No­ti­zen

Klei­ne Samm­lung von No­ti­zen und Ge­dan­ken zu di­ver­sen The­men. Kur­ze, pä­gnan­te De­fi­ni­tio­nen und Aus­sa­gen sind bis­wei­len nütz­lich in im­mer den glei­chen Dis­kur­sen … 😉


Der Kern der Auf­klä­rung ist das un­be­ding­te, selbst­be­stimm­te Sub­jekt und die Gleich­ran­gig­keit die­ser Sub­jek­te. Das be­deu­tet, dass nie­mand für ei­nen an­de­ren lebt, es sei denn, er ent­schei­det sich aus frei­en Stü­cken da­zu. Das Zu­sam­men­le­ben die­ser Sub­jek­te re­gelt der ka­te­go­ri­sche Im­pe­ra­tiv. Da­her kann sich ge­mäß der Auf­klä­rung nie­mand auf Rech­te be­ru­fen, die er nicht zu­gleich an­de­ren zu­ge­steht.

Re­prä­sen­ta­ti­ve (be­treu­te) De­mo­kra­tie ver­hält sich zu di­rek­ter (ech­ter) De­mo­kra­tie wie kon­trol­lier­te Of­fen­si­ve zu Of­fen­si­ve im Fuß­ball­jar­gon. Ers­te­res ist al­so ein Eu­phe­mis­mus des min­des­tens hal­ben Ge­gen­teils von Letz­te­rem.

De­mo­kra­tie wird zur Dik­ta­tur der Dumm­köp­fe, wenn in Po­li­tik & Me­di­en die Dep­pen re­gie­ren.

Wie De­mo­kra­ti­en ster­ben:
1. Au­to­kra­ti­sche (al­ter­na­tiv­lo­se?) Herr­schaft
2. Op­po­si­ti­on wird de­le­gi­ti­miert
3. Ge­walt u. Hass der ei­ge­nen An­hän­ger wird ge­dul­det
4. Ein biss­chen Zen­sur kann nicht scha­den
[In An­leh­nung an die Buch­re­zep­ti­on ‘How De­mo­cra­ci­es Die’ (Wi­ki | DLF | DLF)]

Ex­tre­mis­mus ist ei­ne Fol­ge von Po­li­tik- und Ge­sell­schafts- Ver­sa­gen. Man muss nicht nur die Sym­pto­me be­han­deln, son­dern auch die Ur­sa­chen!

Ge­schich­te ist un­teil­bar. Wer sich nur ei­nen Aus­schnitt her­aus­pickt, be­geht be­reits den ers­ten Feh­ler. Denn dann sucht sich je­der den Aus­schnitt, der ihm ge­ra­de in den Kram oder in die Ideo­lo­gie passt. Das ist aber In­stru­men­ta­li­sie­rung von Ge­schich­te.

Hu­ma­nis­mus grün­det in der Ver­nunft und be­ruht da­mit nie­mals al­lein auf Ge­sin­nungs­ethik , son­dern stets auf Ver­ant­wor­tungs­ethik. Ge­sin­nungs­ethik ist ei­ne idea­le The­se, die erst im Dis­kurs mit der die Rea­li­tät und die Na­tur des Men­schen re­prä­sen­tie­ren­den An­ti­the­se in der ver­ant­wor­tungs­ethisch ge­präg­ten Syn­the­se als Re­sul­tat ei­nes dia­lek­ti­schen Pro­zes­ses in der Pra­xis zur Ent­fal­tung kom­men kann.”

Hy­per­mo­ral ist nicht et­wa der Su­per­la­tiv von Mo­ral, son­dern Miss­brauch, In­stru­men­ta­li­sie­rung & Per­ver­tie­rung von Mo­ral und so­zia­len In­stink­ten, die Ver­keh­rung in ihr Ge­gen­teil, in­dem sie den von al­ler ver­nunft­be­gün­de­ten Mo­ral und na­tür­li­chen so­zia­len In­stink­ten an­ge­streb­ten In­ter­es­sen­aus­gleich zum ge­gen­sei­ti­gen Nut­zen und im Sin­ne von Ge­ben & Neh­men nicht be­för­dert, son­dern ver­un­mög­licht, um Macht & Dis­kur­s­ho­heit zu si­chern. Hy­per­mo­ral ist so­mit das Aus­schal­ten von Mo­ral bis hin zu ih­rer gänz­li­chen Ab­we­sen­heit, die höchs­te Form von Amo­ral. [Sie­he hier­zu auch: Mo­ral und Hy­per­mo­ral (Wi­ki) | Alex­an­der Grau: Lust an der Em­pö­rung: Mo­ra­lis­mus mit to­ta­li­tä­ren Zü­gen (DLF)]

