Staat, Volk, Kanz­ler

Was ist ein Staat? 

“Im Staats­recht exis­tiert kei­ne all­ge­mein gül­ti­ge De­fi­ni­ti­on des Be­griffs Staat. Ge­org Jel­li­nek hat in sei­ner rechts­wis­sen­schaft­li­chen De­fi­ni­ti­on den Staat als „die mit ur­sprüng­li­cher Herr­schafts­macht aus­ge­rüs­te­te Kör­per­schaft ei­nes sess­haf­ten Vol­kes (Ge­biets­kör­per­schaft)“ um­schrie­ben. Die De­fi­ni­ti­on von Jel­li­nek be­grün­det die staat­li­chen Merk­ma­le in drei Ele­men­ten:

  • ein Staats­ge­biet,
  • ein Staats­volk,
  • ei­ne Staats­ge­walt.

Liegt ei­nes die­ser Merk­ma­le nicht vor, so wird nach herr­schen­der Leh­re (u. a. im deut­schen Rechts­kreis die All­ge­mei­ne Staats­leh­re) nicht von ei­nem Staat ge­spro­chen.” (Drei-Ele­men­te-Leh­re, Wi­ki­pe­dia)

Hel­mut Schmidt, deut­scher Bun­des­kanz­ler 1974 – 1982: ‘Zu­wan­de­rung aus frem­den Zi­vi­li­sa­tio­nen schafft mehr Pro­ble­me, als es uns auf dem Ar­beits­markt an po­si­ti­ven Fak­to­ren brin­gen kann. Zu­wan­de­rung aus ver­wand­ten Zi­vi­li­sa­tio­nen, z.B. aus Po­len, ist pro­blem­los, z.B. aus Tsche­chi­en ist pro­blem­los,  z.B. aus Ös­ter­reich ist pro­blem­los, aus Ita­li­en ist pro­blem­los.’ (2:40 min)

Staats­zweck: Si­cher­heit & Co.

Der Staat als Re­pu­blik (‘res pu­bli­ca’ = öf­fent­li­che Sa­che) ist Ge­mein­schafts­ei­gen­tum der Staats­bü­ger, er ge­hört dem Volk. Po­li­ti­ker sind da­her Be­auf­trag­te der Bür­ger, ‘vor­neh­me Die­ner’ des Staa­tes. Ih­re Auf­ga­be be­steht in der Lei­tung und Len­kung des Staa­tes im Sin­ne und In­ter­es­se der Ge­samt­heit der Staats­bür­ger, nicht im De­fi­nie­ren und Ver­fol­gen von in klei­nem Krei­se in Hin­ter­zim­mern er­son­ne­nen Pro­jek­ten und ge­fass­ten Be­schlüs­sen.

In­ne­re und äu­ße­re Si­cher­heit für Bür­ger und Staats­we­sen ist die ers­te und vor­nehms­te Pflicht ei­nes Staa­tes, zu die­sem Zwe­cke wer­den Staa­ten über­haupt ge­grün­det. Das sind Ba­sics, oh­ne die es nicht geht. Ein Po­li­ti­ker, der das nicht er­kennt und sei­ne Po­li­tik nicht dar­an aus­rich­tet, lei­det an Rea­li­täts­ver­lust oder Grö­ßen­wahn.

Zu die­sem Kom­plex der Si­cher­heit ge­hört nach der 3- Ele­men­te- Staats- Leh­re (s.o.) die Ho­heit über das Staats­ge­biet, Schutz & Er­halt des Staats­vol­kes und die Durch­set­zung der Rechts­ord­nung (die im Ge­gen­satz zum Na­tur- ‘Recht des Stär­ke­ren’ gel­ten soll) durch die Staats­ge­walt, der zu die­sem Zwe­cke das ‘frei­heits­si­chern­de’ ‘staat­li­che Ge­walt­mo­no­pol’ ob­liegt. Die­se Grund­prin­zi­pi­en wur­den in der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur erst­mals in der Ge­schich­te der BRD grund­sätz­lich in Fra­ge ge­stellt durch die 3 Man­tras der Kanz­le­rin:

