NRW-Land­tags­wah­len 2017: Kanz­ler­wahl­ver­ein vor­ne, Kraft weg, Schulz- Zug ent­gleist

Frech­heit siegt! 

Das ist schon ein Trep­pen­witz der Ge­schich­te: Die CDU, de­ren Gro­ße Vor­sit­zen­de für die un­be­grenz­te und un­ge­re­gel­te Mas­sen­ein­wan­de­rung kul­tur­frem­der jun­ger Män­ner aus al­ler Welt in die So­zi­al­sys­te­me und da­mit für die ex­plo­die­ren­de Kri­mi­na­li­tät und Ge­walt im öf­fent­li­chen Raum po­li­tisch ver­ant­wort­lich ist, punk­tet im NRW- Land­tags­wahl­kampf scham­los aus­ge­rech­net mit dem The­ma Öf­fent­li­che Si­cher­heit. Die SPD, wel­che die­se Pro­ble­me seit Mo­na­ten so scham­haft wie laut­stark mit viel Wind um so gut wie nichts hin­ter dem The­ma So­zia­le Ge­rech­tig­keit zu ver­ber­gen trach­tet, schei­tert hin­ge­gen. Dar­an sieht man mal wie­der: Frech­heit siegt!

Aber Vor­sicht: Viel­leicht kom­men ja 1/3 der Stim­men für CDU und FDP und 1/4 de­rer für die SPD von po­ten­ti­el­len AfD-Wäh­lern, die sich bis­lang nur noch nicht ge­traut ha­ben? Mal schau­en, wie­viel von die­sem Po­ten­ti­al bis zur Bun­des­tags-Wahl ge­hal­ten bzw. von der Kon­kur­renz ab­ge­wor­ben wer­den kann. Mit Mer­kel an der Spit­ze dürf­te es je­den­falls nicht so ein­fach sein, mit dem The­ma In­ne­re Si­cher­heit zu punk­ten wie La­schet es mit dem auf­recht-wa­cke­ren Wolf­gang Bos­bach an sei­ner Sei­te trick­reich hin­ge­kriegt hat!

Die Sie­ger

Auch wenn der Vor­sprung der CDU un­ter Spit­zen­kan­di­dat Ar­min La­schet von der ers­ten Pro­gno­se bis zum vor­läu­fi­gen amt­li­chen End­ergeb­nis von 4 % auf un­ter 2 % schrumpf­te und ihr Er­folg von da­her lan­ge nicht so tri­um­phal ist, wie zu­nächst kol­por­tiert, so ist die NRW-Ab­tei­lung des Kanz­ler­wahl­ver­eins den­noch am En­de des Ta­ges als eben­so knap­per wie kla­rer Sie­ger aus den Land­tags­wah­len von Nord­rhein-West­fa­len her­vor­ge­gan­gen. La­schet ist so gut wie si­cher der kom­men­de Mi­nis­ter­prä­si­dent von NRW. Kanz­le­rin Mer­kel dürf­te zu­frie­den sein, auch wenn Wil­ly Wim­mer auf­grund er­star­ken­der CDU-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten das En­de des ‘Sys­tem Mer­kel’ ein­ge­läu­tet sieht.

Ge­win­ner ist aber zu­min­dest eben­so die FDP, die aus dem Dorn­rös­chen­schlaf er­wacht scheint und nun so­gar gu­te Chan­cen auf ei­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung in NRW hat. Ob die­se Re­nais­sance auf Sub­stanz be­ruht oder mehr der Gunst der Stun­de und ge­wis­sen Ver­le­gen­hei­ten ge­schul­det ist, bleibt ab­zu­war­ten bzw. liegt na­tür­lich auch in der Hand der Ver­ant­wort­li­chen. De­ren Vor­gän­ger lie­ßen sich in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit al­ler­dings eher sel­ten da­zu hin­rei­ßen, das zu hal­ten, was Über­ra­schunscoups ver­spra­chen oder die Un­päss­lich­keit an­de­rer ih­nen er­mög­lich­te. In je­dem Fal­le muss man aber ein­räu­men, dass Chris­ti­an Lind­ner die Vor­la­ge, die ihm vom - seit dem Ab­gang von Rai­ner Brü­der­le, ver­steht sich 😉 - wohl au­then­tischs­ten FDP-Ur­ge­stein und Nord­licht Wolf­gang Ku­bicki aus Schles­wig-Hol­stein auf dem Sil­ber­ta­blett ser­viert wur­de, sou­ve­rän ein­ge­netzt hat. Und mit lan­gen schö­nen Frau­en­bei­nen bis hin zu Drei­ta­ge­bär­ten ist die FDP je­den­falls op­tisch schon mal breit auf­ge­stellt.