Ei­ne li­be­ra­le De­mo­kra­tie ba­siert auf der Kul­tur (Sit­te, Ge­wohn­heit), Kon­flik­te auf fried­li­chem Weg durch Ver­hand­lung, Kom­pro­miss und In­ter­es­sen­aus­gleich zu lö­sen. Die Vor­aus­set­zung da­zu ist ei­ne ge­lun­ge­ne So­zia­li­sa­ti­on in Lie­be, Re­spekt und Ori­en­tie­rung ins­be­son­de­re von Al­ter 0 bis 12, die Fried­fer­tig­keit, ge­gen­sei­ti­gen Re­spekt und Ach­tung vor je­dem Men­schen als au­to­no­mes Sub­jekt ver­mit­telt. Lässt man die­se Re­gel au­ßer Acht, be­kommt man Pro­ble­me, die mit li­be­ra­len Stil­mit­teln nicht zu be­wäl­ti­gen sind.

Oh­ne Kul­tur und So­zia­li­sa­ti­on ist der Mensch im Roh- bzw. Na­tur­zu­stand, in dem das Recht des Stär­ke­ren gilt. So wie zu Zei­ten von Kain & Abel.

Al­le ver­nunft­be­gün­de­te Tu­gend (Mo­ral) wur­zelt in na­tür­li­chen so­zia­len In­stink­ten und dem an­ge­bo­re­nen Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den zum Zwe­cke ei­nes fai­ren Aus­gleichs von In­ter­es­sen nach Art von Ge­ben & Neh­men und zum ge­gen­sei­ti­gen Nut­zen. Al­le Un­tu­gend be­ruht auf der Ab­sicht, die­se Ba­lan­ce zum ei­ge­nen Vor­teil aus­zu­he­beln.

Iden­ti­tät ist ein Drei­klang aus Na­tur, Kul­tur & Er­fah­rung. Wer ein Ele­ment da­von igno­riert, zer­stört den so­zia­len Frie­den.

Es gibt aufs Ei­gen­in­ter­es­se aus­ge­rich­te­te In­stink­te eben­so wie so­zia­le In­stink­te.

“Mit der In­tel­li­genz ver­hält es sich wie mit dem Geld: Wem es dar­an man­gelt, der re­det dar­über.” 😉

Lie­be ist ei­ne Il­lu­si­on – zu schön, um nicht wahr zu sein.

Lob­by­is­mus ist der Tri­ba­lis­mus der Post­mo­der­ne.

Kein Mensch lebt für ei­nen an­de­ren. Es sei denn, er tut es aus frei ge­wähl­ter Über­zeu­gung oder aus na­tur­ge­ge­be­nem In­stinkt. – Denn spä­tes­tens seit der Auf­klä­rung gilt ein Mensch als ‘un­be­ding­tes’, kei­nen Zwe­cken die­nen­des Sub­jekt und nicht als Ob­jekt für je­man­den oder et­was an­de­res.

Das We­sen des Men­schen ist ein Dreikang von Na­tur, Kul­tur und in­di­vi­du­el­ler Er­fah­rung. Je har­mo­ni­scher er klingt, des­to mehr ist der Mensch mit sich im Rei­nen. Für mensch­li­che Ge­mein­schaf­ten und Ge­sell­schaf­ten gilt das glei­che. (Ei­ne Ent­spre­chung hier­zu gibt es im Chris­ten­tum mit der Drei­fal­tig­keit von ‘Kör­per, See­le & Geist’ bzw. ‘Va­ter, Sohn & hei­li­ger Geist’) »mehr da­zu