  1. Deutsch­land kann sei­ne Gren­zen nicht schüt­zen.
  2. Wir ha­ben kei­nen Ein­fluss dar­auf, (wer und) wie­vie­le kom­men.
  3. Das Asyl­recht kennt kei­ne Ober­gren­ze. (»ex­ak­te Zi­ta­te)

Die­se drei Aus­sa­gen be­deu­ten nichts an­de­res als die Auf­ga­be von zu­min­dest den ers­ten bei­den Ele­men­ten ei­nes Staa­tes im Sin­ne der 3- Ele­men­te- Leh­re (s.o.). Fak­tisch steht an­ge­sichts der ab­neh­men­den Si­cher­heit im Öf­fent­li­chen Raum [2] so­wie et­li­cher mer­kel­wür­di­ger Ge­richts­ent­schei­dun­gen [2] auch das 3. Ele­ment der Staats­leh­re zur Dis­po­si­ti­on.

Im Aus­land wur­de Deutsch­land für die­se Po­li­tik zu­recht als Hip­pie- Staat be­zeich­net. Das OLG Ko­blenz spricht in die­sem Zu­sam­men­hang von ei­ner ‘Au­ßer-Kraft-Set­zung’ der rechts­staat­li­chen Od­nung:

„Die rechts­staat­li­che Ord­nung in der Bun­des­re­pu­blik ist in die­sem Be­reich je­doch seit rund ein­ein­halb Jah­ren au­ßer Kraft ge­setzt und die il­le­ga­le Ein­rei­se ins Bun­des­ge­biet wird mo­men­tan de fac­to nicht mehr straf­recht­lich ver­folgt.“ (OLG Ko­blenz, 14.02.2017,  sie­he auch Ach­gut)

Staats­recht­ler Ru­pert Scholz schlägt Grund­ge­setz­än­de­rung beim Asyl­recht vor

Der Staats­zweck der Schweiz “wird in Art. 2 der re­vi­dier­ten Bun­des­ver­fas­sung der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft vom 18. April 1999 wie folgt fest­ge­legt:

  1. Die Schwei­ze­ri­sche Eid­ge­nos­sen­schaft schützt die Frei­heit und die Rech­te des Vol­kes und wahrt die Un­ab­hän­gig­keit und die Si­cher­heit des Lan­des.
  2.  Sie för­dert die ge­mein­sa­me Wohl­fahrt, die nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung, den in­ne­ren Zu­sam­men­halt und die kul­tu­rel­le Viel­falt des Lan­des.
  3. Sie sorgt für ei­ne mög­lichst gros­se Chan­cen­gleich­heit un­ter den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern.
  4. Sie setzt sich ein für die dau­er­haf­te Er­hal­tung der na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen und für ei­ne fried­li­che und ge­rech­te in­ter­na­tio­na­le Ord­nung.

Die Ver­fas­sun­gen der 26 Kan­to­ne wei­sen zum Teil wei­te­re Staats­zie­le auf. In Art. 6 der Ver­fas­sung des Kan­tons Zü­rich heißt es et­wa:

  1. Kan­ton und Ge­mein­den sor­gen für die Er­hal­tung der Le­bens­grund­la­gen.
  2. In Ver­ant­wor­tung für die kom­men­den Ge­ne­ra­tio­nen sind sie ei­ner öko­lo­gisch, wirt­schaft­lich und so­zi­al nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung ver­pflich­tet.” (Staats­zweck Schweiz, Wi­ki­pe­dia)

Se­bas­ti­an Kurz, ös­ter­rei­chi­scher Bun­des­kanz­ler seit 2017: ‘Die Eu­ro­päi­sche Uni­on ist, mit Ver­laub, mehr als nur Mer­kel und Ma­cron. Die un­be­schränk­te Auf­nah­me nach Mit­tel­eu­ro­pa funk­tio­niert nicht und auch die stän­di­ge Dis­kus­si­on über die Quo­ten in der EU hat uns nicht wei­ter­ge­bracht. Wir sind ein Brü­cken­bau­er im Zen­trum der EU.’ (2:38 min)