Hoff­nung aufs Rück­spiel

Mi­xed emo­ti­ons mit ei­ni­gen lan­gen Schat­ten, aber auch ein biss­chen Licht am En­de des Tun­nels bei der AfD. Das Wil­dern der CDU an Ide­en und Kon­zep­ten und ei­ne er­star­ken­de FDP blie­ben nicht oh­ne Fol­gen. Hin­zu kom­men po­li­ti­sche und me­dia­le Aus­gren­zung und Ver­un­glimp­fung auf der ei­nen und haus­ge­mach­te Pro­ble­me und Zwis­tig­kei­ten auf der an­de­ren Sei­te, die letzt­lich zu ei­nem Er­geb­nis am un­te­ren Rand der Er­war­tun­gen und Mög­lich­kei­ten führ­ten. Nach den Tiefst­stän­den im Saar­land und in Schles­wig-Hol­stein ge­lang Mar­cus Pret­zell aber im­mer­hin ei­ne Kon­so­li­die­rung und er zeig­te da­mit, dass sich die Par­tei viel­leicht ja doch nicht so leicht un­ter­krie­gen lässt.

Das am En­de un­be­frie­di­gen­de Er­geb­nis der Lin­ken soll­te we­der un­ter- noch über­schätzt wer­den. Die Lin­ke hat mit fast 5 % der Stim­men im­mer­hin bei­na­he ei­ne Ver­dopp­lung ih­res Er­geb­nis­ses von vor 5 Jah­ren er­zielt und da­mit bes­ser ab­ge­schnit­ten, als es in der er­geb­nis­ori­en­tier­ten po­li­ti­schen und me­dia­len Öf­fent­lich­keit wahr­ge­nom­men wird. Die Ge­nos­sen wer­den und müs­sen aber wohl wei­ter­hin rät­seln, ob das nun ein gu­tes oder schlech­tes Er­geb­nis ist und ob es trotz oder we­gen Sah­ra Wa­gen­knecht er­zielt wur­de. Hän­ge­par­ti­en sind we­der ein Ga­rant für Er­folg noch für Miss­er­folg, wie die Bei­spie­le CDU auf der ei­nen und SPD auf der an­de­ren Sei­te zei­gen. Ob es aber auch mit der Lin­ken auf Dau­er so wei­ter­ge­hen kann und soll­te, muss man be­zwei­feln.

Die Ver­lie­rer

Die Grü­nen ha­ben bei ma­xi­ma­lem Ein­satz im­mer­hin noch mehr be­kom­men, als sie ei­gent­lich mit ih­rer de­sas­trö­sen Bi­lanz in Bun­des- und Lan­des- Po­li­tik ver­die­nen, lie­gen aber wei­ter­hin am Bo­den und sind an­ge­zählt. Es ist frag­lich, ob sie sich wei­ter­hin als Ex­per­ten für Ge­sin­nungs­ethik und Par­tei für ge­wis­se Stun­den, The­men und Ge­le­gen­hei­ten, aber oh­ne ei­ne ver­ant­wor­tungs­ethi­sche in­halt­li­che Auf­stel­lung über das ge­sam­te po­li­ti­sche Spek­trum hin­weg wer­den be­haup­ten kön­nen. Ein Bo­ris Pal­mer in Tü­bin­gen macht noch lan­ge kei­nen Som­mer und Win­fried Kret­sch­mann star­tet so­wie­so au­ßer Kon­kur­renz.