Uni­ver­sa­li­tät im Men­schen­recht steht für All­ge­mein­gül­tig­keit. Das heißt, dass Men­schen­rech­te über­all für al­le Men­schen gül­tig sind. Da­mit die ers­te sub­jek­ti­ve Be­deu­tung prak­tisch rea­li­sier­bar ist, muss die zwei­te in­ter­sub­jek­ti­ve Be­deu­tung er­füllt wer­den: Die An­er­ken­nung des Men­schen­rech­tes und des­sen Gel­tung für je­den Men­schen. Da­bei ist je­der Mensch da­zu ver­pflich­tet, die Men­schen­rech­te sei­ner Mit­men­schen zu re­spek­tie­ren. Denn wenn sich je­mand auf die Men­schen­rech­te be­ruft, aber die­se in der Mit­welt nicht an­er­kannt wer­den, ist die Be­ru­fung ei­nes je­den Men­schen auf die­sel­ben Men­schen­rech­te zum Schut­ze sei­ner ele­men­ta­ren In­ter­es­sen, nicht er­füllt wor­den. Des­halb wer­den trag­fä­hi­ge und recht­li­che In­stru­men­te ge­braucht, um die all­ge­mein­gül­ti­ge An­er­ken­nung der Men­schen­rech­te zu ga­ran­tie­ren. (über­nom­men aus dem Ar­ti­kel Men­schen­rech­te, Wi­ki­pe­dia)

Im Ur­teil er­weist sich der Ver­stand, auf der Stra­ße der Mut, in der Wahl­ka­bi­ne die Sou­ve­rä­ni­tät (in­ne­re Frei­heit).

‘Al­le Phi­lo­so­phie be­ginnt mit dem Stau­nen.’ (frei nach Aris­to­to­te­les und Pla­ton)

In der Phi­lo­so­phie geht es nicht dar­um, die Phi­lo­so­phen zu ver­ste­hen, son­dern (mit Hil­fe der Phi­lo­so­phen) die Welt.

In der Po­li­tik wie über­haupt zwi­schen Men­schen, Fa­mi­li­en und Völ­kern geht es im­mer um An­trie­be, In­ter­es­sen und Res­sour­cen. Wenn ein fai­rer In­ter­es­sen­aus­gleich ge­lingt, gibt es Frie­den, wenn er nicht ge­lingt, gibt es Krieg. Po­li­tik ist so­mit die Kunst des Aus­gleichs und der Ba­lan­ce. (In An­leh­nung an Egon Bahr)

Po­li­tik ist ei­ne An­ge­le­gen­heit der auf­ge­klär­ten Ver­nunft. Ge­füh­le sind dem Pri­vat­le­ben vor­be­hal­ten. War­um? Ver­nunft strebt nach Ob­jek­ti­vi­tät, Emo­ti­on nach Sub­jek­ti­vi­tät.

Wer in der Po­li­tik oder im Ge­schäfts­le­ben an Ge­füh­le ap­pel­liert, will be­trü­gen.

Po­li­tik hat die Auf­ga­be, die Ge­sell­schaft ge­mäß den Men­schen zu ge­stal­ten. So­zia­li­sa­ti­on hat die Auf­ga­be, Men­schen ge­mäß der Ge­sell­schaft zu ge­stal­ten. So­zia­li­sa­ti­on er­for­dert eben­so wie In­te­gra­ti­on In­ter­es­se und per­sön­li­ches Be­mü­hen. Denn je­der Mensch kann sich än­dern. Aber kein Mensch kann die Men­schen än­dern.

Klu­ge Po­li­tik er­kennt man dar­an, dass sie ei­ne Ge­sell­schaft be­frie­det und eint. Un­klu­ge Po­li­tik dar­an, dass sie Men­schen ge­gen­ein­an­der auf­bringt und ei­ne Ge­sell­schaft spal­tet.

