Frie­de, Freu­de, Ei­er­ku­chen: Au­gen zu und durch?

Un­teil­bar: Groß­de­mo in Ber­lin für ‘of­fe­ne Gren­zen’ und ge­gen ‘Hass, Het­ze, Aus­gren­zung’ und ‘Rechts’.

Au­gen zu und durch: Zig­tau­sen­de Men­schen, der Ver­an­stal­ter spricht von 240.000, die Po­li­zei hält 150.000 für ‘gut mög­lich’, ge­hen in Ber­lin auf die Stra­ße, um un­ter dem Mot­to ‘un­teil­bar’ für ‘of­fe­ne Gren­zen für al­le’ und ge­gen ‘Hass, Het­ze, Aus­gren­zung, Ras­sis­mus und Rechts’ und un­ter al­ler­lei wei­te­ren, teils wohl­fei­len und manch­mal auch frag­wür­di­gen Pa­ro­len Stär­ke zu de­mons­trie­ren und sich Mut zu ma­chen.

Man kann da­von aus­ge­hen, dass die meis­ten Teil­neh­mer die­ser De­mo die ehr­li­che Sor­ge um Land, Leu­te und Ge­sell­schaft um­treibt und dass sie es wirk­lich gut mei­nen. Dass sie mit ih­rer Teil­nah­me ein po­si­ti­ves Si­gnal aus­sen­den wol­len.

Aber macht es die Din­ge wirk­lich bes­ser, die Au­gen vor den im­mer grö­ßer wer­den­den kon­kre­ten Pro­ble­men im Lan­de und auf der Welt und de­nen, die ih­nen zum Op­fern fal­len, im­mer fes­ter zu ver­schlie­ßen und die Oh­ren vor den­je­ni­gen, wel­che die­se Pro­ble­me an­spre­chen? Hoch le­be Kö­nig, Kai­ser, Welt­kanz­ler, Welt- und Wer­te­ge­mein­schaft und Glo­ba­li­sie­rung, nur nicht Hei­mat & Va­ter­land? Hängt die Bo­ten, die schlech­te Nach­richt über­brin­gen, die Ver­damm­ten und Stig­ma­ti­sier­ten, die ih­re In­ter­es­sen an­mel­den und die Kri­ti­ker, die das schö­ne Idyll im Rausch der Sin­ne & Mas­sen in Fra­ge stel­len?

Siegt Emo­ti­on und gu­ter Wil­le wirk­lich über Ver­nunft und die ‘Nor­ma­ti­vi­tät des Fak­ti­schen’? Be­stimmt das Sein al­so gar nicht das Be­wusst­sein? Ist ei­ne De­mons­tra­ti­on für ein ‘wei­ter so’ de fac­to nicht eher ei­ne De­mo für wach­sen­de Al­ters­ar­mut, Woh­nungs­not, Nied­rig­löh­ne, für Ge­walt und das Recht des Stär­ke­ren, Cle­vere­ren und An­ge­pass­te­ren? Und da­mit ge­gen Rechts- und So­zi­al­staat, Fair­ness, so­zia­le Ge­rech­tig­keit und So­li­da­ri­tät mit den wirk­lich Schwa­chen hier und an­ders­wo? Ein Plä­doy­er für ‘Je­der kann es schaf­fen, aber nicht al­le’, son­dern nur ein paar aus­er­wähl­te ‘Wirt­schafts­wun­der­kin­der’?

Ei­ne De­mo für ei­ne un­ter der Tarn­kap­pe von Mensch­lich­keit und dem Ban­ner von Hy­per­mo­ral da­her kom­men­de Po­li­tik der Rück­sichts­lo­sig­keit und Selbst­ge­rech­tig­keit, die sich hier in im­mer mehr täg­li­chen ‘Ein­zel­fäl­len’ auf der Stra­ße, im Ghet­to oder im Pfle­ge­heim und an­ders­wo in der Ver­elen­dung von Mas­sen in Staa­ten, Re­gio­nen und min­des­tens hal­ben Erd­tei­len ma­ni­fes­tiert? Die Pro­fi­teu­re und Ver­ant­wort­li­che in Schutz nimmt und ih­nen ein Ali­bi ver­schafft? Al­les halb so wild, macht nur wei­ter so, wir schaf­fen das? Die Fra­ge bleibt: Wie soll das ge­hen?

Es soll aber doch auch Trans­pa­ren­te ge­gen Woh­nungs­not, Al­ters­ar­mut und Nie­rig­löh­ne ge­ge­ben ha­ben. Al­so für kon­kre­te In­ter­es­sen von kon­kre­ten Men­schen. Für die Wah­rung ei­ge­ner In­ter­es­sen ein­zu­tre­ten ist aber ge­nu­in ‘rechts’, wenn man es Ernst da­mit meint. War­um rich­te­te sich die De­mo dann ge­gen ‘Rechts’, wenn es doch zum un­ab­ding­ba­ren per­sön­li­chen, ge­sell­schaft­li­chen und da­mit de­mo­kra­ti­schen Spek­trum eben­so da­zu ge­hört wie ‘links’, wenn man sich ein­mal die fol­gen­de De­fi­ni­ti­on von ‘rechts’ bzw. ‘links’ zu Ge­mü­te führt und sie ak­zep­tiert:

Rechts & links sind bei­des wert­vol­le Aus­rich­tun­gen. Rechts (im Sin­ne von kon­ser­va­tiv, das ver­trau­te Be­währ­te [‘Ei­ge­ne’] be­wah­rend) be­deu­tet im Kern, auf Ei­gen­wohl be­dacht zu sein und links (im Sin­ne von pro­gres­siv, dem Un­be­kann­ten [‘Frem­den’] un­vor­ein­ge­nom­men be­geg­nend) be­deu­tet im Kern, auf Fremd­wohl zum Zwe­cke des sys­te­mi­schen Ge­mein­woh­les be­dacht zu sein. Im Grun­de ge­nom­men sind das al­so nur zwei Sei­ten ei­ner Me­dail­le: Wert­schät­zung sei­ner selbst und Wert­schät­zung an­de­rer. Wert­schät­zung des­sen, wo man her­kommt und des­sen, wo man hin geht. Un­ge­fähr halb & halb er­gibt das ge­nau die rich­ti­ge Mi­schung und die ist in je­dem ge­sun­den Men­schen vor­han­den. Kritsch wird es dann, wenn ein Mensch ex­trem wird (‘rechts­ex­trem’ oder ‘links­ex­trem’), al­so nur auf das Ei­gen­wohl oder nur auf das Fremd­wohl be­dacht ist. Bei­des funk­tio­niert nicht. Man soll­te ei­nen Aus­gleich im Sin­ne ei­nes Ge­ben & Neh­men zum Woh­le des or­ga­ni­schen Gan­zen an­stre­ben.

Fra­gen über Fra­gen …

Links:
Un­teil­bar-De­mo: Die Sam­mel­be­we­gung ist da (Zeit)
240.000 de­mons­trie­ren ge­gen Hass (Welt)
Teilt euch … von Ex­tre­mis­ten und Is­la­mis­ten! (Bild)

Ti­tel­bild: Schnapp­schuss von der De­mo ‘Frei­heit statt Angst, 2007 in Ber­lin – By carsting­axi­on / Cars­ten Bach [CC BY 2.0 ], via Wi­ki­me­dia Com­mons

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