fai­led sta­tes« ver­wan­delt. Tat­säch­lich sind es nicht »ge­schei­ter­te« son­dern vom Wes­ten wil­lent­lich zer­stör­te Staa­ten. Ja, der ag­gres­sivs­te Teil des Wes­tens hat ver­brann­te Er­de hin­ter­las­sen. Das Ka­pi­tal ist stets glei­cher­ma­ßen grob­schläch­tig – ob un­ter Hit­ler oder un­ter Wa­shing­ton und Lon­don: Ver­brann­te Er­de, um ganz Eu­ro­pa letzt­lich ins Cha­os zu stür­zen. Und da­mit Russ­land zu schla­gen, den Erz­feind und ka­pi­ta­lis­ti­schen Kon­kur­ren­ten der Wall­street. Russ­land, das noch sei­ne Bo­den­schät­ze sel­ber be­sitzt und ver­wal­tet und nicht be­reit ist, sie an die ame­ri­ka­ni­schen Fa­mi­li­en-Öl-Dy­nas­ti­en zu ver­hö­kern.

Jetzt er­le­ben wir, wie die Men­schen im nord­afri­ka­ni­schen »Re­vo­lu­ti­ons­gür­tel« mit den Fü­ßen über die vom Wes­ten be­ju­bel­ten Um­stür­ze ab­stim­men.

Gast­bei­trag von Jür­gen Bo­del­le, 30.04.2015, zu­erst pu­bli­ziert auf neu­land

Ti­tel­bild: By Ka­mal­t­he­best [CC BY-SA 4.0 ], from Wi­ki­me­dia Com­mons

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