Das Dra­ma die­ser Wahl fand bei der SPD statt: Auf dem Platz ver­lo­ren, der Hoff­nungs­trä­ger schwer an­ge­schla­gen und die Leis­tungs­trä­ger oh­ne Form und Pro­fil, müs­sen sie in die ent­schei­den­den Pha­se der Sai­son ge­hen. Die vom un­sanf­ten Zu­sam­men­prall der Wirk­lich­keit mit den An­for­de­run­gen ih­res Am­tes of­fen­kun­dig über­for­der­te und fol­ge­rich­tig ab­ge­wähl­te Han­ne­lo­re Kraft ver­kün­de­te schon Mi­nu­ten nach dem Schlie­ßen der Wahl­lo­ka­le und der ers­ten Pro­gno­se tap­fer ih­ren Rück­tritt von al­len Par­tei­äm­tern. Den KuK Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz, bei dem zwar 100% SPD drauf­steht, aber bei wei­tem nicht so­viel drin­nen ist, dürf­te es zur glei­chen Zeit eben­falls tüch­tig durch­ge­schüt­telt ha­ben. Schwer vor­stell­bar, dass sich der Mann mit ge­wis­sen Ei­gen­schaf­ten, aber oh­ne Pro­gramm bis zum Sep­tem­ber noch­mal be­rap­peln kann. Ein Wahl­kampf nach der De­vi­se ‘Mut­ti macht das schon’ ist eben ein Ho­sen­an­zug nach Maß und nicht auf je­der­mann über­trag­bar. Und die SPD trotz viel­ver­spre­chen­der An­sät­ze zu Be­ginn des Jah­res noch im­mer mehr Orts- als Wahl­ver­ein. Den­noch ist von der SPD vor der Wahl we­der ei­ne po­li­tisch-pro­gram­ma­ti­sche noch ei­ne per­so­nel­le Um­ori­en­tie­rung auf die An­for­de­run­gen der Zeit zu er­war­ten. So wer­den die no­mi­nel­len Volks­par­tei­en wohl je­de für sich ih­rem Scher­ben­hau­fen ent­ge­gen mar­schie­ren.

Die Pi­ra­ten wur­den al­lem An­schein nach schon vor lan­ger Zeit von der po­lit­schen Va­ri­an­te des Wan­na­Cry-Vi­rus der­ma­ßen ver­schlüs­selt, dass sie bis heu­te ver­geb­lich den Al­gorhyth­mus su­chen. Viel­leicht statt auf dem Ser­ver ein­fach mal un­ter der Fuß­mat­te gu­cken? Zu spät: Mit so­viel Ge­tö­se sie ge­kom­men sind, so ge­räusch­los ver­schwan­den sie nun wohl für al­le Zeit von der po­li­ti­schen Büh­ne

Nach­trag

So wie auf die­ser Gra­phik sieht die letz­te Hoch­rech­nung der Land­tags-Wah­len in Nord­rhein-West­fa­len un­ter Ein­be­zie­hung der Nicht­wäh­ler aus. Hät­te nur die Hälf­te der Nicht­wäh­ler für ei­ne ech­te Op­po­si­ti­ons­par­tei ge­stimmt, so hät­ten wir schon mor­gen ei­nen Po­li­tik­wech­sel im Land, weil sich dann kei­ne Par­tei mehr hät­te vor­bei­mo­geln kön­nen an dem, was die Men­schen be­wegt.

Link:
Wahl in Nord­rhein-West­fa­len (ta­ges­schau)
Sys­tem Mer­kel zu En­de ge­gan­gen
(?) (WE)
War­um ich die AfD wäh­len wer­de (PP)
War­um Mi­gran­ten die AfD wäh­len (Op­po­si­ti­on 24)
Kanz­le­rin Mer­kels stil­ler Tri­umph (NZZ)
Was das NRW-Er­geb­nis für die AfD be­deu­tet (TS)
War­um die SPD sich nicht be­rap­peln wird (Ti­chys)

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