In der Post­mo­der­ne lebt man sei­ne dunk­len Trie­be nicht mehr im Schlaf­zim­mer aus, son­dern in der Po­li­tik! 😉

Ras­sis­mus – De­fi­ni­ti­on nach Al­bert Mem­mi: „Der Ras­sis­mus ist die ver­all­ge­mei­ner­te und ver­ab­so­lu­tier­te Wer­tung tat­säch­li­cher oder fik­ti­ver Un­ter­schie­de zum Nut­zen des An­klä­gers und zum Scha­den sei­nes Op­fers, mit der sei­ne Pri­vi­le­gi­en oder sei­ne Ag­gres­sio­nen ge­recht­fer­tigt wer­den sol­len.“ (über­nom­men aus dem Ar­ti­kel Ras­sis­mus, Wi­ki­pe­dia).

Doch was ist der Grund für Ras­sis­mus? Ich ge­he da­von aus, dass es da­bei ur­sprüng­lich im­mer um ei­nen Kon­flikt oder ei­ne Ri­va­li­tät um Res­sour­cen geht:

Ras­sis­mus dient der ge­ne­ra­li­sier­ten ideo­lo­gi­schen Ra­tio­na­li­sie­rung, Ver­brä­mung oder Recht­fer­ti­gung von Be­gehr­lich­kei­ten, An­sprü­chen oder Ängs­ten im Kampf um Res­sour­cen. Un­ter­schie­de der Er­schei­nung – und im er­wei­ter­ten Sin­ne des Be­grif­fes auch der Her­kunft, Kul­tur, Re­li­gi­on, Ideo­lo­gie oder des Ge­schlechts etc. – kön­nen da­bei eben­so als Ma­ni­fes­ta­ti­on von An­sprü­chen wie als Vor­wand für An­spü­che fun­gie­ren.

Da­bei muss die­ser Kon­flikt um Res­sour­cen nicht im­mer ak­tu­ell oder re­al vor­han­den sein, son­dern es kann sich auch um die Über­nah­me ver­fes­tig­ter, tra­dier­ter Vor­stel­lun­gen oder Vor­ur­tei­le han­deln, die ge­wis­ser­ma­ßen prä­ven­tiv ein­ge­setzt wer­den.

Auf­lös­bar ist Ras­sis­mus üb­ri­gens durch ein fai­res Ge­ben & Neh­men im All­tag, bei dem je­der die Vor­tei­le der Ko­ope­ra­ti­on mit dem an­de­ren prak­tisch er­fah­ren kann. Das kann man gut im Fuß­ball be­ob­ach­ten. Gibt es kein fai­res, gleich­ge­wich­ti­ges Ge­ben & Neh­men im All­tag und kei­ne Ko­ope­ra­ti­on, von der bei­de Sei­ten pro­fi­tie­ren, wird es schwie­rig.

[Ras­sis­mus stirbt nie aus, da er für ‘agents pro­vo­ca­teurs’ ein zu­ver­läs­si­ges und seit Jahr­tau­sen­den be­währ­tes Mit­tel dar­stellt, Völ­ker eben­so wie un­ter­schied­li­che ge­sell­schaft­li­che Grup­pen nach Be­lie­ben ge­gen­ein­an­der auf­zu­het­zen und aus­zu­spie­len, in­dem sie ei­ner Grup­pe An­sprü­che zu­er­ken­nen und auf die­se Wei­se Be­gehr­lich­kei­ten we­cken und im glei­chen Atem­zug ei­ner an­de­ren Grup­pe Op­fer ab­ver­lan­gen und da­mit Ver­lust­ängs­te er­zeu­gen.] Sie­he auch: ‘Kö­nigs­me­cha­nis­mus’ und ‘Di­vi­de et im­pe­ra’ (tei­le und herr­sche)

Di­rekt­link zur »No­tiz ‘Ras­sis­mus’

Der Rea­list glaubt, was er sieht. Der Idea­list sieht, was er glaubt. (Netz­fund)

