Rechts-Links Dia­lek­tik – Kurz­ver­si­on

Rechts wird in die­sen Ta­gen als bö­se dar­ge­stellt, links als gut. Da­bei bil­den rechts und links ei­ne sinn­vol­le und not­wen­di­ge Dia­lek­tik, um die rich­ti­ge Ba­lan­ce zwi­schen Ei­gen­wohl und Ge­mein­wohl / Fremd­wohl und dem Re­spekt vor dem Ei­ge­nen und dem Ge­mein­schaft­li­chen / Frem­den zu wah­ren.

Die Dif­fa­mie­rung und Ta­bui­sie­rung der Sor­ge ums Ei­gen­wohl hat ei­nen Grund: Wer sich nicht mehr traut, sei­ne ei­ge­nen In­ter­es­sen zu ver­tre­ten, kann sie auch nicht zur Gel­tung brin­gen. Die ei­ge­nen In­ter­es­sen spie­len dann im ge­sell­schaft­li­chen Dis­kurs kei­ne Rol­le mehr. Kurz­fris­tig pro­fi­tie­ren die­je­ni­gen da­von, de­ren In­ter­es­sen oder Pri­vi­le­gi­en in den be­stehen­den Struk­tu­ren be­reits ver­an­kert sind, wie et­wa Ab­ge­ord­ne­te und hö­he­re Be­amt, die­je­ni­gen, die ver­mö­gend oder gut ver­netzt sind oder die­je­ni­gen, die es am ge­schick­tes­ten ver­ste­hen, ih­re In­ter­es­sen in­di­rekt über Um­we­ge ein­zu­brin­gen, in­dem sie sie hin­ter ‘ed­len Zie­len’ ver­ber­gen, wie es in­zwi­schen bei et­li­chen In­sti­tu­tio­nen und NGOs der Fall ist, bei de­nen di­rekt oder in­di­rekt gu­tes Geld ver­dient und Kar­rie­re ge­macht wer­den kann, wenn man die rich­ti­gen Ver­bin­dun­gen oder Spon­so­ren hat.

Lang­fris­tig aber pro­fi­tiert nie­mand da­von, denn das Feh­len ei­nes of­fe­nen und fai­ren Dis­kur­ses und ei­nes ge­rech­ten Aus­gleichs von In­ter­es­sen zer­stört den ge­sell­schaft­li­chen Frie­den und Zu­sam­men­halt.

Ex- Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck bei Lanz zum The­ma rechts & links (20.06.2019, gan­ze Sen­dung)

‘Wenn das Geld im Kas­ten klingt, die See­le aus dem Feu­er springt.’

Der Klas­si­ker in punk­to ‘Ver­ber­gen ei­ge­ner Ab­sich­ten hin­ter ed­len Zie­len’ sind die Ab­lass­brie­fe der Kir­che zu Zei­ten Lu­thers, die Für­bit­te und See­len­heil ge­gen Geld ver­spra­chen: ‘Wenn das Geld im Kas­ten klingt, die See­le aus dem Feu­er springt.’ Mit der­lei Me­tho­den hat es die Kir­che un­ter dem Deck­man­tel von Barm­her­zig­keit, Nächs­ten­lie­be und Al­tru­is­mus zu ei­nem der größ­ten Ver­mö­gen über­haupt ge­bracht. Da­bei sind Barm­her­zig­keit, Nächs­ten­lie­be und Al­tru­is­mus al­les an­de­re als ver­werf­lich – es sei denn, sie wer­den als Mit­tel zum Zweck in­stru­men­ta­li­siert.

Schein­hei­li­ge Schwe­den?