Staats­zie­le

Wäh­rend der oder die Staatszweck(e) die ‘grund­le­gen­den Ba­sics’ ei­nes Staa­tes be­tref­fen, um­rei­ßen Staats­zie­le (auch) Per­spek­ti­ven zur Ab­si­che­rung, Aus­ge­stal­tung und Fort­ent­wick­lung ei­nes Ge­mein­we­sens. Die Staats­zie­le der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wer­den im Grund­ge­setz un­ter Ar­ti­kel 20 und Ar­ti­kel 20.a de­fi­niert:

Grund­ge­setz, Ar­ti­kel 20

(1) Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist ein de­mo­kra­ti­scher und so­zia­ler Bun­des­staat.
(2) Al­le Staats­ge­walt geht vom Vol­ke aus. Sie wird vom Vol­ke in Wah­len und Ab­stim­mun­gen und durch be­son­de­re Or­ga­ne der Ge­setz­ge­bung, der voll­zie­hen­den Ge­walt und der Recht­spre­chung aus­ge­übt.
(3) Die Ge­setz­ge­bung ist an die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung, die voll­zie­hen­de Ge­walt und die Recht­spre­chung sind an Ge­setz und Recht ge­bun­den.
(4) Ge­gen je­den, der es un­ter­nimmt, die­se Ord­nung zu be­sei­ti­gen, ha­ben al­le Deut­schen das Recht zum Wi­der­stand, wenn an­de­re Ab­hil­fe nicht mög­lich ist. (GG, Art. 20, Wi­ki­pe­dia)

Ar­ti­kel 20a

Der Staat schützt auch in Ver­ant­wor­tung für die künf­ti­gen Ge­ne­ra­tio­nen die na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen und die Tie­re im Rah­men der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung durch die Ge­setz­ge­bung und nach Maß­ga­be von Ge­setz und Recht durch die voll­zie­hen­de Ge­walt und die Recht­spre­chung. (Grund­ge­setz)

Wil­ly Brandt, deut­scher Bun­des­kanz­ler 1969 -1974: zum An­wer­be­stopp für aus­län­di­sche Ar­beit­neh­mer wäh­rend der Öl­kri­se 1973: ”… wir müs­sen in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on na­tür­lich zu­erst an un­se­re ei­ge­nen Lands­leu­te den­ken.’ (0:26 min)

Staats­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung und Mi­gra­ti­on

Grund­la­ge ei­nes je­den re­pu­bli­ka­ni­schen Ge­mein­we­sens ist die prin­zi­pi­el­le Be­reit­schaft zu So­li­da­ri­tät im Rah­men ei­nes we­chel­sei­ti­gen Ge­ben & Neh­men und dem dar­aus re­sul­tie­ren­den ‘Ge­mein­schafts­ge­fühl’. Die Ba­sis die­ses Ge­mein­schafts­ge­fühls wird durch glei­che Rech­te, ge­gen­sei­ti­ge Ak­zep­tanz, ge­mein­sa­me Grund­über­zeu­gun­gen in Fra­gen des Mit­ein­an­ders und ei­ne So­zia­li­sa­ti­on ge­legt, die in die­sem Geis­te er­folgt. Nicht die eth­ni­sche Her­kunft ist al­so ent­schei­dend für das Ge­lin­gen ei­nes Ge­mein­we­sens, sehr wohl aber Iden­ti­fi­ka­ti­on, So­zia­li­sa­ti­on und so­zio-kul­tu­rel­le Prä­gung im Hin­blick auf die Über­ein­stim­mung bei grund­le­gen­den Fra­gen des Zu­sam­men­le­bens.