Rechts & links sind bei­des wert­vol­le Aus­rich­tun­gen. Rechts (im Sin­ne von kon­ser­va­tiv, das ver­trau­te Be­währ­te [‘Ei­ge­ne’] be­wah­rend) be­deu­tet im Kern, auf Ei­gen­wohl be­dacht zu sein und links (im Sin­ne von pro­gres­siv, das Un­be­kann­te [‘Frem­de’] wohl­wol­lend be­den­kend) be­deu­tet im Kern, auf Fremd­wohl zum Zwe­cke des sys­te­mi­schen Ge­mein­woh­les be­dacht zu sein. Im Grun­de ge­nom­men sind das al­so nur zwei Sei­ten ei­ner Me­dail­le: Wert­schät­zung sei­ner selbst und Wert­schät­zung an­de­rer. Un­ge­fähr halb & halb er­gibt das ge­nau die rich­ti­ge Mi­schung und die ist in je­dem ge­sun­den Men­schen vor­han­den. Kritsch wird es dann, wenn ein Mensch ex­trem wird (‘rechts­ex­trem’ oder ‘links­ex­trem’), al­so nur auf das Ei­gen­wohl oder nur auf das Fremd­wohl be­dacht ist. Bei­des funk­tio­niert nicht. Man soll­te ei­nen Aus­gleich im Sin­ne ei­nes Ge­ben & Neh­men zum Woh­le des or­ga­ni­schen Gan­zen an­stre­ben. [An­mer­kung: Die hier ver­wen­de­te De­fi­ni­ti­on für die ‘po­li­ti­sche Rech­te’ stimmt al­len­falls in Tei­len mit der De­fi­ni­ti­on in Wi­ki­pe­dia über­ein und be­zieht sich, wenn über­haupt, auf die ‘li­be­ra­le Rech­te’. ]

(Rechts vs. Links = Un­gleich­heit vs. Gleich­heit, Ei­gen­wohl vs. Fremd­wohl, kon­ser­va­tiv vs. mo­dern, re­gres­siv vs. pro­gres­siv, tra­di­tio­nell vs. mo­dern [???])

Schuld ist im­mer et­was per­sön­li­ches. Da­zu muss man et­was Bö­ses ge­tan ha­ben oder et­was Gu­tes vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig un­ter­las­sen ha­ben. Mehr gibt es nicht, was Schuld an­be­langt. Die­je­ni­gen, die ih­re Kin­der und En­kel in Schuld­ge­füh­len fes­seln wol­len, statt Ver­ant­wor­tung für Ge­gen­wart und Zu­kunft zu über­neh­men, in­stru­men­ta­li­sie­ren Ge­schich­te und sind da­her die Schul­di­gen an ge­gen­wär­ti­gem und künf­ti­gem Un­recht. 

Wer Schuld über­nimmt für et­was, was er nicht ge­tan hat, macht sich mit­schul­dig, denn er ver­schafft den wah­ren Schul­di­gen ein Ali­bi und ver­hin­dert da­mit, dass schuld­haf­tes Han­deln ab­ge­stellt wer­den kann. (sie­he auch Ar­ti­kel ‘Land­raub’)

Schuld­ge­füh­le, die auf per­sön­li­cher Schuld be­ru­hen, sind ra­tio­nal und ver­lan­gen Süh­ne und tä­ti­ge Reue. Schuld­ge­füh­le, die nicht auf per­sön­li­cher Schuld be­ru­hen, sind ir­ra­tio­nal und er­for­dern Eman­zi­pa­ti­on von Ge­dan­ken und Men­schen, die ei­nem die­se Schuld­ge­füh­le ver­mit­teln oder ein­re­den.

Nie­mand muss Män­ner bzw. Frau­en mö­gen. Aus per­sön­li­cher An­ti­pa­thie oder Ent­täu­schung ein Wert­ur­teil über ein gan­zes Ge­schlecht ab­zu­lei­ten oder ein Ge­schlecht zu ver­un­glimp­fen, ist al­ler­dings klas­si­scher Se­xis­mus. Män­ner sind we­der bes­ser noch schlech­ter als Frau­en – sie sind nur an­ders. | Ach, sie mei­nen nur schwar­ze oder wei­ße Män­ner oder Frau­en? Ok, dann kommt zum Se­xis­mus na­tür­lich auch noch Ras­sis­mus hin­zu! 😉

So­zi­al­hil­fe oder Hartz 4 ist kein Men­schen­recht, son­dern auf dem Prin­zip von Ge­gen­sei­tig­keit be­ru­hen­de in­sti­tu­tio­na­li­sier­te So­li­da­ri­tät in­ner­halb ei­ner Ge­sell­schaft, in der fa­mi­liä­re Bin­dun­gen kei­ne so­zia­le Ab­si­che­rung mehr bie­ten und Selbst­ver­sor­gung nicht mög­lich oder üb­lich ist. Hil­fe für aus­wär­ti­ge Be­dürf­ti­ge ist vor Ort zig mal so ef­fi­zi­ent.

