Ob Wirt­schaft, Kli­ma, Mi­gra­ti­on: Viel Pa­thos, we­nig In­halt! Von der Ley­ens Re­de zur La­ge der EU

ARD- Kom­men­tar zu Ur­su­la von der Ley­ens ers­ter Re­de zur La­ge der Eu­ro­päi­schen Uni­on.

[Mit­schrift] ei­nes recht gu­ten Kom­men­tars von Tho­mas Berb­ner in den ARD Ta­ges­the­men am 16.09.2020 zur Re­de der EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en. Es ge­sche­hen eben doch noch Zei­chen & Wun­der! Hier der Text:

«Wenn es noch ei­nes Be­wei­ses be­durf­te, wie weit die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on mitt­ler­wei­le von den rea­len Pro­ble­men ih­rer Bür­ger ent­fernt ist, hat Ur­su­la von der Ley­en den heu­te er­bracht. Viel Pa­thos, we­nig In­halt, ganz nach dem Mot­to: Al­les wird gut, wir müs­sen es nur ganz doll wol­len.

Kom­men­tar Tho­mas Berb­ner am 16.09.2020 in den ARD Ta­ges­the­men [Er­satz­link]

Den Zu­stand der eu­ro­päi­schen Wirt­schaft kann man nicht schön re­den, in­dem man die Zu­kunft ein­fach in leuch­tend grü­nen Far­ben malt. Auf die ak­tu­el­len Pro­ble­me in der eu­ro­päi­schen In­dus­trie jetzt noch ver­schärf­te Kli­ma­zie­le drauf­zu­pa­cken, wird tau­sen­de von Ar­beits­plät­zen kos­ten und das über vie­le Jah­re. Das hät­te Ur­su­la von der Ley­en durch­aus auch an­spre­chen kön­nen.

Auch beim The­ma der un­ge­steu­er­ten Zu­wan­de­rung nur alt­be­kann­te Text­bau­stei­ne. Schleu­ser be­kämp­fen, schnel­le Rück­füh­rung von ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­bern – dar­über re­den wir seit Jah­ren oh­ne greif­ba­res Er­geb­nis. Was brin­gen da jetzt er­neu­te mo­ra­li­sche Ap­pel­le an die Mit­glieds­staa­ten aus Brüs­sel und auch aus Ber­lin?

Auch wenn An­ge­la Mer­kel das of­fen­bar kri­tisch sieht: Ös­ter­reichs Bun­des­kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz hat Recht, wenn er in der ak­tu­el­len Fra­ge der Auf­nah­me von Flücht­lin­gen auf die bis­he­ri­gen An­stren­gun­gen sei­nes Lan­des ver­weist und sich nach dem Wil­len der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung rich­tet. Da­mit steht er in Eu­ro­pa bei­lei­be nicht al­lei­ne.

Christ­li­che Nächs­ten­lie­be und mo­ra­li­sche In­te­gri­tät sind wich­tig – aber sie er­set­zen kein funk­tio­nie­ren­des Asyl­recht. Eu­ro­pa muss es end­lich schaf­fen, ein kla­res Asyl­sys­tem auf­zu­bau­en und des­sen Miss­brauch kon­se­quent zu be­kämp­fen. Das be­deu­tet in letz­ter Kon­se­quenz, dass Eu­ro­pa nicht al­le Men­schen auf­neh­men kann, die aus wirt­schaft­li­chen Grün­den zu uns komm­men wol­len, auch wenn uns vie­le Ein­zel­schick­sa­le tief be­rüh­ren.

Die­ses Di­lem­ma in ei­ner Re­de zur La­ge der eu­ro­päi­schen Uni­on klar zu be­nen­nen, wä­re of­fen und ehr­lich. Dem Ver­trau­en in die eu­ro­päi­schen In­sti­tu­tio­nen wä­re da­mit mehr ge­dient als mit Sonn­tags­re­den.»

Text: Tho­mas Berb­ner (ARD)

Links:

EU-Co­ro­na-Gip­fel­stür­mer: Mer­kel & ihr treu­er Mi­chel ret­ten Eu­ro­pa!

Maas: Kon­junk­tur­pro­gramm für Schleu­ser?

Vi­deo auch pu­bli­ziert von (Phi­lo­so­phia Pe­ren­nis)

Ti­tel­bild: Eu­ro­pean Par­lia­ment from EU / CC BY

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