“Un­ter Staats­volk ver­steht man üb­li­cher­wei­se die Sum­me der Staats­an­ge­hö­ri­gen, die zu ih­rem Staat in ei­nem recht­li­chen Ver­hält­nis ste­hen, und der ih­nen mög­li­cher­wei­se staats­recht­lich prin­zi­pi­ell gleich­ge­stell­ten Per­so­nen. Ge­meint ist da­mit aber kein Volk im ei­gent­li­chen eth­ni­schen Sin­ne oder Teil ei­nes Vol­kes, der in ei­nem Staat lebt (Volks­grup­pe); ge­meint sind viel­mehr Men­schen mit ge­mein­sa­mer Staats­bür­ger­schaft, al­so Bür­ger ei­nes Staa­tes (Staats­bür­ger), un­ab­hän­gig von der Na­tio­na­li­tät (Eth­nie, Her­kunft) des ein­zel­nen Bür­gers.

Als Ge­sell­schaft tritt für die Staats­an­ge­hö­ri­gen zu der re­gel­mä­ßi­gen Un­ter­wor­fen­heit un­ter die Staats­ge­walt (je­den­falls bei Auf­ent­halt im In­land) ei­ne be­son­de­re per­so­na­le Be­zie­hung zum Staat hin­zu: Staats­an­ge­hö­rig­keit ist ein Sta­tus, der wech­sel­sei­ti­ge Rech­te (je­den­falls in De­mo­kra­ti­en) und Pflich­ten für Staats­an­ge­hö­ri­ge be­grün­det.” (Volk, Wi­ki­pe­dia)

Ge­lin­gen­de Zu­wan­de­rung setzt da­her die Be­reit­schaft eben­so wie die Fä­hig­keit vor­aus, pro­duk­tiv zum Ge­mein­we­sen bei­zu­tra­gen. Denn es zer­stört den Zu­sam­men­halt ei­ner Ge­mein­schaft, wenn be­stimm­te ge­sell­schaft­li­che Grup­pen nur ge­ben und an­de­re nur neh­men. Zu­min­dest im Par­tei­pro­gramm der CDU ist die­se For­de­rung bis heu­te ent­hal­ten. Ich ge­he da­von aus, dass ein sol­cher Pas­sus auch in den Pro­gam­men an­de­rer Par­tei­en ent­hal­ten ist oder sein soll­te. So­zi­al­hil­fe­be­darf kann sich aus ei­ner Ge­sell­schaft her­aus er­ge­ben und tut das idR auch – zu­mal in ei­ner Mas­sen­ge­sell­schaft – er darf aber nicht und schon gar nicht in über­di­men­sio­nier­tem Um­fang zu­sätz­lich in ei­ne Ge­sell­schaft im­por­tiert wer­den! (sie­he hier­zu: »Ein­wan­de­rung in die So­zi­al­sys­te­me con­tra In­te­gra­ti­on). Wenn es um das Elend der Welt geht, ist Hil­fe vor Ort das so­zi­al ge­bo­te­ne und dar­über hin­aus weit­aus ef­fek­ti­ve­re Mit­tel der Wahl!

His­to­risch ein­zig­ar­ti­ges Mul­ti­Kul­ti-Ex­pe­ri­ment oder Völ­kerster­ben von sei­ner schöns­ten Sei­te?

Die Quint­essenz obi­ger Aus­füh­run­gen spie­gelt sich im:

Der Amts­eid ei­nes Bun­des­kanz­lers: “Ich schwö­re, dass ich mei­ne Kraft dem Woh­le des deut­schen Vol­kes wid­men, sei­nen Nut­zen meh­ren, Scha­den von ihm wen­den, das Grund­ge­setz und die Ge­set­ze des Bun­des wah­ren und ver­tei­di­gen, mei­ne Pflich­ten ge­wis­sen­haft er­fül­len und Ge­rech­tig­keit ge­gen je­der­mann üben wer­de. So wahr mir Gott hel­fe.” (Amts­eid, Wi­ki­pe­dia)

Ti­tel­bild:
Karl von Pi­lo­ty [Pu­blic do­main], via Wi­ki­me­dia Com­mons

Bei­trag mit Freun­den tei­len?

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