Ein auf­ge­klär­tes Staatswe­sen be­deu­tet nicht, dass al­le al­les ge­mein­sam ma­chen, son­dern es stellt ei­ne ge­mein­sa­me und für al­le ver­bind­li­che Grund­ord­nung dar, die ein fried­li­ches Zu­sam­men­le­ben der Bür­ger im Sin­ne des ka­te­go­ri­schen Im­pe­ra­tiv er­mög­li­chen soll und in der dar­über hin­aus ei­ni­ge ele­men­ta­re Din­ge zum ge­gen­sei­ti­gen Nut­zen der An­ge­hö­ri­gen die­ses Ge­mein­we­sens ge­re­gelt sind. Im Grun­de ist das al­so ein er­wei­ter­ter Mi­ni­mal­kon­sens auf Ba­sis ei­nes fai­ren Ge­ben & Neh­men. Dar­über hin­aus kann je­der tun und las­sen, was er für rich­tig hält. Er darf aber nie­mand an­de­ren zwin­gen, da­bei mit­zu­ma­chen und er muss si­cher­stel­len, dass kein an­de­rer durch sein Tun Nach­tei­le er­lei­det oder Scha­den nimmt.

Die Ba­sis der Auf­klä­rung ist, dass je­der Mensch ein un­be­ding­tes Sub­jekt ist. Das be­deu­tet, dass kein Mensch sub­stan­zi­ell für ei­nen an­de­ren lebt, es sei denn, er ent­schei­det sich aus frei­en Stü­cken da­zu. Wer die­ses frei­heit­li­che Kon­zept ab­lehnt, ei­ni­ge oder al­le Men­schen al­so als Mit­tel für ei­nen über­ge­ord­ne­ten Zweck be­trach­tet, be­für­wor­tet da­mit ei­nen to­ta­li­tä­ren Feu­dal- oder Got­tes­staat.

Je­des Op­fer von Ter­ror & Ge­walt hat das glei­che Mit­ge­fühl und den glei­chen Re­spekt ver­dient. Wer zwi­schen Op­fern Un­ter­schie­de macht (ab­ge­se­hen da­von, ob der ge­schä­dig­te Mensch ei­nem per­sön­lich na­he stand), trägt Mit­schuld an der Ge­walt. – Ei­ne Ge­sell­schaft, die zwi­schen den Op­fern Un­ter­schie­de macht, ein­äu­gig ist, Pro­ble­me leug­net oder ver­tuscht, die of­fe­ne, ehr­li­che und ta­bu­lo­se Aus­ein­an­der­set­zung mit Ge­walt im Kon­text mit Kul­tur, So­zia­li­sa­ti­on, Ideo­lo­gie, Re­li­gi­on o.ä. scheut, den Dis­kurs über struk­tu­rel­le Ur­sa­chen, Grün­de und Mo­ti­ve ver­wei­gert und da­mit Ver­stän­di­gung und Be­frie­dung im Sin­ne ei­nes ge­rech­ten In­ter­es­sen­aus­gleichs und mit dem Ziel ei­nes fai­ren Ge­ben & Neh­men un­mög­lich macht, trägt Mit­schuld an der Ge­walt.

