Trump ver­hängt Straf­zöl­le ge­gen Chi­na. Trump? Ach nein, das ist ja die EU!

Die EU be­legt ab so­fort be­stimm­te warm­ge­walz­te Ei­sen- und Stahl­er­zeug­nis­se aus Chi­na mit Straf­zöl­len von bis zu 35,9 Pro­zent. Na­nu? Hieß es bis­lang nicht im­mer, der bö­se Trump ver­sün­di­ge sich mit dem Bau von Mau­ern ge­gen il­le­ga­le Ein­wan­de­rung aus Me­xi­ko oder mit der Ein­füh­rung oder An­dro­hung von pro­tek­tio­nis­ti­schen Maß­nah­men wie Schutz­zöl­len et­wa ge­gen Ein­fuh­ren aus Chi­na oder Me­xi­ko oder den Im­port ja­pa­ni­scher oder deut­scher Au­to­mo­bi­le an der hei­li­gen Kuh der neo­li­be­ra­len Glo­ba­li­sie­rung, den ‘4 Frei­hei­ten’ bzw. ‘4 flows’, näm­lich den of­fe­nen Gren­zen für Men­schen (Ar­beit, Dienst­leis­tun­gen), Wa­ren, Ka­pi­tal so­wie Recht bzw. Si­cher­heit? Wer nun aber ein­mal et­was ge­nau­er hin­sieht, der stellt fest, dass an­de­re Staa­ten und die EU selbst seit lan­gem und in vie­ler­lei Hin­sicht die­sen Ide­en kei­nes­wegs im­mer ge­recht wer­den.

Was Mau­ern und Zäu­ne ge­gen Ar­muts­im­mi­gra­ti­on an­be­langt, so hat das EU-Mit­glied Spa­ni­en in sei­nen En­kla­ven Ceu­ta & Me­lil­la in Afri­ka ho­he und bes­tens ge­sich­ter­te Zäu­ne ge­gen Im­mi­gran­ten er­rich­tet, der Bal­kan ist in­zwi­schen von Sta­chel­draht durch­zo­gen und der Ka­nal­tun­nel zwi­schen Frank­reich und Eng­land wird be­wacht wie Fort Knox. Die Mau­er bzw. den Grenz­zaun der USA nach Me­xi­ko kann Trump gar nicht neu pla­nen, denn Clin­ton, Bush und Oba­ma ha­ben sie längst ge­baut. Und auch Me­xi­ko plant an sei­ner süd­li­chen Gren­ze ei­nen Grenz­zaun nach Gua­te­ma­la. Was Deutsch­land an­be­langt: Die EADS hat mit Un­ter­stüt­zung von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­grenz­schutz halb Sau­di-Ara­bi­en mit Grenz­an­la­gen um­ge­ben (» Wun­der in der Wüs­te), die dem Ver­neh­men nach den gu­ten al­ten ‘an­tif­schis­ti­schen Schutz­wall’, der vor 25 Jah­ren Deutsch­land in zwei Tei­le trenn­te, an Ef­fi­zi­enz bei wei­tem in den Schat­ten stel­len. Wenn Mer­kel al­so sagt, dass Deutsch­land sei­ne Gren­zen nicht schüt­zen kön­ne, so muss man ihr ent­geg­nen, dass es die Gren­zen Sau­di-Ara­bi­ens sehr wohl zu schüt­zen weiß.

Doch auch im Wa­ren­ver­kehr ist die EU kei­nes­wegs so zim­per­lich, wie sie ger­ne tut. Im Be­reich So­lar­tech­nik / So­lar­mo­du­le wer­den schon sei län­ge­rem ‘Anti-Dumping’-Strafzölle auf chi­ne­si­sche Ein­fuh­ren er­ho­ben, bei ei­ni­gen Ei­sen- und Stahl­er­zeug­nis­sen wur­den sie nun eben­falls be­schlos­sen. Auch in­di­sche Er­zeug­nis­se wer­den mit Straf­zöl­len be­legt, eben­so US-ame­ri­ka­ni­sche Pro­duk­te. Die Be­grün­dung der EU lau­tet in die­sen Fäl­len stets, es han­de­le sich bei den Im­por­ten um (staat­lich) sub­ven­tio­nier­te Bil­li­g­erzeug­nis­se, auf die zur Ab­wehr von un­lau­te­rem Wett­be­werb Schutz­zöl­len er­ho­ben wür­den. Das mag stim­men oder auch nicht - Chi­na ist da of­fen­bar an­de­rer Auf­fas­sung. Aber auch wenn dem so ist - was ist dann ei­gent­lich mit den sub­ven­tio­nier­ten land­wirt­schaft­li­chen Er­zeug­nis­sen aus der EU, die auf den afri­ka­ni­schen Markt ge­wor­fen wer­den und dort die hei­mi­sche Land­wirt­schaft rui­nie­ren? Wird die Öff­nung der afri­ka­ni­schen Märk­te für der­ar­ti­ge Er­zeug­nis­se von der EU nicht so­gar zur Be­din­gung für Han­dels­ab­kom­men mit afri­ka­ni­schen Län­dern ge­macht?

Um­strit­te­nes EU-Frei­han­dels­ab­kom­men mit Afri­ka in Kraft

Ti­tel­bild: By On­gayo (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wi­ki­me­dia Com­mons

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