Das Prin­zip funk­tio­niert auch in mo­der­nen Zei­ten. Man prü­fe stets, wel­che In­ter­es­sen, Mo­ti­ve und Re­sul­ta­te hin­ter dem Ein­tre­ten für ‘ed­le Zie­le’ ste­cken und be­wer­te sie vor die­sem Hin­ter­grund. Da­bei kommt es nicht nur auf die Zie­le selbst an, son­dern auch auf Mit­tel, Maß und Me­tho­den, mit de­nen sie ver­tre­ten wer­den. Und nicht zu­letzt, wer die Las­ten und Kos­ten trägt und wer Pro­fi­te oder Ruhm ern­tet. Be­son­de­re Vor­sicht ist bei Ge­sin­nungs­ethi­kern ge­bo­ten, de­ren Mild­tä­tig­keit und Barm­her­zig­keit weit­ge­hend oder gar aus­schließ­lich aus from­men Sprü­chen, gu­ten Rat­schlä­gen oder Ap­pel­len an die All­ge­mein­heit oder an Drit­te be­steht, ih­nen selbst aber kei­ne oder nur ge­rin­ge ei­ge­ne Op­fer ab­ver­langt.

Im evo­lu­tio­nä­ren Prin­zip des Le­bens geht es im­mer um das Er­lan­gen von Res­sour­cen für sich selbst (Ei­gen­wohl = rechts), bei ei­nem so­zia­len We­sen (Hor­den­we­sen) wie dem Men­schen aber auch um So­li­da­ri­tät, Ko­ope­ra­ti­on und ‘Ge­ben & Neh­men’ und da­mit um Res­sour­cen für an­de­re bzw. die All­ge­mein­heit (Ge­mein­wohl = links). Erst bei­des zu­sam­men im rech­ten Maß er­gibt die rich­ti­ge Mi­schung (Syn­the­se & Syn­er­gi­en) für ei­ne er­folg­rei­che und blü­hen­de Ge­sell­schaft und ein fried­li­ches und ge­deih­li­ches Mit­ein­an­der.

Pe­ter Hah­ne im In­ter­view beim MDR (16.04.2018): ‘Ich sa­ge doch ein­fach nur, was ei­gent­lich der ge­sun­de Men­schen­ver­stand ei­nem sa­gen müss­te. Und wenn das heut­zu­ta­ge AfD und Pe­gi­da ist, dann ist es mit un­se­rem Land weit ge­kom­men.’ (»Gan­ze Sen­dung)

P.S.: Die Ab­leh­nung von Rechts- und Links- Ex­tre­mis­mus, Ge­walt und Ter­ror soll­te für je­den, dem ernst­haft et­was an ei­nem of­fe­nen und fai­ren Dis­kurs und an ei­nem ge­rech­ten ge­sell­schaft­li­chen In­ter­es­sen­aus­gleich liegt, selbst­ver­ständ­lich sein.

Links:

Gauck wirbt für „er­wei­ter­te To­le­ranz in Rich­tung rechts“ (Ta­ges­spie­gel)
Gauck stößt mit For­de­rung nach “To­le­ranz…” auf Kri­tik (Welt)

Gauck ver­tei­digt For­de­rung nach To­le­ranz…: ‘Die teil­wei­se hef­ti­gen Re­ak­tio­nen auf die­se For­de­rung zei­gen mir, dass es ei­ni­gen gar nicht um De­bat­ten geht, son­dern ein­fach um die Si­che­rung al­ter Denk­wei­sen und Mi­lieu­si­cher­hei­ten’ (Gauck, Welt)

‘Selbst­ver­ständ­lich­keit’: Kret­sch­mer stellt sich hin­ter Gauck: ‘Rechts­ex­trem oder Links­ex­trem – das sind die Po­si­tio­nen, wo der Staats­an­walt kommt, wo wir mit al­ler Här­te des Ge­set­zes auch da­ge­gen vor­ge­hen müs­sen. Und da­zwi­schen muss je­de Dis­kus­si­on und Aus­ein­an­der­set­zung mög­lich sein.’ (MDR)

Links & Rechts

Ti­tel­bild: Al­bert An­ker [Pu­blic do­main], via Wi­ki­me­dia Com­mons

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