No­ti­zen

Re­prä­sen­ta­ti­ve (be­treu­te) De­mo­kra­tie ver­hält sich zu di­rek­ter (ech­ter) De­mo­kra­tie wie kon­trol­lier­te Of­fen­si­ve zu Of­fen­si­ve im Fuß­ball­jar­gon. Ers­te­res ist al­so ein Eu­phe­mis­mus des min­des­tens hal­ben Ge­gen­teils von Letz­te­rem.

Hu­ma­nis­mus grün­det in der Ver­nunft und be­ruht da­mit nie­mals al­lein auf Ge­sin­nungs­ethik , son­dern stets auf Ver­ant­wor­tungs­ethik. Ge­sin­nungs­ethik ist ei­ne idea­le The­se, die erst im Dis­kurs mit der die Rea­li­tät und die Na­tur des Men­schen re­prä­sen­tie­ren­den An­ti­the­se in der ver­ant­wor­tungs­ethisch ge­präg­ten Syn­the­se als Re­sul­tat ei­nes dia­lek­ti­schen Pro­zes­ses in der Pra­xis zur Ent­fal­tung kom­men kann.”

“Mit der In­tel­li­genz ver­hält es sich wie mit dem Geld: Wem es dar­an man­gelt, der re­det dar­über.”

“Kein Mensch lebt für ei­nen an­de­ren. Es sei denn, er tut es aus na­tur­ge­ge­be­nem In­stinkt oder aus frei ge­wähl­ter Über­zeu­gung.” (Sie­he hier­zu die Be­deu­tung der Be­grif­fe ‘Sub­jekt’ und ‘Ob­jekt’)

Po­li­tik hat die Auf­ga­be, die Ge­sell­schaft ge­mäß dem Men­schen zu ge­stal­ten. So­zia­li­sa­ti­on hat die Auf­ga­be, Men­schen in die Ge­sell­schaft zu in­te­grie­ren. Je­der Mensch kann sich än­dern. Aber kein Mensch kann die Men­schen än­dern.

Ras­sis­mus dient der ideo­lo­gi­schen Ra­tio­na­li­sie­rung, Ver­brä­mung oder Recht­fer­ti­gung von Ängs­ten oder Be­gehr­lich­kei­ten im Kamp­f um Res­sour­cen.

Rechts & links sind bei­des wert­vol­le Aus­rich­tun­gen. Rechts be­deu­tet im Kern, auf Ei­gen­wohl be­dacht zu sein und links be­deu­tet im Kern, auf Fremd­wohl be­dacht zu sein. Im Grun­de ge­nom­men sind das nur zwei Sei­ten ei­ner Me­dail­le: Wert­schät­zung sei­ner selbst und an­de­rer. Un­ge­fähr halb & halb er­gibt das ge­nau die rich­ti­ge Mi­schung und die ist in je­dem ge­sun­den Men­schen vor­han­den. Kritsch wird es dann, wenn ein Mensch ex­trem wird, al­so nur auf das Ei­gen­wohl oder nur auf das Fremd­wohl be­dacht ist. Bei­des funk­tio­niert nicht. Man muss ei­nen Aus­gleich an­stre­ben.

Geschicht­li­che Ver­ant­wor­tung be­deu­tet nicht, Schuld und Las­ten der Ver­gan­gen­heit Kin­dern und En­kel­kin­dern auf­zu­bür­den, son­dern aus der Ge­schich­te zu LER­NEN und Ver­ant­wor­tung für Ge­gen­wart und Zu­kunft zu über­neh­men. Es be­deu­tet da­her nicht, die Krie­ge der Ver­gan­gen­heit fort­zu­führen, son­dern die der Ge­gen­wart zu be­en­den und die der Zu­kunft zu ver­hin­dern.

Schuld ist im­mer et­was per­sön­li­ches. Da­zu muss man et­was Bö­ses ge­tan ha­ben oder et­was Gu­tes vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig un­ter­las­sen ha­ben. Mehr gibt es nicht, was Schuld an­be­langt. Die­je­ni­gen, die ih­re Kin­der und En­kel in Schuld­ge­füh­len fes­seln wol­len, statt Ver­ant­wor­tung für Ge­gen­wart und Zu­kunft zu über­neh­men, in­stru­men­ta­li­sie­ren Ge­schich­te und sind da­her die Schul­di­gen an ge­gen­wär­ti­gem und künf­ti­gem Un­recht. 

Wer Schuld über­nimmt für et­was, das er nicht ge­tan hat, macht sich mit­schul­dig, denn er ver­schafft den wah­ren Schul­di­gen ein Ali­bi und ver­hin­dert da­mit, dass schuld­haf­tes Han­deln ab­ge­stellt wer­den kann.

Ver­ant­wor­tung er­for­dert ra­tio­na­les Den­ken und Han­deln. Das kann lo­gi­scher­wei­se nur ge­gen­warts­be­zo­gen oder zu­kunfts­ge­rich­tet sein. Denn die Ver­gan­gen­heit kön­nen wir nicht än­dern, wir kön­nen nur aus ihr ler­nen und ver­suchen, es künf­tig bes­ser zu ma­chen. Je we­ni­ger Schuld­ge­füh­le wir da­bei mit uns her­um­schlep­pen, de­sto ra­tio­na­ler kön­nen wir han­deln.

Ver­ant­wor­tung trägt ein Mensch für sich und an­de­re. Wer für sich selbst Ver­ant­wor­tung über­nimmt, wird sich auch ein Bud­get Mild­tä­tig­keit ein­rich­ten. Ist das Bud­get er­schöpft, dann ist es Zeit, an sich und die Sei­nen zu den­ken. Wer das nicht tut, geht un­ter, und das nützt ihm selbst nicht und auch de­nen nicht, die ihm ver­trau­en und für die er Ver­ant­wor­tung trägt.

Die ge­mein­sa­me Wahr­heit er­gibt sich nur aus dem ehr­li­chen Dis­kurs, der al­le Be­dürf­nis­se, In­ter­es­sen, Wün­sche und Wi­der­sprü­che re­spek­tiert und re­flek­tiert!

Aus­führ­li­cher: Ei­ne ge­mein­sa­me Wahr­heit er­gibt sich nur aus der Dia­lek­tik der Wi­der­sprü­che im ehr­li­chen Dis­kurs, der al­le Be­dürf­nis­se, In­ter­es­sen und Be­gehr­lich­kei­ten re­spek­tiert und re­flek­tiert. Denn nur so kön­nen die Wi­der­sprü­che auf­ge­ho­ben (be­wahrt, auf­ge­löst und in ei­ne neue Qua­li­tät em­por­ge­ho­ben) wer­den!

Das We­sen des Men­schen ist ein Dreikang von Na­tur, Kul­tur und Er­fah­rung, je­weils on­to­ge­ne­tisch wie phy­lo­ge­ne­tisch. Je har­mo­ni­scher er klingt, des­to mehr ist der Mensch mit sich im Rei­nen. Für mensch­li­che Ge­sell­schaf­ten gilt das ent­spre­chend.

Ti­tel­bild: Paul Cé­zan­ne [Pu­blic do­main or Pu­blic do­main], via Wi­ki­me­dia Com­mons, be­ar­bei­tet