Nach der Wahl ist vor der Wahl

Mia san mia vs. Er­bar­men, die Hes­sen kom­men: Die Ber­li­ner Re­pu­blik im Wür­ge­griff der Land­tags­wah­len in Bay­ern und Hes­sen.

Nach den schwe­ren Ver­lus­ten in Bay­ern droht den eins­ti­gen Volks­par­tei­en CDU/CSU und SPD in Hes­sen ein wei­te­res Wäh­ler­stim­men­mas­sa­ker. Bei­de Par­tei­en müs­sen er­neut zwei­stel­li­ge Stim­men­ver­lus­te be­fürch­ten,  wäh­rend die von den Öf­fent­lich- Recht­li­chen mas­siv ge­hät­schel­ten und ge­hyp­ten Grü­nen eben­so wie die me­di­al aus­ge­grenz­ten und ge­mobb­ten Al­ter­na­ti­ven laut Um­fra­gen auf knapp zwei­stel­li­ge Zu­wachs­ra­ten hof­fen dür­fen und auch die FDP und die Lin­ke wohl si­cher mit knapp zwei­stel­li­gen Er­geb­nis­sen ins Par­la­ment ein­zie­hen wer­den.

Hes­sen­trend, ARD ta­ges­the­men 18.10.2018

Pro­jek­ti­on Hes­sen, ZDF Po­lit­ba­ro­me­ter, 18.10.2018

Re­gie­rungs­bil­dung

Was die Re­gie­rungs­bil­dung nach der Wahl an­be­langt, kom­men da­mit je nach Wahl­er­geb­nis ei­ne gan­ze Rei­he von Op­tio­nen in Fra­ge. Be­gin­nen wir mal mit der un­wahr­schein­lichs­ten: Ei­ne (klein­ge­schrumpf­te) Gro­Ko. Selbst wenn es rech­ne­risch mög­lich wä­re, wer­den die bei­den arg ge­rupf­ten Par­tei­en sich wohl hü­ten, sich auf ein der­ar­ti­ges Aben­teu­er ein­zu­las­sen. Auch ein Links­bünd­nis, wel­ches 2008 schon ein­mal rech­ne­risch mög­lich war und auch pro­biert wur­de, dann aber un­ter skan­da­lö­sen Um­stän­den schei­ter­te, passt nicht in die der­zei­ti­ge po­li­ti­sche Land­schaft. Ei­ne Be­stä­ti­gung der am­tie­ren­den Schwarz- Grü­nen Re­gie­rung er­scheint der­zeit rech­ne­risch zwar mög­lich, aber eher un­wahr­schein­lich. Blie­be Ja­mai­ka. Und das dürf­te es ver­mut­lich auch wer­den in Hes­sen. Und zwar aus ei­nem wei­te­ren gu­ten Grund, der mit dem Bund zu tun hat:

In Ber­lin wer­den die Fet­zen flie­gen

In Ber­lin wer­den nach der Hes­sen­wahl die Fet­zen flie­gen! Mer­kel ist kaum mehr zu hal­ten, denn so­lan­ge sie CDU- Par­tei­vor­sit­zen­de und Kanz­le­rin ist, wird man den Groß­teil der AfD- Wäh­ler nicht zu­rück­ge­win­nen kön­nen. Und das ist ins­be­son­de­re im Os­ten, wo die AfD laut Um­fra­gen schon gleich­auf mit der CDU stärks­te Par­tei ist und im kom­men­den Jahr in Sach­sen, Bran­den­burg und Thü­rin­gen wich­ti­ge Land­tags­wah­len an­ste­hen, ein ech­tes Pro­blem. Und auch im Rest der Re­pu­blik er­for­dert es mit Mer­kel als Kanz­le­rin enor­men und mehr als grenz­wer­ti­gen po­li­tisch- me­dia­len Auf­wand, die AfD klein zu hal­ten. Das wird man auf Dau­er nicht durch­hal­ten wol­len bzw. kön­nen, oh­ne dass die schon jetzt äu­ßerst ram­po­nier­te de­mo­kra­ti­sche Fas­sa­de nach­hal­tig Scha­den nimmt.

Da­her die Pro­gno­se des ‘Schel­men­streich’: Mer­kel darf im De­zem­ber noch den ‘UN Com­pact for Mi­gra­ti­on’ [Ti­chys] [Hei­se 1 (E)] [Hei­se 2] un­ter­zeich­nen und ihr ‘his­to­risch ein­zig­ar­ti­ges Ex­pe­ri­ment’ der Um­ge­stal­tung ei­ner mo­noe­th­ni­schen Ge­sell­schaft zu ei­ner mul­ti­kul­tu­rel­len zum for­ma­len Ab­schluss brin­gen (und, wer weiß, hin­fort auch als Sün­den­bock da­für her­hal­ten), doch sie ver­liert im glei­chen Mo­nat den CDU- Par­tei­vor­sitz, ver­mut­lich an An­ne­gret Kramp- Kar­ren­bau­er (AKK), er­satz­wei­se an Ar­min La­schet oder Da­ni­el Gün­ther. Die CDU wird je­doch im We­sent­li­chen wohl ih­re Po­li­tik fort­set­zen, nur et­was we­ni­ger chao­tisch. In­ner­halb des nächs­ten hal­ben Jah­res platzt die Gro­Ko und es kommt dann ent­we­der zu Neu­wah­len (eher un­wahr­schein­lich) oder zu Ja­mai­ka – oh­ne Mer­kel und See­ho­fer, der in der CSU der Sün­den­bock sein soll – mit La­schet oder Gün­ther oder doch AKK als Kanz­ler. Ver­mut­lich kommt es in der CDU aber zu ei­ner Dop­pel­spit­ze. Von ei­ner Per­so­nal­uni­on Kanz­ler­schaft und Par­tei­vor­sitz könn­te man fürs ers­te ku­riert sein, zu­mal ja auch in der Par­tei ei­ni­ges auf­zu­ar­bei­ten ist.

Und so schließt sich der Kreis: Die Re­gie­rungs­bil­dung nach der Hes­sen­wahl wird zum Test­lauf und zur Vor­be­rei­tung und Ge­wöh­nung der Bür­ger an die im kom­men­den Jahr für den Bund ge­plan­te Ja­mai­ka- Ko­ali­ti­on. Ei­ne wei­te­re Plei­te wird man sich in die­ser An­ge­le­gen­heit nicht leis­ten wol­len.

Links

Par­tei­tags­ge­flüs­ter

An­ge­la Mer­kel: Wer sagt es ihr? (Zeit)
CDU-Po­li­ti­ker spe­ku­lie­ren über Mer­kels Zu­kunft (Spie­gel)
Mer­kel oder Uni­on – im De­zem­ber fal­len die Wür­fel (Ti­chys)
Mer­kel: “Dann ver­lie­ren wir den Rang als Volks­par­tei” (Spie­gel)
Wer­te­Uni­on platzt zum UN-Mi­gra­ti­ons­pakt der Kra­gen (Hes­sen-D)
Der per­fek­te Sturm: Mi­gra­ti­on und Flücht­lings­kri­se (Zwie­denk)
Der Hes­si­sche Land­bo­te (Ge­org Büch­ner, Pro­jekt Gu­ten­berg)

Ti­tel­fo­to: Mar­tin Kraft // pho​to​.mar​tinkraft​.com [CC BY-SA 3.0 ], vom Wi­ki­me­dia Com­mons

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