“Auf hu­ma­nis­ti­schem Uni­ver­sa­lis­mus be­ru­hen­de Staa­ten funk­tio­nie­ren nur, wenn sie in der über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit aus Uni­ver­sa­lis­ten oh­ne In­nen­grup­pen­prä­fe­ren­zen be­stehen. – Ge­langt ei­ne kri­ti­sche Mas­se clan­mäs­sig or­ga­ni­sier­ter tri­ba­lis­tischer Par­ti­ku­la­ris­ten ins Sys­tem, wer­den sie die ato­mi­sier­ten In­di­vi­dua­lis­ten letzt­lich (un­ter­drü­cken), auch wenn die­se ins­ge­samt die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit stel­len. – Es kommt hier nicht auf die stra­te­gi­sche Mehr­heit im Ver­gleich der bei­den Ge­samt­po­pu­la­tio­nen an, son­dern auf die tak­ti­sche Kon­fron­ta­ti­ons­mehr­heit. – Bei je­dem kon­kre­ten Kon­flikt trifft ein iso­lier­tes In­di­vi­du­um der Mehr­heits­ge­sell­schaft nicht auf ein In­di­vi­du­um der Ge­gen­sei­te, son­dern in der Es­ka­la­ti­on auf des­sen ge­sam­ten Clan. – Und Uni­ver­sa­lis­ten sind es oh­ne­hin ge­wohnt, Kon­flik­te nicht di­rekt, son­dern in De­le­ga­ti­on über den Recht­staat zu lö­sen. – Wenn die­ser aber in sei­ner Ab­schre­ckungs­wir­kung auf die kul­tu­rel­le Mehr­heit der in die­ser Rechts­tra­di­ti­on auf­ge­wach­se­nen Uni­ver­sa­lis­ten aus­ge­rich­tet ist, und zu­dem ei­nen Mi­no­ri­tä­ten­bo­nus ver­gibt, hat das In­di­vi­du­um der Mehr­heits­ge­sell­schaft zwar theo­re­tisch den Staat im Rü­cken ge­gen die Dro­hung der Clan­ge­walt, de fac­to aber nur ei­nen zahn­lo­sen Papp­ka­me­ra­den.” (Auf Ba­sis des Ge­dan­kens ei­nes fb-Freun­des)

Das Ur­teil ei­nes Ge­rich­tes in ei­ner Straf­sa­che muss 3 Ge­sichts­punk­te be­den­ken: Süh­ne im Sin­ne des Ge­rech­tig­keits­emp­fin­dens, Re­so­zia­li­sie­rung im Sin­ne des auf­ge­klär­ten Hu­ma­nis­mus und Prä­ven­ti­on zum Schutz künf­ti­ger po­ten­zi­el­ler Op­fer.

His­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung be­deu­tet nicht, Schuld und Las­ten der Vor­fah­ren den Kin­dern und En­kel­kin­dern auf­zu­bür­den, son­dern aus der Ge­schich­te zu LER­NEN und Ver­ant­wor­tung für Ge­gen­wart und Zu­kunft zu über­neh­men. Es be­deu­tet da­her nicht, die Krie­ge der Ver­gan­gen­heit fort­zu­führen, son­dern die der Ge­gen­wart zu be­en­den und die der Zu­kunft zu ver­hin­dern.

Ver­ant­wor­tung er­for­dert ra­tio­na­les Den­ken und Han­deln. Das kann lo­gi­scher­wei­se nur ge­gen­warts­be­zo­gen oder zu­kunfts­ge­rich­tet sein. Denn die Ver­gan­gen­heit kön­nen wir nicht än­dern, wir kön­nen nur aus ihr ler­nen und ver­suchen, es künf­tig bes­ser zu ma­chen. Je we­ni­ger ir­ra­tio­na­le Schuld­ge­füh­le wir da­bei mit uns her­um­schlep­pen, de­sto ra­tio­na­ler kön­nen wir han­deln.

Ver­ant­wor­tung trägt ein Mensch für sich und an­de­re. Wer für sich selbst Ver­ant­wor­tung über­nimmt, wird sich auch ein Bud­get Mild­tä­tig­keit ein­rich­ten. Ist das Bud­get er­schöpft, dann ist es Zeit, an sich und die Sei­nen zu den­ken. Wer das nicht tut, geht un­ter, und das nützt ihm selbst nicht und auch de­nen nicht, die ihm ver­trau­en und für die er Ver­ant­wor­tung trägt.

Wer un­ge­fragt das Le­ben an­de­rer Men­schen ver­än­dern will, muss mit sei­nem ei­ge­nen Le­ben mäch­tig un­zu­frie­den sein.

Ge­ra­de weil die Ba­sis po­li­ti­schen Han­delns auf­ge­klär­te Ver­nunft sein soll­te, darf auf­ge­klär­te Ver­nunft die es­sen­zi­el­le Be­deu­tung von Na­tur, Kul­tur und So­zia­li­sa­ti­on nie­mals igno­rie­ren oder gar leug­nen!

Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker: Dem Bür­ger kann es gleich sein, ob ei­ne un­sin­ni­ge Po­li­tik auf­grund ei­ner Ver­schwö­rung be­trie­ben wird oder ob die, die am Drü­cker sind, bloß kei­ne Ah­nung ha­ben. Mög­lich oder denk­bar ist oft bei­des. Und gar nicht so sel­ten trifft bei­des zu. Denn auch in Hin­ter­zim­mern re­giert bis­wei­len Di­let­tan­tis­mus!

Ei­ne ge­mein­sa­me Wahr­heit er­gibt sich nur aus dem ehr­li­chen Dis­kurs, der al­le Ar­gu­men­te be­denkt und al­le Be­dürf­nis­se, In­ter­es­sen, Wün­sche und Wi­der­sprü­che re­spek­tiert und re­flek­tiert!

Aus­führ­li­cher: Ei­ne ge­mein­sa­me Wahr­heit er­gibt sich nur aus der Dia­lek­tik der Wi­der­sprü­che im ehr­li­chen Dis­kurs, der al­le Ar­gu­men­te be­denkt und al­le Be­dürf­nis­se, In­ter­es­sen und Be­gehr­lich­kei­ten re­spek­tiert und re­flek­tiert. Denn nur so kön­nen die Wi­der­sprü­che auf­ge­ho­ben (be­wahrt, auf­ge­löst und in ei­ne neue Qua­li­tät em­por­ge­ho­ben) wer­den!

Ist der Wes­ten an al­lem Schuld? So mo­no­kau­sal ist es kei­nes­wegs. Für die Zu­stän­de in den ar­men Län­dern sind spä­tes­tens seit dem En­de der Ko­lo­ni­al­zeit glo­ba­le wie lo­ka­le po­li­ti­sche, wirt­schaft­li­che, kul­tu­rel­le, ideo­lo­gi­sche, me­dia­le oder re­li­gö­se Eli­ten (mit)verantwortlich und eben­so Sit­ten, Bräu­che und Ge­pflo­gen­hei­ten, al­so Ver­hal­ten, Kul­tur und So­zia­li­sa­ti­on vor Ort. Am we­nigs­ten ver­ant­wort­lich für die Zu­stän­de in den Län­dern der Drit­ten Welt sind die Ot­to Nor­mals in Eu­ro­pa. Auch nicht ihr Kon­sum­ver­hal­ten, wie hier dar­ge­legt wird! Da­her ist es nicht ein­zu­se­hen, dass die Nor­mal­bür­ger ei­nen Haupt­teil der Pro­ble­me schul­tern und da­mit de­nen Pro­fi­te er­mög­li­chen sol­len, die sich mit Krie­gen, Aus­beu­tung, Kor­rup­ti­on oder Mas­sen­mi­gra­ti­on ei­ne gol­de­ne Na­se ver­die­nen. Oder dass die Eu­ro­pä­er den Kopf hin­hal­ten müs­sen für Pro­ble­me, die sich aus dem Fest­hal­ten an ar­chai­schen Bräu­chen (z.B. Po­ly­ga­mie) zur Er­hal­tung von Macht und Pri­vi­le­gi­en er­ge­ben. Wer nicht die wirk­lich Ver­ant­wort­li­chen in die Pflicht nimmt, sorgt da­für, dass die Zu­stän­de so blei­ben, wie sie sind, statt dass die Din­ge sich zum Gu­ten wen­den.


An­mer­kung: Work in pro­gress! Das be­deu­tet, dass im­mer mal wie­der No­ti­zen hin­zu­ge­fügt, ver(schlimm)bessert oder auch ent­fernt wer­den kön­nen. Ich über­neh­me kei­ne Ge­währ da­für, dass ein je­der die­ser Ge­dan­ken im­mer und über­all der Weis­heit letz­ter Schluss ist. Aber die meis­ten sind es na­tür­lich schon, nicht wahr? 😉

Ti­tel­bild: Paul Cé­zan­ne [Pu­blic do­main or Pu­blic do­main], via Wi­ki­me­dia Com­mons, be­ar­bei­tet

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